Amtsverweser

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Walther

Mitglied
Amtsverweser

Gerecht verteilt ist nichts auf Erden,
Und wer sich groß fühlt, ist meist klein.
Es kann nicht jeder Dichter werden!
Nein, ganz im Ernst: Das muss man sein.

Man wird sich immer überheben,
Schaut man aufs Unten von hoch oben.
Erkannt wird schnell das eitle Streben:
Man sollte sich nicht selber loben.

Der kluge Dichter freut sich stille.
Er hält sich selbst für nicht so wichtig.
Denn Qualität macht nicht der Wille,
Nur en passant gelingt es richtig.

Am Ende misst Erfolg der Leser:
Wenn’s ihm gefällt, dann ist es recht.
Poeten sind nur Amtsverweser
Für Musenküsse – gut wie schlecht.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Walther,

dem ist nichts hinzuzufügen und es bleibt zu hoffen, dass es bei den Richtigen ankommt. ;)

Liebe Grüße
Manfred
 

Walther

Mitglied
Hallo Walther,

dem ist nichts hinzuzufügen und es bleibt zu hoffen, dass es bei den Richtigen ankommt. ;)

Liebe Grüße
Manfred
Hi Manfred,

man darf sich immer gern an der eignen nase fassen, und ich mache das gerade vorsichtshalber und gelobe besserung.

sagen wir's mal so: poeten brauchen wohlmeinende kritiker, aber sie müssen auch zuhören, wenn man kritisiert. selbst kann man nicht entscheiden, ob ein text gelungen ist. das entscheidet der leser, der auch kritiker sein kann (und für sich allein immer ist, denn er legt fest, ob ihm ein text was gibt oder nicht). man sollte sich übrigens glücklich schätzen, kritisiert zu werden, auch hart. kritik ist oft wertschätzung, denn was gar nichts taugt, ob autor, ob werk, braucht man nicht zu kritisieren, weil es der mühe der kritik nicht wert ist.

bescheidenheit steht allen gut zu gesicht, wiewohl sie eine der schwersten übungen ist, der sich ein mensch unterziehen kann. ich spreche aus erfahrung - und stehe dazu.

danke dir für empfehlung und statement. bleibe gesund!

lg W.
 

Mondnein

Mitglied
nicht zu vergessen: Der Autor ist immer und vor allem und vor allen, aber nicht vor der Muse, sondern nach ihr, der erste Leser, ihr erster Leser.

Das Werk entsteht beim Sichvorlesen. Beim nachbessernden Lesen, beim Hineinlauschen ins pure Lesen.
 

Walther

Mitglied
nicht zu vergessen: Der Autor ist immer und vor allem und vor allen, aber nicht vor der Muse, sondern nach ihr, der erste Leser, ihr erster Leser.

Das Werk entsteht beim Sichvorlesen. Beim nachbessernden Lesen, beim Hineinlauschen ins pure Lesen.
lb mondnein,
so kann man es auch beschreiben: das werk führt die hand.
lg W.
dafür werf ich dir eine rose zu.
charlotte
hi, die arme rose. laß sie am stock. lg W.
 

blackout

Mitglied
Wie immer sehr ordentlich geschrieben, Walther. Aber ich habe zwei Anmerkungen.

Die erste wäre: S1V3 - Es kann nicht jeder Dichter werden.
Das halte ich für eine gewagte Äußerung. Ich würde sagen, nicht jeder kann ein Genie sein, aber schreiben kann im Grunde jeder, jeder kann ein Dichter werden. Vorausgesetzt, er hat eine unbändige Liebe zur Literatur, ist sozusagen eine Leseratte, hat sich genügend Wissen angeeignet und hat Zeit und Ausdauer, immer wieder hinzuzulernen. Nun gibt es natürlich einen Unterschied zwischen Schreiben und Schreiben. Und das ist gut so, denn sonst wären wir alle Genies, und keiner würde es merken. Das wäre doch schade. Ich meine das mit dem Merken.

Die zweite wäre: S3V4 - Nur en passant gelingt es richtig.
Ich denke, en passant drückt meiner Ansicht nach aus, dass man gute Gedichte nur zufällig schreibt. Sicher spielt öfter mal der Zufall beim Finden des Sujets und Formulieren eine Rolle, das will ich nicht verkennen. Mir ist diese Formulierung aber zu absolut. Um schreiben zu können (ich nenne es mal nicht "Dichter werden") ist Grundvoraussetzung eine solide Allgemeinbildung (Spötter meinen, von jedem etwas und von allem nichts), eine unbedingte Liebe zur Literatur, Fleiß und Ausdauer, sich auch Wissen auf bestimmten speziellen Gebieten anzueignen, und vor allem: Den Platz zum Schreiben zu haben. Wenn man schreibt, hört man mit dem Lernen nicht auf, sonst wird es nichts. Ich meine, jeder, der schreibt, weiß auch dies: Man hat nur eine beschränkte Anzahl von Texten, die man selbst als gelungen ansieht, der Rest ist Mittelmaß, was man sich in Momenten größerer Objektivität klammheimlich eingesteht - oder nicht.

Als Schwänzchen noch eine kleinere Anmerkung:
Ein bisschen hadere ich mit dem "wohlmeinenden" Kritiker. Jede Kritik kratzt am Selbstbewusstsein des Autors, und da ist es egal, ob sie wohlmeinend oder nicht wohlmeinend ist. Das hat sogar Brecht eingestanden, und der litt nun wahrlich nicht an fehlendem Selbstbewusstsein. Für den Autor scheint mir sehr wichtig zu sein, nicht sofort eingeschnappt zu sein und zu denken: Mensch, der will mir an den Kragen! Nicht nur der Text, sondern auch die Textkritik ist Sache sowohl des Kritikers als auch des Autors. Leicht gesagt, nie wirklich erreicht. Denn ich meine, nicht ganz unbekannt sind die Dichterkriege zwischen Profis. Und wir sind keine Profis, da kann es schon mal schiefgehen, und nicht immer hat der Kritiker recht, aber auch nicht der Autor. Das hält sich die Waage. Grund: Das sind zwei verschiedene Menschen. Und damit müssen wir leben. Den schlechten Ruf als Kritiker muss man sich verdienen.

Gruß, blackout
 
Zuletzt bearbeitet:

Mondnein

Mitglied
Hier in der Leselupe ist es völlig klar, wer ein Profi und wer ein verdienter Kritiker ist.

Der Kritiker, der Ahnung von Literatur, Kulturgeschichte und Avantgardedichtung hat, der sich für Sprachkunst begeistert und die verkannten Genies entdeckt, fertigt sie kurz und bündig ab: "Und dieser Dreck soll Dada sein?"

Den schlechten Ruf als Kritiker muß man sich verdienen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 21296

Gast
irgendwie interessant, wie die kommentare versuchen,
den inhalt des kommentierten zu unterlaufen.
das könnte auch deprimierend sein.

aber was weiß ich schon.
 

Mondnein

Mitglied
Und was wolltest Du, Charlotte, mit diesen Worten beitragen, ohne "den inhalt des kommentierten zu unterlaufen"?

Gut, zurück zum Inhalt:
Es ist immer gut, noch einmal und noch einmal zu lesen. Ich las es zuerst so, als wende es sich vor allem gegen die Selbstüberschätzung des Dichters. Aber es hat eine gut gezielte positive Aussage, nämlich die - ich nenne es versuchsweise - Beiläufigkeit des Dichtens.

Zwar steht davor ein Vers, der verdächtig nahe an die Plattitüde heranrückt, Kunst käme von Können, nicht von Wollen, sonst hieße sie Wunst. (Aus diesem Grund nenne ich meine vor-geführten Pro-Dukte gerne "Wunst"). Aber es versandet ja nicht in diesem Satz, sondern konkretisiert die Idee. Und das ist in der Tat einfach, klar, weise: Daß es (so einfach es hier gesagt ist) schwer genau zu treffen ist, was den inspirativen Moment ausmacht.

Den "springenden Punkt".

grusz, hansz
 
G

Gelöschtes Mitglied 21296

Gast
beitragen ist zu viel. eher zur kenntnis geben, dass mich die art, wie ihr hier kritik übt,
eher an deutschland sucht die superjury erinnert. und noch finde ich das schade, weil
ihr so wirkt, als hättet ihr mehr drauf. was du hin und wieder ja auch beweist. aber gut.
 

blackout

Mitglied
Zu deiner Kenntnis:Ich möchte es vermeiden, in Walthers Faden dir die entsprechende Antwort zu geben, Mondnein.
 
Zuletzt bearbeitet:

Walther

Mitglied
Ihr lieben,
spaß am wortspiel, freude an der (ver)dichtung, mit einander von einander lernen: darauf sollten wir uns einigen können.
in der verdichtung liegt immer das unheil der unschärfe. sie erlaubt es, und da ist sie dann heilsam, sich selbst mit dem text zu verbinden und ihn damit zu verändern: das ist teil des vergnügens. wir sollten persönliches einen moment beiseite lassen und den text auf uns wirken lassen. seid euch also einen moment gut und heilt einander.
bielbt gesund.
lg W.
 

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