aber es stirbt sich so gut

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Ich erhebe keinen Anspruch
Ich erhebe überhaupt nichts mehr
Ich sollte Arbeiten
Und ins Theater gehen
Das kommt der Realität am nächsten

Ich frage nicht
Ich habe keine Zeit zu fragen
Ich ducke mich gerne in den Winkel
Des Alltags
Und den Mittelpunkt trennen
Nur 2 Silben vom Standpunkt
- und den müsste man hinterfragen

Auf dem Sterbebett
könnte man Fragen
Aber es stirbt sich so gut
Leicht und gedankenlos
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Patrick,

warum schreibst Du die Verben arbeiten und fragen hier groß?
Die 2 solltest Du übrigens ausschreiben.

Gruß Ciconia
 

Perry

Mitglied
Hallo Patrick,

Überlegungen zum letzten Abgang haben immer etwas Theoretisches an sich, wie es in den letzten Minuten wirklich sein wird, wissen wir nicht.
Ich bezweifle aber, dass das Ende "Leicht und gedankenlos" sein wird.
Ich lese den Text aber nicht als reales Statement, sondern eher für eine Art "Theatermonolog."
Am besten gefällt mir die Passage

"Ich ducke mich gerne in den Winkel
Des Alltags",

weil sie ein Blick auf den doch vorhandenen Zweifel zeigt.

Spannend ist die Frage nach den "zwei Silben", die den Mittelpunkt vom Standpunkt trennen. Aber ich sehe hier auch einen Schwachpunkt des Textes, denn er verliert durch diesen unnötigen Rätselansatz etwas an Tiefe.

Danke für die Zeilen.

LG
Manfred
 
Ich erhebe keinen Anspruch
Ich erhebe überhaupt nichts mehr
Ich sollte arbeiten
Und ins Theater gehen
Das kommt der Realität am nächsten

Ich frage nicht
Ich habe keine Zeit zu fragen
Ich ducke mich gerne in den Winkel
Des Alltags
Und den Mittelpunkt trennen
Nur zwei Silben vom Standpunkt
- und den müsste man hinterfragen

Auf dem Sterbebett
könnte man fragen
Aber es stirbt sich so gut
Leicht und gedankenlos
 
Hallo perry
Danke auch dir für die Überlegungen.
Das Ende kann man auch anders lesen, auf dem Sterbebett hat man Zeit zu fragen, deswegen stirbt es sich besser schnell, oder ähnliches.

Es war nur ein Versuch, dieser Text, von daher auch ein Danke an den Werter, er ist wohl misslungen.

L.G
Patrick
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Patrick,

mir gefällts gut. Ich lese es weniger in Bezug auf Tod oder Sterben; auf mich wirkt es eher so, dass LyrIch in gewissermaßen bitteren, lakonischen Worten davon spricht, dass es seinen Platz in der Welt, in der Gesellschaft, im normierten Alltag nicht findet, dass ihm im Grunde alles am Arsch vorbei geht. Da steht einer hilflos vor der Tür, hinter der er das eigentliche Leben vermutet oder aber da ist einer schlau genug, um zu wissen, dass es ein eigentliches Leben gar nicht gibt, dass man drauf pfeifen kann. Ein bisschen anarchisch, ein bisschen resignativ.

Ob du wirklich sowas darstellen wolltest? Keine Ahnung! Aber mir gefällt diese Lesart.

lg wüstenrose
 
Hallo wüstenrose
Das trifft es doch sehr gut, und nebenbei: ist es wirklich wichtig was ich darstellen wollte? Hätte ich die eine allumfassende Deutungsebene gewollt wäre es deutlicher geworden. So kann und darf und soll jeder seinen eigenen Teil mit in die Zeilen tragen.

Vielen Dank und
L.G
Patrick
 

wüstenrose

Mitglied
Hi Patrick,

"Was soll dargestellt werden?" - Ich stimme dir zu: Die Frage ist meist wenig zielführend (um mal dieses trendige Wort zu benutzen). Sich von den Worten berühren zu lassen (sofern diese das Potential haben, zu berühren und Autor und Leser sich auf einer gemeinsamen Wellenlänge begegnen) scheint da die vielversprechendere Herangehensweise zu sein.

Mich irritierte etwas dein "wohl misslungen" - daraufhin dachte ich, du habest eine ganz bestimmte Absicht gehabt.

Manchmal dauerts ein bissle, bis Gedichte ihre LeserInnen finden. Manchmal gibt es eine Sprache hinter der Sprache und die muss sich erst noch ihren Weg bahnen ...

Grüßle
wüstenrose
 
Das bezog sich lediglich auf die 3er Wertung als Rückmeldung.
Da ich kaum ungereimt schreibe und unfähig bin meine eigenen Texte einzuschätzen, dachte ich mir das es vielleicht nicht so gut ist.

L.G
Patrick
 

molly

Mitglied
Hallo Patrick,

ich finde Deinen Text nicht misslungen und freue mich, dass Du ihn nicht gelöscht hast. Jeder liest eben Gedichte auf seine Art. Doch anonyme Werter, die Kommentarlos schlecht werten, kannst Du getrost vergessen.

Sonniges Wochenende und viele Grüße

molly
 

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