Alter, moruk

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Arcos

Mitglied
Alter, moruk,
ich war mal Shisha rauchen,
versüßt mit ein bisschen Haşiş,
und Bruder —
çüş, oha lan —
das hat reingehauen
wie ein Donnerschlag.

Rakı ist Kindergarten dagegen,
mein Kopf flog über den Bosporus,
mein Herz tanzte zwischen Sternen
und Straßenlaternen.

Dann kam der Moment,
wo ich dachte,
inşallah wirst du das überleben,
wenn kısmet ist, lan.

Abi, Bruder —
nie wieder, sag ich dir.
Ich sitze lieber mit meiner Habibti,
trinke einen heißen çay,
lausche dem Zucker,
wie er in der Tasse ertrinkt.

Dann, haydi,
ziehen wir los in die Nacht,
ein Dürüm in der Hand,
Lachen im Gesicht.
Vielleicht treffen wir Freunde,
vallah, irgendwo im Neonlicht,
und sagen nur leise:
Selam aleyküm.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Schöne Mischung zweier Sprachen. Als schönstes Wort empfinde ich çay = Tee. Es ist international, und entstand entsprechend zu Tee. aber auf verschiedenen Routen. So ist auch Russisch Tee= Чай.

Wahrhaft international.

Ich habe mal Übersetzungen der beiden Bereiche, die alten Routen entsprechend entstanden, ausgesucht.



Russischähnliche Varianten (Чай-Sprachen):


  • Russisch: чай (chai)
  • Ukrainisch: чай (chai)
  • Weißrussisch: чай (chaj)
  • Bulgarisch: чай (chay)
  • Serbisch/Kyrillisch: чај (čaj)
  • Mazedonisch: чај (čaj)
  • Kasachisch: шай (shay)

Englischähnliche Varianten (Tea-Sprachen):


  • Englisch: tea
  • Irisch (Gälisch): tae
  • Schottisch-Gälisch: tì
  • Walisisch: te
  • Bretonisch: te
  • Niederländisch: thee
  • Deutsch: Tee (ja, auch hier ähnlich)


Weitere:
Türkisch und angrenzende Sprachen

  • Türkisch: çay (aus dem Persischen übernommen, im Türkischen das normale Wort für Tee)
  • Aserbaidschanisch: çay
  • Usbekisch: choy / chay
  • Turkmenisch: çay
  • Kasachisch: çay (kyrillisch: шай)
  • Kirgisisch: çay (kyrillisch: чай)
Orientalische Sprachen (vor allem Naher Osten / Zentralasien)

  • Persisch / Farsi: chāy (چای)
  • Arabisch: shāy (شاي / شاي)
  • Urdu: chāy (چائے)
  • Hindi: chāy (चाय)
  • Paschtu: chay (چای)
  • Tadschikisch (Persisch, kyrillisch): chay (чай

    Mir half: ch Allwissend.

Ich habe mich hier auf das Wort beschränkt, was ich am besten kenne, neben
Selam aleyküm. Das Gedicht finde ich gelungen, kann es aber nur teiweise kulturell entschlüsseln, was einen Teil der Magie ausmacht.

Ein kleiner Auszug.
 
Zuletzt bearbeitet:

Anders Tell

Mitglied
Hallo Bernd,
Linguistik ist faszinierend und unerschöpflich. Deine Ausführungen zu "Tee" finde ich sehr interessant. Offenbar hat sich ein ähnlicher Name verbreitet als das Getränk aus Asien hier überall Verbreitung fand. Ich weiß nicht, wie Tee in den Ursprungsländern (z. B. Indien oder Sri Lanka) heißt.
Ein anderes Wort ruft ebenso meine Neugier hervor: "vallah". Es ist so eine Besteuerungsformel ähnlich wie das spanische "vale". Ich habe Spanier nach der Bedeutung gefragt und sie sagten, es hieße alles und gar nichts.

Anders
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich habe den Text mit Unterstützung von ChatGPT hier erarbeitet.

Die zwei Ursprünge des Wortes „Tee“
1️⃣ 茶 → chá / chai (Landroute)

  • Ursprung: Altchinesisch 茶
  • Aussprache in vielen chinesischen Dialekten: chá

Verbreitung über Land:


  • Seidenstraße
  • Zentralasien
  • Persien
  • Russland
  • Osmanischer Raum

Sprachliche Nachkommen:


  • Russisch: чай
  • Arabisch: شاي‎ (shāy)
  • Persisch: چای (chāy)
  • Türkisch: çay
  • Hindi: चाय (chāy)
  • Swahili: chai

Faustregel:


Kam der Tee zu Fuß, mit Pferd oder Kamel, heißt er chai.
2️⃣ 茶 → te / (Seeweg)

  • Ursprung: Min-Nan / Hokkien (Südchina, Fujian)
  • Aussprache dort:

Verbreitung über See:


  • Südchinesische Häfen
  • Niederländische Ostindien-Kompanie
  • Europa ab dem 17. Jh.

Sprachliche Nachkommen:


  • Niederländisch: thee
  • Englisch: tea
  • Deutsch: Tee
  • Französisch: thé
  • Spanisch:
  • Skandinavische Sprachen: te

Faustregel:


Kam der Tee per Schiff, heißt er tea.
Wichtig: Kein Zufall, keine Lautverschiebung

  • Nicht: ein Wort → zufällig zwei Formen
  • Sondern:
    ein Schriftzeichen (茶)zwei gesprochene Handelsaussprachelinien

Schrift bleibt gleich,
Aussprache folgt dem Weg.
Meine Anmerkung: Chinesische Zeichen tragen Bedeutung, nicht Aussprache
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das Wort „vallah“ ist ein Lehnwort aus dem Arabischen, genauer aus der Umgangssprache. Es stammt vom arabischen Ausdruck والله (wallāh), was wörtlich „bei Gott“ bedeutet. Es ist ein Schwur oder eine Bekräftigung, ähnlich wie „bei Gott, ich schwöre“ oder „ehrlich“.
Dabei ist „wallāhi“ die klassische Form. „Wallah/vallah“ sind verbreitete Umgangsvarianten.

Herkunft und Gebrauch:

  1. Arabisch:
    • والله (wallāh) = „bei Gott“
    • Wird verwendet, um die Wahrheit einer Aussage zu betonen oder zu schwören.
    • Beispiel: „Wallāh, ich habe es nicht getan!“ → „Bei Gott, ich habe es nicht getan!“

      Pendelt zwischen feierlichem Schwur und umgangssprachlicher Emphase.
  2. Übernahme in andere Sprachen:
    • In Türkisch, Jugendsprache in Deutschland und in vielen urbanen Slangformen des Nahen Ostens wird „vallah“ verwendet, oft ohne bewusste religiöse Konnotation, eher als Bekräftigung, Ausruf oder Ausdruck von Ernsthaftigkeit.
      Türkisch ist eine sehr gebräuchliche Kurzform "valla"
    • Beispiel im Türkischen: „Vallah çok güzel!“ → „Ehrlich, das ist sehr schön!“
Bedeutung in der Alltagssprache:

  • Bekräftigung: „Ich schwöre, es stimmt!“
  • Überraschung oder Staunen: „Wirklich? Vallah?“
  • Informell, unter Jugendlichen: Kann fast wie „wirklich“ oder „ernsthaft“ fungieren, oft ohne religiöse Intention.
  • Kontext ist wichtig, da es ursprünglich Gottesbezug hat. (Wie Deutsch "ach Gott, ogott, mein Gott, ogottogott" - wo Gottesbezug direkt hörbar ist, aber sprachlich verblasst.
Unterstützung von ChatGPT und Copilot.

siehe auch wallah ▶ Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft ▶ Duden
 

Anders Tell

Mitglied
Super lieber Bernd,
unfassbar, wie schnell Du diese Informationen einholen kannst. Vielleicht muss ich mich doch mehr mit ChatGPT befassen.
In dem Teestrang schlummert eine Unzahl spannender Themen wie Ostindien Kompanie und chinesische Schriftzeichen. Ich bin begeistert wie ergiebig eine solche Recherche ist.
Anders
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich habe Einzelheiten überprüft, da diese Programme oft Flunkern. Zum Beispiel habe ich die chinesischen Schriftzeichen übersetzen lassen und habe in weiteren Quellen nachgesehen. Ich kann aber nicht völlig ausschließen, dass Fehler drin sind. Den Sachverhalt kannte ich. Besonders interessant ist, dass sowohl in "Valla" als auch in "Ogottogott" die Laute verschmelzen. Und dass es aufs Register ankommt (man kann nicht erwarten, dass alle es in gleicher Weise verstehen.)
Bernd

siehe auch: Etymologie des Begriffs Tee – Wikipedia (wesentlich ausführlicher)
 

Arcos

Mitglied
Ich danke euch @Anders Tell und @Bernd vielmals für den regen Austausch und die äußerst aufregenden Informationen.
Vor allem die Herkunft des Wortes Tee / çay über Landroute und Seeweg. Und wie sehr es mit der chinesischen Aussprache verbunden ist.
Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Vielen Dank @Bernd für die Recherche!

Vielleicht noch zum Wort "vallah":
Die normale und lange Variante im Türkischen ist "vallahi" (Aussprache im Deutschen "wallahi"). In der Form wird es in der Türkei benutzt.
"Vallah" ist die arabische Variante. Die Bedeutung wurde von Bernd bestens erläutert.

Es gibt noch die negierte Variante (aber nur im Arabischen): Lovallah. Aussprache im Deutschen "Lowallah".
Korrekter würde es im Ursprung dann heißen: Lovallah ich habe es nicht getan = Bei Gott ich habe es nicht getan.
Also wenn jemand dir vorwirft: "Vallah du hast es getan", musst du antworten "Lovallah ich habe es nicht getan". Es wird also in der Formulierung des Widerspruchs gegen den Vorwurf verwendet, der mit "vallah" geäußert wurde.

Vallah, es lässt sich noch viel schreiben über die Sprache und die Geschichte...
Aber jetzt mache ich mal eine Pause und gönne mir natürlich einen çay. Ich meine vor allem den Schwarztee.

Vielen Dank @fee_reloaded für deine Bewertung!

Beste Grüße
Önder
 

petrasmiles

Mitglied
Lieber Önder,

ich bin wieder fasziniert, wie Du ein mir fremdes Lebensgefühl einfängst und sichtbar machst - vor allem wohl hörbar.

Liebe Grüße
Petra
 



 
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