angelpunkt

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Mondnein

Mitglied
[ 4]angelpunkt


genauigkeit ist was feines
so unscheinbares und kleines
ich mein was schamanen wie tieren
sie schrieben in herzen und nieren

den punkt nur zu sehn wo die waage
dran hängt zwischen sorge und sage
ich mein was die bildner für zeichen
mir zeigten verzweigt in die weichen

die linien landschaft der hände
die bahnen und wege der wende
in zukünften lesen wir träume
in träumen vergangenheit schäume

darin ist genau nur das eine
das du übersiehst dieses reine
gestirn hoch im scheitel der kreise
gewölbe schluß stein der weise
 

Mondnein

Mitglied
ich habe hin und her überlegt, obs besser wäre:
gewölbe schluß stein der waise
- der "Waise" - das ist nicht nur ein einzelner Vers, auf den nichts gereimt wird (reimlose Verse bilden ein Waisenhaus), sondern der zentrale Edelstein in der Kaiserkrone.

Und wohl noch einiges mehr.
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Mondnein,

waise würde mir besser gefallen. Allerdings würde ich auch eher schluss schreiben.
In Deiner zerhackten Schreibweise war ich schon geneigt ›schluus‹ zu lesen.
;)

Ansonsten: cooler Text!

cu
lap
 

Mondnein

Mitglied
der Waise

Danke für die "zweite Ärzte-Meinung", so war meine Frage auch gemeint.
"Schluß" steht da, weil ich konsequent bei der alten Rechtschreibung bleibe (z.B. ß-Regel), allerdings in der Kleinschreibung der Brüder Grimm und des George-Kreises, oft mit "Waltherscher" Komposita-Trennung und mit Vermeidung der Punkte und Kommata, so daß die Versgliederung eher durch die Melodie der Silben und die Harmonik der Sinndimensionen bestimmt wird.

Mal, sehn, ob noch eine dritte Meinung für den "Waisen" stimmt, dann ändere ich das entsprechend.
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Die Rechtschreibung kan man als Dichterin und Dichter sicherlich handhaben wie man will.
Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass man eventuell missverständlich wird, wenn man entgegen der Mehrheit schreibt.

Und wenn Du Dich an die Grimms halten wilst, solltest Du konsequenterweise schlusz schreiben.
;)
 

Mondnein

Mitglied
richtig, ja, habe ich auch schon überlegt - allerdings würde ich die eszets, die eine Ligatur für Doppel-s sind (in der Regel nach kurzem Vokal), von denen unterscheiden, die nach langem Vokal stehen und deshalb zu "sz" aufgelöst werden müßten.
 
Hallo Mondnein,
liest sich für mich wie eine Paraphrase auf Hölderlins "Die Linien des Lebens sind verschieden ...".
Ich würde "Weise" lassen - als Genitiv von "die Weise" = Art und Weise oder auch Melodie.
Interessanter, gnostisch angehauchter Text.
Gruß
E. L.
 

Mondnein

Mitglied
weichenstellungen

Danke, lieber Eike.
Ich müßte natürlich arg geschmeichelt sein, des Vergleichs mit Hölderlin wegen, aber zugleich traurig, denn Du zitierst ein "Scardanelli"-Gedicht.

Nun: Die "Linien" sind hier etwas konkreter ausgeführt: die Handlininen, in denen Cheiromantiker Lebenslinien und Ähnliches "lesen". Es werden verschiedene Bewußtseinszustände bzw. deren Wechsel evoziert, die zugleich Wechsel der Zeitdimensionen sind, so daß es eigentlich immer schwieriger wird, den Angelpunkt zu finden.
Mit "gnostisch" meinst Du vielleicht die sphärenanaloge Schichtung der "Kreise" mit ihrer himmlischen Wölbung - in der Gnosis wären das die Planetensphären mit ihren hypodemiourgischen Geistbewohnern, sehr interessanter Blickwinkel, aber eigentlich bin ich da nicht "deutlich" genug, fühle mich also eher geschmeichelt.

Du plädierst für "der weise": als Genetiv von "die (Art und) Weise", auch mit der Bedeutung von "Melodie". Das hat natürlich auch für sich, daß es in dieser Schreibweise der Nominativ "der Weise" sein darf. Damit senkt sich die Waage mit dem Mehrdeutigkeits-Gewicht wieder auf die andere Seite.
 

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