Liebes halblicht,
als ich dein Gedicht zum ersten Mal las, hatte es mich schon ver-fasst. Dann ließ ich es lesen, lesen in mir. Dabei hat es eines nicht erreicht: sich abzunutzen, in Vergessenheit zu geraten, aufgewirbelt zu verschwinden.
Hier meine Leseeindrücke, nur ein Ausschnitt daraus:
„im staub / treibt dein gesicht“ etwas ist noch sichtbar, wird verschleiert, aber es treibt und ist nicht vergangen.
„treibt dein gesicht / furchen in die felder“ dieses Antlitz verändert vermeintlich? den Boden, den Grund oder wirft Falten in seinem Werde-gang, in das Feld, es bearbeitet sich selbst, wird bearbeitet
„dann wider nach vorn und“ ein Wider, ein Entgegen, ein Paradox nach vorn und ein „und“, das eine Wiederholung beifügt, etwas Hinlängliches, das es nicht sein wird
„nichts ist wie es war“ revidiert durch ein Wider, dem zuwider sein
„das“ dahinter kein Fragezeichen, vielmehr ein Ausrufezeichen! Für meine Lesart
„ist alles“ allein zu lesen oder im Verbund mit „was hier normal ist“
Ist alles eine Frage? Ist alles hier normal?
Wieder ein Verharren „bleib“, fast wie eine Anrufung des Gesichts im Staub, samt seiner Furchen.
„klopf den staub aus“ so rätselhaft er erscheinen mag, ein „klopf“, ein Reinigungsvorgang ist es mir nicht im Lesen, mag es ausklopfen, klopf!, ihm folgt
„leg die erde auf deine haut“ etwas umfasst, kehrt zurück, will etwas darüber legen in Schichten, will es aufbrechen, nur da sein – gelegt auf deine haut. Keine Erde, kein Ende. Erkenntnis, zur Rückkehr vielleicht in „leg die erde auf deine haut“
Dahinter viel mehr, es ist kein Begräbnis darin.
Eine Offenbarung.
Ich habe den heimlichen Imperativ hinter „das“ und den unheimlichen Wunsch, dieses Gedicht wieder zu lesen.
So manches Gedicht geht den stillen Weg, nicht den breiten.
Ich bin begeistert von deinen Worten.
Liebe Grüße,
ubertas.