André, der Barbar - Teil 9 (Kapitel 1)

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Kissenkopf

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Das erste Kapitel des neunten Teils einer Saga, nach der nie jemand gefragt hat. Genießt es...irgendwie.

André, der Barbar IX – Novus ordo exitium uel panis vestri ita pulchros!

Kapitel 1: Die singende Veranda

Verständnislos blickte mich der braun gebrannte Vollzeit-Paarberater für Solomänner an, als ich ein halbes Pfund Asphalt in den Unterleib seiner Hündin „Ferdinandine“ stopfte und sie dann mit einem lauten Lachen in den nahe gelegenen See schmiss.
„Mein Herr...“ begann er stotternd und kam, noch immer ratlos umher blickend, ungelenk auf mich zu.
„Das war meine Hündin, die sie gerade als Wasserverdrängungsobjekt verwendet haben.“
Aufgrund meiner heroischen Tat noch immer lächelnd und sichtlich stolz auf mich selbst, wandte ich mich dem Verständnislosen zu, legte ihn meine linke Hand auf die Schulter und zog ihn nah an mich heran.
„Dieser Hund.“ flüsterte ich ihn lippensynchron ins Gesicht. „Moment...“ langsam wurde mir deutlich was passiert war. „Das...war ein Hund?“ mein Gesicht wurde steinern, meine Gliedern verkrampften, mein Bauch blähte sich auf und meine Haarspitzen wurden spröde. „Sicher das es nicht ein Mensch war? Oje, ich brauche unbedingt eine HAARKUR“ langsam wurde ich hysterisch und der Mann schien wieder von Leben durchzogen zu werden, denn er stieß mich weg und sein Blick wandelte sich. Eine gewisse Unruhe machte sich in mir breit, als er sein Shirt vom Leib riss und sein Pony-Tattoo offenlegte. Hierbei handelte es sich wirklich um das schönste Haar-Tattoo welches ich jemals zu Gesicht bekommen hatte, doch mein Lob an die gut gestochene Haarpracht wollte den dualen Monolog einfach nicht auf ein freundschaftliches Maß herunterziehen.
„Was hast du getan? WIESO MEINE FERDINANDINE???“ der Vollzeit-Paarberater für Solomänner kochte vor Wut und war offensichtlich sehr daran interessiert mich zu vermöbeln. „Bevor du jetzt hauen tust!“ in Abwehrhaltung hielt ich meine Handflächen nach vorne. „Lass mich erklären, was hier passiert ist. Also, es begann...“ doch ich durfte meinen Satz nicht beenden.
Denn mit einem Mal schlug eine 82 Meilen lange Axt in den Boden ein und das mit einer Wucht dass mir die Abhandlung über „Mittelpunkte der parallelen Sehnen“ aus der Hand glitt und in einem kühlen Feuerstoß verpuffte. „Mein Leben!“ brüllte ich, als ich die, bisher nicht erwähnten, Texte in Flammen aufgehen sah.
Geschockter war augenscheinlich nur der Vollzeit-Paarberater für Solomänner. Denn die Axt hatte ihn geschickt beide Füße abgetrennt, in Scheiben geschnitten, darauf hin in Aspik eingelegt und in einer formschönen Sonderkartonagensendung als CARE-Paket nach Hause gesandt. Merkwürdigerweise erlitt er nun einen spontanen Gleichgewichtsverlust und hinzu stürte er auf einen Amanita Virosa, welchen er zu allem Überfluss auch noch spontan inhalierte. Dies wäre prinzipiell sicherlich schon genug gewesen, dass der Mann den Tag als „so la-la“ hätte abhaken können, doch es kam noch schlimmer: seine Ex-Frau Tessa materialisierte sich mit einem Male und berichtete dem am Boden liegenden Vollzeit-Paarberater für Solomänner, dass sein Bruder sie, nach dem erfolgreichen absolvieren der Grundschule, verlassen hatte. Sie wollte also nun den Paarberater zurück, der sich zeitgleich einnässte und unter akutem Schlafmangel litt. Wutentbrannt, da er nicht binnen weniger Nanosekunden reagierte, trat sie auf seinen Schädel, nahm ihm seine Brieftasche weg und verschwand so schnell wie sie gekommen war.
Jeder Andere wäre in diesem Augenblick sicher kurz zusammen gezuckt und hätte verdutzt drein geblickt. Doch derartige Szenarien waren mir genauso wenig fremd wie Kindererziehung mit Fausthiebliebkosungen, also ließ ich den Paarberater einfach beinahe liegen.
Noch einmal kniete ich mich neben seine bleiche Fratze, sein Blutverlust war enorm und alle Organe versagten gerade scheinbar den Dienst. „Ba-Pa-Pa-Da-Pa-Lu-Lu?“ sagte ich zögerlich und seine Augenbrauen hoben sich leicht an. „Was soll ich dir jetzt noch gescheites sagen? Du warst gerade mal gut genug für einen sinnfreien Prolog, der nichts mit den folgenden Zeilen zu tun haben wird. Außerdem hast du einen tödlichen Pilz eingeatmet, mehr Blut verloren als ein angeschossener Schweinswal und...“ ich stockte.
Ich erhob mich, der Mann zu meinen Füßen rollte in allen erdenklichen Körpersäften umher und in meinen Gedanken saß ich an einer tropischen Bar und wurde von einer klimaresistenten Wolke mit Nektar benetzt. „Soße?“ fragte die Nubes und schoss einen Strahl Motus in meinen Hai-Pirinha, der aus echten Breitmaulhaien gewonnen wurde.
Verträumt blickte ich in die Ferne, als meine Schienenbeintasthaare die trockene Feuchtigkeit menschlichen Blutes registrierten und mich aus meinem spontanen Tagtraum rissen. Der Vollzeit-Paarberater für Solomänner schien um sein Leben zu kämpfen und in seinen Augen konnte ich eine Mischung aus Angst und extremer Panik erkennen. Augenrollend begab ich mich wieder auf sein Niveau und legte mich neben ihn. „Was willst du denn?“ Ein Gurgeln war seine Antwort. Ich seufzte und drehte mich schmollend zur Seite. „Fein.“ ich stieß ein Schnauben aus und verschränkte die Arme vor meiner prallen Brust. Das sollte ihm deutlich machen wie sehr er mich nervte. „Wenn du nicht reden willst, dann eben nicht. Aber dir ist schon klar, das unsere Beziehung nicht mehr so ist wie früher, oder?“ wieder nur ein Gurgeln, doch diesmal weitaus leiser und schwächer. „Ach, jetzt will der Herr auch noch Kraft sparen um nicht frühzeitig zu krepieren. Nicht mit mir, Freundchen!“ Ich schwang mich zur anderen Seite, hob den Vollzeit-Paarberater für Solomänner auf und brachte ihn eiligst in ein nahegelegenes Krankenhaus. Gekonnt amputierten die Ärzte ihn alle Gliedmaßen und ersetzten sie durch Scheibenwischer. Kurz darauf wurde er Leiter einer Waschstraße und revolutionierte die Paralympics. Fortan boten diese auch Autowäschen an, um endlich Zuschauer in die Stadien zu locken.
Aus eigener Kraft machte ich mir meine Schnürsenkel und ging an das Ende der 83 Meilen langen Axt. Dort stand er: der Mann der Männer, der Wohlhabene unter den Pennern, das Dressing zu meinem Genitalsalat. André. André, der Barbar. Schwebend stampfte ich zu ihm herüber und umarmte den Muskel-Messias. „Du riechst nach Frieden.“ säuselte ich und strich mit meinen dürren Metallfingern durch sein maskulines Haar auf den Schultern. „Ja.“ sprudelte es in unkontrollierter Wortvielfalt aus ihm heraus.
Dann widmeten wir uns wieder unseren Aufgaben. Er war Golfballtaucher und ich Fachkraft für Arbeitssicherheit in einem nordkoreanischen Gulag! Doch zusammen bekämpften wir auch Scheinkrimnelle, die wir anhand einer nicht ausgereiften Technologie niemals hieb und stichfest entlarven, aber dennoch richten konnten.

„Ende.“ Mein Grinsen ging über beide Ohren und kurz fiel mein Unterkiefer ab, doch ich fasste mich und schaute weiter auf mein Tischnachbarn. „Was sagen Sie?“ platzte es aus mir raus und ich rieb mir bewegungslos die Hände. Schweigend und dann zögerlicher als ein 12-Jähriger beim ersten Analverkehr, schob mir mein Gegenüber das „Exposé André“ zurück über den Tisch. Wir blickten uns an, mir war klar das dieses hinüberschieben etwas Gutes bedeutete. „Wann beginnen wir mit der Umsetzung der ersten von siebzehn Staffeln? Ich habe noch mehr Material, möchte aber nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen.“ ich schob das „Exposé André“ zurück und hatte eine Karikatur meiner Schambeinentzündung darauf gezeichnet. Sie schien wie jemand, der auf diese inneren Werte steht.
„Es war fürchterlicher Müll.“ stieß sie plötzlich hervor und während mein Herz brach, brach auch ihr Genick. Kritik war mir nicht fremd, aber noch nie hatte jemand meine Werke kritisiert.
Mit hängenden Kopf verließ ich den Sitzungssaal und verschwand aus der Nervenheilanstalt.
Normalerweise kränkten mich derartige Dinge nicht. Ich war so der Typ „das Glas Wasser ist immer halb voll, auch wenn es bis zum Rand gefüllt ist“. Quasi immer positiv wie ein Aids-Test in Swasiland! Doch es war schon mein zweiter Versuch, von denen ich jedoch einen nie abgegeben hatte. Da konnte man doch so langsam mal positive Resonanz erwarten!
Wie jeder andere Versager heiratete ich aus reiner Frustration meinen eigenen Kühlschrank, bevor dieser die Scheidung einreichte, da ich zu heiß für ihn war. Dann ging ich Heim und legte mich zu André ins Himmelbett.
Ich grub mich ein wenig durch eine kaum überschaubare Anzahl an Barbaren-Schnuffeltüchern (Menschenleder) und wand mein Weg zu Andrés Astralleib. Geleitet vom Moschusgeruch, Darmauswürfen und der Tatsache das er mitten auf dem 1,80 Meter breiten Bett lag, fand ich ihn recht schnell.
Natürlich bemerkte er mich ebenfalls und durch seine ausgezeichnete Menschenkenntnis erkannte er auf Anhieb meine Probleme. „Ich fasse es nicht! DU HAST DAS EXPOSÉ AN DEN MANN GEBRACHT!!“ schoss es aus seinem Mund. „Endlich sind unsere Geldsorgen dahin und ich muss nicht mehr nach Golfbällen tauchen!“ André sprang auf und holte eine Flasche Champagner unter seiner Vorhaut hervor.
„André, es ist ein wenig anders, als du denkst...“ stammelte ich und versuchte mich mit einer Lupe selbst anzuzünden. Doch mein barbarischer Kumpan hörte mir nicht zu! Summend goss er den Schampus in zwei ausgehöhlte Kinderschädel, diese hatten wir damals günstig im Vatikan geschossen, und rief aus dem Fenster, dass wir bald aus diesem Höllenloch fortziehen würden.
 

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