An Alphabeten

Jürgen Jost

Mitglied
Ich bin ein Mensch von zwei Millionen,
die unerkannt in Deutschland wohnen.
Es ist ein ständiger Spagat,
denn ich bin Illiterat.

Keine Brille, Schrift zu klein,
was fällt mir als nächstes ein?
Wieder sprech' ich Leute an:
wo bin ich hier, was steht da dran?

Der schwerste Schritt ist jetzt getan,
ich melde mich zum Schreibkurs an.
Der Leidensdruck soll nicht mehr stören,
ich will schon bald dazugehören.
 

Anders Tell

Mitglied
Tja Jürgen,

jetzt hast Du mich zum Schmunzeln gebracht: Welcher Analphabet kann denn Deinen Text lesen?

Aber im Ernst: Das Thema ist nicht lustig. Neben den komplett dialektischen Menschen gibt es noch die funktionalen Analphabeten, die zwar einen Text dechiffrieren, sich aber dessen Sinn nicht erklären können. Und das werden immer mehr .

Für die Betroffenen ist das Thema sehr schambesetzt und die wenigsten outen sich und besuchen einen Kurs.

Alle weiterführenden Schulen melden erhebliche Schwächen bei der Lesekompetenz bei den Kindern. Und die Universitäten müssen viele Neuzugänge unter den Studenten in Vorbereitungskurse schicken, damit sie der Aufnahme komplexer Texte gewachsen sind. Das ist die Wirklichkeit.
 



 
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