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Anjas Bekehrung

anemone

Mitglied
„Lass es sein!“ vernahm ich im Vorbeigehen aus dem Gespräch, welches mein Bruder mit meiner Tochter führte. Ich wollte mich darin nicht einmischen, er hatte allen Grund ihr dieses zu raten, doch Anja war unschwer davon abzubringen, was für meinen Begriff auch verständlich war. Sie hatte die schlechten Erfahrungen, die er life erlebte, nicht mitbekommen im Gegensatz zu mir, doch war es ein Grund, ihr deswegen alles vorzuenthalten?

„Was soll ich denn dann machen?“ kam zornig ihre Frage „Schließlich sind wir mit einer großen Gruppe unterwegs und ich müsste lügen, wenn ich sage, dass es mich nicht interessieren würde.“

„Schau dir von mir aus alles an!“ riet er ihr. „Sieh dir die Leute genau an, sieh ihnen in die Augen. Was du da entdeckst, wirst du nicht kennen. Es ist nicht bei allen so, aber bei vielen siehst du nur eines und das ist die Sucht, die Gier. Ich will nicht dass du ihr verfällst, so wie ich vor Jahren!“

„Und nur, weil du diese schlechten Erfahrungen gemacht hast, muss es mir nicht genau so gehen!“ Anja schaute ihn entrüstet an. „Mit einem kleinen Einsatz kann ich Glück oder Pech haben.“

„Ja, so harmlos fängt es an!“ Armin gab sich wirklich Mühe, sie von dem Vorhaben abzubringen.

Ich hatte ihn vor einer Stunde angerufen: „Armin, ich hätte da eine Bitte an dich: Anja will mit einer Gruppe in die Spielbank, was meinst du, hat sie eventuell deine Veranlagung geerbt, muss ich mir da Sorgen machen, dass sie dem Spieltrieb verfällt?“


„Siehst du, so wie du die Sache siehst kam ich auch ahnungslos und naiv zu meiner Spielsucht. Zuerst gewann ich nur Kleinigkeiten; sie sollten mein neuer Einsatz sein und es dauerte nicht lange, da hatte mich die Sucht ebenso gepackt wie die vielen anderen an den Tischen. Es ist ein Sog, der dich nicht loslässt. Hat er dich erst in seinen Klauen, bist du ihm hoffnungslos ausgeliefert.“

„Aber sag doch nicht, dass es dir keinen Spaß gemacht hat!“ Anja schaute ihn ungläubig an.
„Ja und dieser Spaß an der Sache nimmt mir noch heute die Entscheidungsfreiheit, wenn ich mich wieder an so einen Tisch setzen würde. Ich würde spielen bis zum Ruin!“

„Onkel Armin, ich schwöre, ich werde nur einmal versuchen zu spielen. Verliere ich, wird das der einzige Versuch meines Lebens sein, gewinne ich, werde ich das Geld nicht zum Spiel einsetzen, sondern behalten und mir davon etwas Schönes zum Anziehen kaufen. Bist du damit einverstanden?“

Armin gab sich geschlagen. Musste ich mich jetzt sorgen?
 

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