an der st.-clemens-kirche (amrum)

anbas

Mitglied
an der st.-clemens-kirche (amrum)

der friedhof mit seinen
erzählenden grabsteinen
qr-codes erklären besuchern
die eingemeißelten innschriften und geschichten
reges treiben an diesem ort
der letzten ruhe

auf einem schild
an der kirchentür wird gebeten
von besichtigungen abzusehen
wegen eines gottesdienstes
immer wieder betreten trotzdem
urlauber das gebäude
um es gleich wieder zu verlassen

ein paar schüler albern
am eingang des friedhofs herum
touristen streichen
zwischen den gräbern umher
auf der suche nach motiven
für weitere urlaubsbilder

und ein alter mann
schlurft mit einer grünen plastik-gießkanne
zu dem grab seiner angehörigen
 

anbas

Mitglied
Vor dem Hintergrund der von revilo eröffneten Diskussion, dass Zeilenumbrüche alleine noch keine Lyrik ergeben (siehe hier) stelle ich den Text hier zusätzlich als Prosa-Version ein:


An der St.-Clemens-Kirche (Amrum)

Der Friedhof mit seinen erzählenden Grabsteinen. QR-Codes erklären Besuchern die die eingemeißelten Innschriften und Geschichten – reges Treiben an diesem Ort der letzten Ruhe.

Auf einem Schild an der Kirchentür wird gebeten, von Besichtigungen abzusehen, wegen eines Gottesdienstes. Immer wieder betreten trotzdem Urlauber das Gebäude, um es gleich wieder zu verlassen.

Ein paar Schüler albern am Eingang des Friedhofs herum. Touristen streichen zwischen den Gräbern umher, auf der Suche nach Motiven für weitere Urlaubsbilder.

Und ein alter Mann schlurft mit einer grünen Plastik-Gießkanne zu dem Grab seiner Angehörigen.



Hat beides seinen Reiz, wie ich finde :).
 

molly

Mitglied
Hallo Andreas
" Hat beides seinen Reiz, wie ich finde "
das finde ich auch. Wenn ich mich für Prosa entscheiden würde, könnte ich da noch Gefühle, Stimmung, des Beobachters einfließen lassen. Meine ich.
Muss ein schöner Friedhof sein.

Liebe Grüße
Monika
 

anbas

Mitglied
Muss ein schöner Friedhof sein.
Ist er auf jeden Fall - vor allem, wenn wenig Touristen unterwegs sind :cool:. An seiner Ostseite kann man an einer Stelle sogar auf das Meer (Wattseite) sehen.
Schau mal hier oder hier.

Wenn ich mich für Prosa entscheiden würde, könnte ich da noch Gefühle, Stimmung, des Beobachters einfließen lassen.
Ich vielleicht auch - auf jeden Fall wäre die "Versuchung" größer, es zu tun ;).

Danke für Deine Rückmeldung.

Liebe Grüße

Andreas
 
Hallo anbas,

ganz ehrlich: Mir gefällt der Text in der Kurzprosa-Form wesentlich besser.
Ich finde es immer anstrengend, einen solchen Text als Gedicht zu lesen.

LG SilberneDelfine
 

anbas

Mitglied
Hallo SilberneDelfine, hallo revilo,

tja, und da sind wir schon wieder im Thema ;).

Hier macht mir eher der Text mit Zeilenumbrüchen und ohne Groß-/Kleinschreibung mehr Freude. - Aber, das räume ich gerne ein, der Text war ein "Wackelkandidat". Ich hatte durchaus in Erwägung gezogen, ihn bei der Kurzprosa einzustellen. Die Entscheidung war eng, aber je länger ich mir die beiden Formen ansehe, um so besser gefällt er mir in der Lyrik-Ecke. Für die Kurzprosa würde ich ihn dann doch noch etwas weiter ausbauen wollen und teilweise auch andere Formulierungen und Satzstrukturen wählen.

Ganz lieben Dank für Eure Rückmeldungen.

Liebe Grüße

Andreas
 

fee_reloaded

Mitglied
Für die Kurzprosa würde ich ihn dann doch noch etwas weiter ausbauen wollen und teilweise auch andere Formulierungen und Satzstrukturen wählen.
Interessant, dass du das sagst, lieber Andreas!

Ich hätte es genau andersrum gesehen:
"Für ein Stück lyrische Prosa hätte ich dann doch noch etwas verdichtet und Formulierungen und Satzstrukturen gewählt, die weniger nah an natürlicher Alltagssprache liegen".

Die Wahrnehmung von Sprache geht einfach weit auseinander, wie man sieht. Sogar in einem scheinbar so engen Rahmen!

Ich mag den Text so oder so gerne. In welcher Form er mir dann präsentiert wird, ist wohl Geschmackssache. Für mich läge er auch näher an der Kurzprosa, aber das "Grenzgängertum" kann ich gut nachvollziehen. ;)

LG,
fee
 

revilo

Mitglied
an der st.-clemens-kirche (amrum)

der friedhof mit seinen
schweigenden grabsteinen
plappernde qr-codes preisen die
geschichten der toten an
digitales treiben an diesem ort
der letzten ruhe

ein schild an der kirchentür mahnt
vergeblich von besichtigungen abzusehen
wegen eines gottesdienstes
immer wieder betreten trotzdem
urlauber das gebäude
um es gleich wieder zu verlassen

ein paar schüler albern
am eingang des friedhofs herum
touristen streichen
zwischen den gräbern umher
auf der suche nach motiven


und ein alter mann
schlurft mit einer grünen plastik-gießkanne
zu dem grab seiner angehörigen
LG Oliver
 

anbas

Mitglied
Danke!

Werde mir Deine Ideen mal durch den Kopf gehen lassen - wobei "erzählende (oder sprechende) grabsteine" ein fester Begriff ist (klickmalhier).

Liebe Grüße

Andreas


...und "plappern" geht gar nicht :rolleyes:...:cool:
 

sufnus

Mitglied
... und noch 5 Cents von mir... ;)
Für mich profitiert der Text eindeutig von einer Prosa-Form ohne "künstlich" gesetzte Zeilenumbrüche. Ja, die Version in einer äußerlich Gedicht-artigen Erscheinung wirkt für mich geradezu "durchlöchert", während die Prosaform zu einem ruhigen Atmen findet und mich sehr schön mit auf die Lesereise nimmt.
LG!
S.
 

petrasmiles

Mitglied
Lieber anbas,

im ersten Moment fand ich die Versform schöner, weil den einzelnen Aussagen mehr Gewicht beigemessen wird.
Aber eigentlich sind die Aussagen in Kurz-Prosa klarer.
Man darf nur nicht über die Sätze rüberhuschen ...

Liebe Grüße
Petra
 

anbas

Mitglied
Hm,

auch wenn ich mit meiner Sichtweise wohl gerade etwas alleine dastehe, danke ich Euch sehr für Eure Rückmeldungen. Ich finde die bisher eingegangen Rückmeldungen spannend und durchaus überlegenswert. Danke auch für den fairen und angenehmen "Tonfall" - was ja leider nicht immer selbstverständlich hier in der LL ist.

So, und ich muss jetzt zusehen, dass mein Dickkopf nicht zu hart wird, damit ich für die Anregung, das Ganze doch in die Kurzprosa zu stellen, zumindest ein wenig offen bleibe ;).

Liebe Grüße

Andreas
 
im ersten Moment fand ich die Versform schöner, weil den einzelnen Aussagen mehr Gewicht beigemessen wird.
Ich glaube, das ist das Problem, das viele User damit haben: Der Versform wird mehr Gewicht beigemessen, ein Gedicht wird als „wertvoller" angesehen als ein kurzes Stück Text in Prosaform. Warum das bei vielen wohl so ist, weiß ich nicht - ich war von Kurzprosa begeistert, sobald ich sie hier entdeckt hatte.
 

revilo

Mitglied
Grabsteine mit QR-Codes erzählen nicht ; sie plappern, weil die Leute dann wieder mit gesenktem Kopf auf ihr Handy starrend über den Friedhof gehen......das war eine spontane Assoziation, oh Meister des ewigen Lichts und Urquelle der grundlegenden Erkenntnis..............LG;)
 



 
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