angefroren

altweibersommersonne brennt mir
mahnmale auf die viel zu helle haut
verschlucke mich an erinnerungszeiten
ein unbekannter niemand erobert mein revier

die müden augen lassen dunst aufsteigen
immer mühsamer unterscheiden sich kitsch und melancholie
über mir verjagen krähen einen roten milan
blutbuchen im schlosspark werfen erste blätter
auf die weiße marmorvenus und den tanzend faun
bereits ihr stachelkleid verlassen blanke kastanien und
schwalben beginnen hektisch ihren abschied vorzubereiten
ins weißblau mischt sich abendrotes abwarten

kann mir meinen teil fast nur noch denken
 

Perry

Mitglied
Hallo Karl,

"angefrorenes" kann ich im Text nicht finden, aber natürlich schimmert das kommende Kalte ein wenig durch die Altweibersommerbilder.
Die Bilder beschreiben das "Herbstliche" schön und treffend und als kenner deiner Texte, durfte auch der "rote Milan" nicht fehlen.
Konstruktiv würde ich weniger (Herbst)Bilder verwenden, dafür der inhaltlichen/übertragenen Aussage mehr Raum geben. Z.B.
bleibt der "unbekannte niemand" doch sehr blass, dabei bietet dieser "kalte" Geselle doch einiges lyrisches Potential.
Klasse finde ich den Schluss, weil er die beiläufige Weisheit des Alters gut einfängt.
LG
Manfred
 
altweibersommersonne brennt mir
mahnmale auf die viel zu helle haut
verschlucke mich an erinnerungszeiten
ein unbekannter niemand erobert
eiskalt kalkulierend mein revier

die müden augen lassen dunst aufsteigen
mühsamer unterscheiden sich kitsch und melancholie
über mir verjagen krähen einen roten milan
blutbuchen im schlosspark werfen erste blätter
auf die weiße marmorvenus und den tanzend faun
bereits ihr stachelkleid verlassen blanke kastanien und
schwalben beginnen hektisch ihren abschied vorzubereiten
ins weißblau mischt sich kühl abendrotes abwarten

kann mir meinen teil fast nur noch denken
 
Lieber Manfred,
danke für deine konstruktive Kritik. Damit konnte ich gut etwas anfangen.
Der obligatorische rote Milan kommt immer wieder vor, da mich ein Paar dieser Raubvögel täglich mit ihrem Gleitflug über unserem Dorfhausberg beeindruckt - ebenso wie die Krähen, die, wenn die Milane in ihrem Revier auftauchen, sofort zum Angriff übergehen.
Herzliche Grüße
Karl
 

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