Am Arsch vorbei

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Sidgrani

Mitglied
Auf seinem Thron sinniert ein Arsch,
gibt sich blasiert und fordert barsch:
Man möge ihm Respekt erweisen
und lauthals seine Größe preisen.

Sein Leben lief total verkehrt,
dabei sei er doch hochgelehrt.
Er würde hier vor Ort studieren
anhand von Zeitungsblattpapieren.

Nachdem man ihn komplett entblößt
und sich des Darmes Druck gelöst,
harrt er auf Bilder und Lektüre
und hofft, dass man sie vor ihn führe.

Dann endlich ist die Hand in Sicht,
die ihm ein Feuilleton verspricht.
Schnell stiert er durch die weiße Brille
und liest dank seiner Arschpupille.

Die „Welt“ streicht hinterrücks vorbei,
so wie die „Bild“ mit Nackedei.
Was jetzt die Hände kreisen lassen,
versucht er blitzschnell zu erfassen.

Doch alles kann er nicht behalten,
sein Wissen ist wie er gespalten
und währt kaum länger als ‚ne Kerze,
dafür sehr lang die Druckerschwärze.

Am Ende bleibt nur heiße Luft,
die wirkungslos im Raum verpufft.
Drauf lässt er sich ins Dunkel zwingen
und denkt an Götz von Berlichingen.
 
T

Trainee

Gast
Hallo Sidgrani,

hier hat wohl jeder einen ganz spezielles Gesäß vor Augen. Mir, zumindest, fiel die Auswahl nicht schwer. ;)
Denn: "Wozu in die Ferne schweifen, sieh, das Feuilleton ist nah ..."

Lachende Grüße
Trainee
 

Sidgrani

Mitglied
Hallo Trainee,

auch wenn in meinem Gedicht Ähnlichkeiten mit lebenden Personen nicht beabsichtigt sind, findet der aufmerksame Forenleser oft spontan Indizien, die ihn an ein bestimmtes Individuum denken lassen. Anscheinend war das bei dir der Fall.

Hätte es dich vielleicht noch mehr amüsiert, wenn die folgende Strophe den Schluss gebildet hätte?

Er kann sich noch so sehr empören,
man schätzt es nicht, von ihm zu hören.
Mit einem Arsch, muss er kapieren,
will wirklich niemand diskutieren.
Danke für den Beifall. Ich freue mich immer, wenn gelacht oder geschmunzelt werden konnte. :)

Lieben Gruß
Sidgrani
 
T

Trainee

Gast
Hallo Sidgrani,

ja, auch diese Strophe hätte einiges für sich. :D
Doch gerade

Am Ende bleibt nur heiße Luft,
die wirkungslos im Raum verpufft.
Drauf lässt er sich ins Dunkel zwingen
und denkt an Götz von Berlichingen.
die Sache mit der "heißen Luft" spricht mich besonders an.
Ich denke dabei an lyrisches Blendwerk, an Form als Selbstzweck also.
Natürlich finden sich hierfür zahlreiche Anhänger. Ich denke dabei zuweilen an Fliegen über einem offenen Abort, um beim Thema zu bleiben ...

Herzliche Grüße
Trainee
 

Tula

Mitglied
Moin

Meine Lieblingsstelle ist die gespaltene Persönlichkeit.

Und ganz im Ernst: ein tolles, humorvolles Gedicht.

LG
Tula
 

Sidgrani

Mitglied
Hallo Trainee,

da hast du recht, heiße Luft wird überall produziert und gipfelt mitunter in Kakophonie. Da wenden sich die Musen sicher schon mal mit Grausen ab und soufflieren dem Urheber, er möge doch einmal über die Selbstzerfleischung nachdenken. Aber er kann ja schließlich nicht über den Tellerrand, äh - Brillenrand hinweg schauen. Trotzdem hat auch er seine Anhänger, so wie der Abort die Fliegen.

Lieben Gruß
Sidgrani



Hallo Tula,

im Leben hat ja so ziemlich alles zwei Seiten, wobei die gespaltene Persönlichkeit sich meistens sehr wohl in ihrer Haut fühlt und gar nichts von dem Handicap merkt.

Freut mich sehr, dass du mein Gedicht so lobst, danke!

Lieben Gruß
Sidgrani
 

Label

Mitglied
Hallo sidgrani

ein wirklich schönes, humorvolles Gedicht das schwungvoll auch an Brillenrand tragende denken lässt, während der Protagonist auf dem Brillenrand sitzt. ;)
mir würde dein "Alternativende"

Er kann sich noch so sehr empören,
man schätzt es nicht, von ihm zu hören.
Mit einem Arsch, muss er kapieren,
will wirklich niemand diskutieren.

gut als zusätzliche und dann als letzte Strophe gefallen.

Lieber Gruß
Label
 

Sidgrani

Mitglied
Hallo Label,

da fragt man sich doch glatt, warum die Klobrille Klobrille heißt. Wenn schon eine Anlehnung an die Optik, dann doch wohl eher Klo-Monokel.

Ich werde deinen Vorschlag - finde ich gut - jetzt gleich in die Tat umsetzen und die besagte Strophe unten dranhängen.

Danke für das Weiterspinnen dieses anrüchigen Themas und einen lieben Gruß.
Sidgrani
 

Sidgrani

Mitglied
Auf seinem Thron sinniert ein Arsch,
gibt sich blasiert und fordert barsch:
Man möge ihm Respekt erweisen
und lauthals seine Größe preisen.

Sein Leben lief total verkehrt,
dabei sei er doch hochgelehrt.
Er würde hier vor Ort studieren
anhand von Zeitungsblattpapieren.

Nachdem man ihn komplett entblößt
und sich des Darmes Druck gelöst,
harrt er auf Bilder und Lektüre
und hofft, dass man sie vor ihn führe.

Dann endlich ist die Hand in Sicht,
die ihm ein Feuilleton verspricht.
Schnell stiert er durch die weiße Brille
und liest dank seiner Arschpupille.

Die „Welt“ streicht hinterrücks vorbei,
so wie die „Bild“ mit Nackedei.
Was jetzt die Hände kreisen lassen,
versucht er blitzschnell zu erfassen.

Doch alles kann er nicht behalten,
sein Wissen ist wie er gespalten
und währt kaum länger als ‚ne Kerze,
dafür sehr lang die Druckerschwärze.

Am Ende bleibt nur heiße Luft,
die wirkungslos im Raum verpufft.
Drauf lässt er sich ins Dunkel zwingen
und denkt an Götz von Berlichingen.

Er kann sich noch so sehr empören,
man schätzt es nicht, von ihm zu hören.
Mit einem Arsch, muss er kapieren,
will wirklich niemand diskutieren.
 

Thylda

Mitglied
Lieber Sidgrani

Wahrscheinlich schwebt Jedem bei diesem Gedicht ein Lieblingskandidat vor. Ich habe sogar die Auswahl unter mehreren. Vielen Dank :)

lg~
 


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