als ob sie wüsste

3,80 Stern(e) 4 Bewertungen
regen fällt und spült die hitze aus den straßen.
du wartest noch, verzagt, auf jenes klacken
ihrer schuhe, ihren ton. wenn sie fast stolpernd
in den viel zu hohen schuhen, irgendeiner marke,
wie ein storch zu dir hinüber stakt, als ob
sie wüsste das du fehler liebst. dich stärker fühlst
bei krummen nasen, dicken beinen. der erneute
blick zur uhr: ein paar sekunden noch,
bis zu dem lächeln, ihren lippen. deinen puls
fühlst du im takt der tropfen schlagen. fährst
zerfahren mit der hand die haare glatt.
dann hörst du fern ein klacken aus der nebengasse:

du atmest zweimal durch - und rennst davon...
 

ENachtigall

Mitglied
Hallo Patrick,

eine sehr melodiös klingende prosaische Poetik, deren Erzählcharakter den Leser in Sicherheit wiegt, bevor er abrupt, unerwartet und endlich aus dem Gemütlichkeitsmodus gerissen wird!

"als ob sie wüsste" wäre mein Tipp für den Titel. Dieser hier gibt m.E. im Vorhinein zu viel preis; selbst wenn es der Leser nicht bewusst wahrnimmt.

Die Lyrik lebt ja von jenen leisen und subtilen Zwischen- und Untertönen, die dem, der sie wahrnimmt so viel zu erzählen haben ...

Lieben Gruß,

Elke
 

Monochrom

Mitglied
Hi,

sehr gut. Die Enjambents sind klasse gesetzt.
Beim Lesen hat man so eine Art Schwindelgefühl, es dreht sich, wellt sich, es wird angetippt, Du überlässt es dem Leser, die Spannung durch die eigene Vorstellungskraft aufzubauen, also,

mir gefällt das sehr gut.

Tschö,
Monochrom
 
Hallo Elke
Vielen Dank für die Rückmeldung.
Es freut mich dass das Werk so wirkt wie du es beschreibst.

Deinen Titelvorschlag nehme ich gerne an.
Kannst du ihn ändern?



Hallo monochrom
Auch dir ein großes Danke :)

L.G euch beiden
Patrick
 
regen fällt und spült die hitze aus den straßen.
du wartest noch, verzagt, auf jenes klacken
ihrer schuhe, ihren ton. wenn sie fast stolpernd
in den viel zu hohen schuhen, irgendeiner marke,
wie ein storch zu dir hinüber stakt, als ob
sie wüsste, dass du fehler liebst. dich stärker fühlst
bei krummen nasen, dicken beinen. der erneute
blick zur uhr: ein paar sekunden noch,
bis zu dem lächeln, ihren lippen. deinen puls
fühlst du im takt der tropfen schlagen. fährst
zerfahren mit der hand die haare glatt.
dann hörst du fern ein klacken aus der nebengasse:

du atmest zweimal durch - und rennst davon...
 
O

orlando

Gast
Hallo Patrick,
mir gefällt das auch gut, wie ich es grundätzlich bevorzuge, wenn die Hiesigen ausgetretene Pfade verlassen und Neues versuchen. :)

Für die letzten Verse hätte ich zwei Änderungsvorschläge:

fühlst du im takt der tropfen schlagen. [strike]fährst[/strike] [blue]streichst[/blue]
zerfahren mit der hand die haare glatt.
dann hörst du fern ein klacken aus der nebengasse:

du atmest zweimal durch - und rennst [strike]davon...
[/strike]
Die erste Änderung erklärt sich aus der innewohnenden Logik, der zweite aus meinem Sprachgefühl (nie zu viel Erklärung ...),
kannst ja mal überlegen.

Beste Grüße
orlando
 

ENachtigall

Mitglied
Einspruch

du atmest zweimal durch - und rennst
... beinhaltete aber nicht die Richtung und bleibt somit uneindeutig.

Im "Fahren" der Handbewegung steckt zeitgleich das Fahrige und es korrespondiert unmissverständlich mit der Straßenszene. Deshalb ist es gut so.

Schöne Grüße von Elke
(dem Autor eine Bresche schlagend :)
 
O

orlando

Gast
fährst
zerfahren mit der hand die haare glatt
.
Ich kenne diesen Ausdruck nicht, ist aber
vielleicht die Besonderheit einer Wohngegend (Dialekt)?
Und LyrI läuft, bzw. rennt doch und fährt eben nicht.

Aber Patrick macht eh was er will. Und das finde ich gut. :)

orlando
 
Hallo orlando
Elke hat recht. Zwar wäre "und rennst" vieldeutiger
da es eben nicht die Richtung angibt,
mir ist es aber wichtig dass er nicht auf sie zu,
sondern von ihr wegläuft.

Das "fährst" habe ich gewählt weil es mehr an eine zittrige,
nervöse Hand erinnert, streichen ist mir hier zu undeutlich.

Ich verbinde streichen auch mit "ich-mach-mich-schön" und das
möchte ich verhindern.

Ich hoffe du nimmst mir das nicht übel :)

L.G
Patrick
 
Ohhhh hat sich überschnitten.

Da ich in meinem jungem Leben schon überall in Deutschland gewohnt
habe, weiß ich nicht wo ich das fahren aufgegriffen habe.

Im Grunde sagt es dasselbe wie streichen.
Bloß etwas nervöser, aufgebrachter.
Siehe letzter Kommentar

L.G
Patrick
 

Oben Unten