Abgerieben, ausgebufft - Sonett

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Walther

Mitglied
Abgerieben, ausgebufft


An dir reibt sich das Leben - du färbst ab.
Mit deiner Farbe geht nicht nur die Jugend,
Und mit ihr schwinden zugleich Kraft und Tugend.
Die Hosen werden klein, die Hemden knapp.

Du fährst dir durch das Haar und findest nichts,
Und wenn da etwas ist, glänzt’s falb und weiß.
Es zwicken Arm und Bauch und Knie und Steiß.
Die Falten nennst du Zierde des Gesichts.

Und du reibst immer noch - dir meist die Augen.
Den Blick durchziehen kleine schwarze Schlieren,
Die sich in schlechten Träumen kaum verlieren.

Zu selten kannst du daraus Honig saugen:
Das Altern kann gelegentlich was taugen,
Doch will es einfach nicht den Menschen zieren.
 

Mondnein

Mitglied
Ich spiele, probier was mit dem Schlußterzett:

[blue]Doch manchmal[/blue] kannst du daraus Honig saugen [blue]- [/blue][blue]
Denn[/blue] Altern kann gelegentlich was taugen[blue]:[/blue]
[blue]es hilft den hypochondrischen Manieren[/blue].
 

Walther

Mitglied
Hi Mondnein,

vielen dank für deinen interessanten eintrag. ich werde auf die variante nach meiner reise in der kommenden woche eingehen.

lieber pfingstgruß W.
 

Tula

Mitglied
Hallo Walther

auch mich verwunderte das doch zu pessimistische Ende. Der Titel versprach so etwas wie eine ironische Pointe, aber dann...

mein bescheidener Vorschlag:

Und doch vermagst Du es, noch Saft zu saugen,
nicht ganz so süß wie einst, doch sollt' er taugen,
um jeden Tag mit Poesie zu zieren...

LG
Tula
 

hermannknehr

Mitglied
Hallo Walter,
das Sonett gefällt mir recht gut. Einige persönliche Anmerkungen (sollen nicht als Kritik verstanden werden).Warum im Alter die Tugend schwinden soll, weiß ich nicht. Es wäre schlimm, wenn es so wäre. Die Hose wird im Alter meistens auch nur eng, nicht klein, weil man ja schrumpft. Das mit dem Augen reiben und Honig saugen habe ich nicht ganz verstanden. Ist es die Verwunderung über das Altern selbst? Deinen Schluss finde ich aber gut. Das Altern ziert nun einmal nicht den Menschen, wer etwas anderes behauptet, macht sich etwas vor.
LG
Hermann
 

Walther

Mitglied
lb Tula,

danke für deinen eintrag. das 2. terzett steht wohl zurecht in der kritik. ich bin selbst noch nicht ganz zufriedenheit damit, möchte aber die inhaltlich ausrichtung so belassen. ich versuche gerade, eine bessere formulierung zu finden, bitte dafür aber noch um etwas geduld.

lieber gruß W.


lieber hermannknehr,

danke für deinen eintrag. die bilder haben ihre berechtigung, da mit dem alter häufig eine gewichtszunahme und eine wandlung des meist straffen körpers der jugend hin zur birne des couch potatoes stattfindet (die statistik ist eher auf der seite des autors).
eigentlich selbstredend, daß das alter die "tugend" - meist mit der naivität eng verwandt - verlieren läßt. je mehr man handelt, desto mehr geschieht das mit dem opportunitätspragmatismus - da bleibt für das hehre wenig platz.
nur zu s4: ich bemerkte oben schon, daß im letzten terzett noch luft nach oben ist. die änderung ist bereits in arbeit, aber noch nicht ganz ferig. danke nochmals dafür, daß man mich hier anschiebt!

lieber gruß W.
 

Walther

Mitglied
Abgerieben, ausgebufft


An dir reibt sich das Leben - du färbst ab.
Mit deiner Farbe geht nicht nur die Jugend,
Und mit ihr schwinden zugleich Kraft und Tugend.
Die Hosen werden klein, die Hemden knapp.

Du fährst dir durch das Haar und findest nichts,
Und wenn da etwas ist, glänzt’s falb und weiß.
Es zwicken Arm und Bauch und Knie und Steiß.
Die Falten nennst du Zierde des Gesichts.

Und du reibst immer noch - dir meist die Augen.
Den Blick durchziehen kleine schwarze Schlieren,
Die sich in schlechten Träumen kaum verlieren.

Zu selten kannst du daraus Honig saugen:
Das Altern könnte manchmal etwas taugen,
Würd alle Welt nicht so nach Jugend gieren.
 

Walther

Mitglied
Hi Mondnein,

oben habe ich das 2. terzett etwas nachgeschärft. ich hoffe, deine überlegungen so besser getroffen zu haben.

danke für deinen textvorschlag! er hat mir am ende die richtige richtung gewiesen ...

lieber gruß W.
 

Tula

Mitglied
Hallo Walther

mir gefallen die Verbesserungen sehr gut. Jetzt hat es den selbst-ironischen Unterton, den ich bei solchen Gedichten mag.

LG
Tula
 

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