Albatros

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wiesner

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Albatros


Vom schwarzen Fels, das Meer im Schaume klar,
herab und dieser Welt ein Letztes auszurichten …
Der Himmel eilt herbei und unsagbar
spricht er uns an, auf seiner Stirn zu sichten

der hohen Wolken weites Treiben,
des Sturmes Sprung von Wind zu Wind,
der Vögel Flügelspiel ein Bleiben
in Lüften warmen Blaus gewinnt.

So schleichen wir von schroffen Steinen fort,
ersegeln schneidig unseres der Firmamente.
Wir wanken anfangs, träumen diesen Ort
und flattern weiter. Nichts, was uns zertrennte.
 

Ubertas

Mitglied
Lieber Béla,
ich lasse mich gerade durch deine Zeilen treiben und ersinne ein Verweilen im Flügelspiel, von Horizont zu Horizont.
Ein fabelhaftes Gedicht!
Liebe Grüße,
ubertas
 

wiesner

Mitglied
Liebe Ubertas,

hab eine schöne Zeit dort oben, so weit weg und immer weiter ...

Das Gedicht möge das von mir beabsichtigte metrische Gleiten erkennen lassen, ganz dick kommt es in den zweiten Zeilen der ersten und dritten Strophe.
Die zweite - das Zentrum - ist reine Natur, ohne Mensch - umklammert von einer Andeutung oben mit Himmelsrettung und vom Willensausdruck unten.
Das ist viel Holz auf kurzem lyrischen Pfad ... aber zu meiner Freude fiel mir Rilkes Panther ein, ebenfalls zentrisch gebaut und tief ergründet - natürlich viel besser als bei mir!
Danke für Lob und Kommentar!

Gruß
Béla


@Scal @Tula
Euch beiden herzlichen Dank für Besuch und Wertung!
 

Ubertas

Mitglied
Lieber Béla,

leider fehlte mir heute zur Mittagsstunde die Zeit, es reichte nur für ein kleines kra unter meinem Gedicht. Aber jetzt – und vor allem, so hoffe ich, bleibt dein so beeindruckendes Gedicht „Herbststunde“ bestehen. Zumindest möchte ich ihm einen kleinen Kommentar hinterlassen.

Alte Knospen, etwas, das nicht mehr aufblüht, das alt wird, bevor es seine Schönheit zeigen kann. Ein Scheppern, ein Laut, der knarzend, rostig in uns dringt, kühl, blechern. Fast wie ein unaufhaltsames Trommeln. Das einst Organische ist hart geworden, selbst der Sonnengang erfährt eine tiefere Bahn, ein Windzug trägt sich hinfort, verlässt das Gegenständliche, geht vorbei.

In der zweiten Strophe fühle ich etwas, das sich selbst fast tot nennt, abgelöst dringt es zu uns hinauf. Da lese ich zweierlei, es lässt alle Trauer in uns aufschlagen, sogleich wie ein Totenbuch etwas weiteres öffnet. Im anderen sehe ich Trauer, die über unsere eigenen Stufen zu uns gekommen, aufschlägt, wie eine uns vor die Füße geworfene Unausweichlichkeit. Und dieses „auf“ – es lässt sich in die letzte Verszeile lesen. Plötzlich finde ich alte Knospen in ihrer Widersprüchlichkeit wieder in „kein herz blüht“.

Danke, lieber Béla, für dieses außerordentliche Gedicht, das mich über die Stunde hinaus erfasst. Ich habe es gewagt, deiner „Herbststunde“ hier einen kleinen Nachhall zu senden, während dein „Albatros“ eine andere Verwandlung in sich trägt.

Deine „Herbststunde“ bleibt – hier in meinem kleinen Büchlein steht sie notiert, so dass ich immer wieder in ihr lesen kann. Danke für diese beiden Gedichte, sie sind aus bestem Holz gewachsen!

Liebe Grüße,
ubertas
 



 
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