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Alles Geniale ist einfach

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Alles Geniale ist einfach

Je mehr Technik in der Gestaltung unseres Alltags und Einrichtung unseres Domizils, desto öfter fallen Reparaturen an. Man kann nicht jedes Mal neu mit einer Renovierung anfangen. Man sammelt die kleinen Sachen für später, für die Tage, wenn man mehr Zeit hat, wenn es regnet oder wenn man einfach Lust hat. Ich glaube, dass das Letzte die ehrlichste Ausrede ist. Kein verregneter November kann lang genug dafür sein. Lust auf Reparaturen hat man nie.

Und so bleiben die kleinen Fallen ewig lange in der ganzen Wohnung verteilt. Man lernt es, damit zu leben. Den Haken, der ständig aus der Wand herausfällt, beansprucht man nicht. Auf den Stuhl mit einem kaputten Bein setzt man sich nicht. Mein Vater versuchte lange genug, seinen Besuchern eine aufwändige Technik der vorsichtigen Betätigung der defekten Klospülung beizubringen. Diese Technik beherrschte er selber perfekt. Seine Gäste lernten das nie.

Ich war damals 14 Jahre alt. Mein Vater war dienstlich verreist. Meine Schwester versuchte ihr Glück bei den Aufnahmeprüfungen an einer Hochschule in einer anderen Stadt. Meine Mutter hatte Spätschicht bis 1 Uhr in der Nacht. Mit dem Sturmfrei wusste ich an diesem Abend nicht viel anzufangen. Ich schaute im Fernsehen alles, was die sowjetische Glotze zu bieten hatte. Irgendwann mal musste ich auf die Toilette. Ich schloss mit einer gewohnten, festsitzenden Bewegung aus dem Handgelenk von der waagerechten Stellung 45° nach oben die Tür hinter mir ab. Das Schloss war schon eine längere Zeit defekt. „Na toll“, ärgerte ich mich. Auf dem Weg zur Toilette sah ich aus dem Augenwinkel die Uhr. Es war erst kurz vor zehn.

Ich versuchte es, die Tür zuerst mit Geschick, danach mit Kraft aufzubekommen. Das gelang mir nicht. Von außen wäre es kein Problem. Von innen war es dagegen eine Glücksache, das russische Roulette mit 5 Patronen. Den einzig möglichen Leerlauf an diesem Abend verbrauchte ich schon. Der Raum war 1 m² groß, ohne Fenster und kühl auch im Sommer. Ich blieb in dieser Zelle für die nächsten 3,5 Stunden gefangen. Ich wartete auf die Rückkehr meiner Mutter.

Schade, dass es nichts zum Lesen gab. Die Großeltern väterlicherseits hatten ein Plumpsklo im Garten und verbrauchten nach der altmodischen Methode die alten, schon vergilbten Zeitungen und Bücher. Das war quasi das Staatsarchiv. Die Jahrgänge, aus welchen die Druckstücke stammten, beeindruckten. Bei uns gab es keine Klolektüre.

Das Fernsehprogramm war zu Ende. Der Fernseher rauschte unangenehm. Die Zeit lief wahnsinnig langsam. Ich fror und schwor mir, nie wieder eine Toilettentür abzuschließen. Ich sehnte mich nach einem stinkeinfachen Schließhaken, dessen Konstruktion jeglichen Defekt ausschloss. Er könnte zwar brechen und ein selbstständiges Öffnen aber nie eine unkontrollierte Schließung einer Tür verursachen.

Die Freude, meine Mutter zu sehen, war mit nichts zu vergleichen. Als ich mich etwas von den Strapazen erholte, wurde mir klar, dass mein Schwur keinen Sinn ergab. Der Vorschlag meines Vaters, die Tür nicht abzuschließen, war utopisch. Das erste, was der Vater zu tun hatte, nachdem er die Wohnung betrat, war es, die Toilettentür wieder schließfähig zu machen.
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gelöschtes Mitglied 22787

Gast
Gefällt mir grundsätzlich ganz gut. Einzig und allein auf den doch recht eindeutig besetzten Begriff aus einer nicht rühmlichen Epoche der deutschen Geschichte im letzten Absatz hätte vielleicht doch besser verzichtet werden sollen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 22787

Gast
Gerne geschehen. Freut mich, wenn mein Hinweis hilfreich sein konnte.

Liebe Grüße
Dag
 


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