Abgrenzungen

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petrasmiles

Mitglied
Abgrenzungen


Ich möchte so gerne ein Gedicht schreiben
das nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt
So einen moralisierenden Ton hat
Mit dem Finger auf andere ins Unbestimmte zeigt

Sondern solche, wo man noch ein bisschen Grübeln muss,
Was oder wen ich wohl gemeint habe
Wo der Groschen nur langsam fällt
Und umso erhellender wirkt

Wo ich als Wortzauberin erscheine
Man die Schwere nur ahnt, die so leicht daherkommt
Das ist mir nicht gegeben
Die Tür ist schon eingetreten

Wie verberge ich meine Botschaft
Dass Abgrenzung nicht gleich Ablehnung heißt
Wovon ich mich abgrenze, kann an sich gut sein
Was ich ablehne, eher nicht

Warum überhaupt eine Botschaft?
Aber warum denn sonst schreiben!
Weil es immer noch ein Reiben an der Welt ist
Das Ego sich positionieren will - und das Herz

Ich respektiere Ideologen, die das Fremde als Bereicherung sehen
Oder als Bedrohung
Ich rede ihnen ihre Selbstbespiegelung oder ihre Angst nicht aus
Habe keinen Anlass, abzulehnen, grenze mich nur ab

Aber wenn europäische Menschen in der Lage sind
In europäischen Gewässern über Flüchtlingsboote zu brettern
Und Tote und Schwerverletzte hinterlassen
Dann ist das keine ‚Nachricht‘, von der man sich nur abgrenzen muss

Nicht in meinem Namen
Nicht mit meiner Billigung
Mit meiner Betroffenheit als Mensch
Mit meiner vollumfänglichen Ablehnung





https://www.proasyl.de/news/wir-sind-alle-traumatisiert/
 
Hallo Petra,

so gerne ...
So einen ...
sprachlich so unglücklich, dass sie mir spätestens in der Wiederholung unangenehm auffallen.


Auch die Verwendung des Wörtchens "wo", wenn es gar nicht um eine Örtlichkeit geht, wie hier:

wo man noch ein bisschen Grübeln muss,
Wo der Groschen nur langsam fällt
Wo ich als Wortzauberin erscheine
finde ich eher unglücklich.


Womit ich nur sagen will, dass mir dein Text ohne diese Fehler (in meinen Augen) besser gefallen hätte.

mit Ostergrüßen
vom Clown
 

petrasmiles

Mitglied
Lieber Clown seiner Klasse,

das finde ich in Ordnung, dass Dir diese 'so'-'wo'-Dinge auf- und missfallen, aber es geht ja gerade um die Gegenüberstellung von gefühlter und angewandter sprachlicher Unbeholfenheit und 'Botschaft', vom Huldigen der Kunst gegenüber moralisieren.
Es geht um das Ausloten der Schnittstelle.
Das LyrI schreibt umgangssprachlich, nicht literarisch und das 'wo' bezeichnet schon einen Ort - einen nicht erreichten.

Vielleicht geht es auch um die (von mir so) empfundene Unmöglichkeit, manche Themen literarisch zu verarbeiten.

Ich denke noch einmal darüber nach, die eine oder andere Idee hatte ich schon.

Danke für Deinen Besuch und die Rückmeldung.

Liebe Grüße
Petra
 

petrasmiles

Mitglied
Lieber Clown,

Du meinst es bestimmt gut und aufmunternd, aber ich reagiere auf diese Art der 'Ermutigung' eher störrisch.
Nicht, weil ich mich über Verbesserungen erhaben fühle, sondern weil ich meinen eigenen Plänen folgen möchte und andere Dinge mich gerade bewegen und beschäftigen, die eine höhere Priorität für mich haben.

Schöne Ostern noch und liebe Grüße
Petra
 

Tula

Mitglied
Hallo Petra
Das ist wohl die große Kunst der Lyrik, die Tür nicht gleich einzutreten oder eben mit der sogenannten Pointe am Ende jeden Zweifel auszumerzen " wie es gemeint war". War es Hilde Domin oder jemand anders, der/die auf das Ungesagte und nur zwischen den Zeilen Angedeutete verwies.
Umgekehrt ist es aber auch nicht besser. Wenn die 'message' gar nicht mehr durchkommt und nur noch sprachliche Klimmzüge zählen, wird's schnell belanglos.

LG Tula
 

petrasmiles

Mitglied
Hallo Petra
Das ist wohl die große Kunst der Lyrik, die Tür nicht gleich einzutreten oder eben mit der sogenannten Pointe am Ende jeden Zweifel auszumerzen " wie es gemeint war". War es Hilde Domin oder jemand anders, der/die auf das Ungesagte und nur zwischen den Zeilen Angedeutete verwies.
Umgekehrt ist es aber auch nicht besser. Wenn die 'message' gar nicht mehr durchkommt und nur noch sprachliche Klimmzüge zählen, wird's schnell belanglos.

LG Tula
Da kann ich Dir nur zustimmen.
Und es ist auch so, dass es 'Ohren-Paare' gibt, die gleich hören, was der andere sagen will was andere nicht hören.
Mir ist da vieles nicht gegeben ... aber man muss mit dem arbeiten, was man hat :)

Danke für Deinen Besuch! (... und die Sterne sehe ich gerade ...)

Liebe Grüße
Petra
 



 
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