arche anthro possen (drei sonette) - 3. bipo lart

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Mondnein

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3. bipo lart


denn im gespräch gehn die gedanken durch das fen
sterglas der tranparenten logik bruchlos durch
wie licht durchs nass die fischlein glänzen wie der lurch
durch feuer schlüpft ja wie apollons ei durch hen

kai pan denn vor dem ei bist du – ei mito hen:
die gottheit allen seins ging schwanger mit dem ei
aus dem der salamander phoinix brach sich frei
die bahn des werdens unbedingt – heiszt: ohne wenn

und aber glut geborn ein drachen ohne schritt
im zwischen seiner einbein mitte traf das zwit
terdoppel dieses arche anthro possen wit

wers fragt und sagt halbiert die wahrheit gut geschnit
ten mitten durch das wort das holzte splitter litt
emp fin dung kern mann frauen tzwei tim mit tn mit – –



Aristophanesin Platons Symposion: Der Mythos vom androgynen Urmenschen
 

Mondnein

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Herzlichen Dank, Patrick,
herzlichen Dank, Mimi!

ich verrate wieder ein bißchen:
eimi to hen ist Griechisch, neuplatonisch: "Ich bin das Eine". Das Wortspiel zwischen deutsch "Henne" - Anspielung auf die Wechselgenese von Huhn und Ei bei der Suche nach der Erstursache bei Aristoteles und im arabisch-lateinischen (mittelalterlichen, auf Proklos aufbauenden) "Liber de Causis" und natürlich im banalen alltagsphilosophischen "Was war zuerst: Die Henne oder das Ei?" - habe ich schon öfters eingesetzt.
Nimmt man "eimi" ("ich bin") auseinander, ist die erste Silbe - "ei" - nichts anderes als die 2.Person Singular Präsens Indikativ Aktiv von "einai" ("zu sein"). Dieses kleine "Du bist" ist Zentralbegriff, gewissermaßen die Schlußpointe, bei Ploutarchos: im philosophischen Dialog "Über das E (bzw. "ei") in Delphi", wo es als eine Art Mantra-Keimzelle der Eleusinischen Mysterien (in der transmortalen Gottesbegegnung der Einweihung) analysiert wird. Immerhin wurde der Apllonpriester Plutarch nicht mehr des Mysterienverrats angeklagt, wie sechs Jahrhunderte davor der Tragiker Aischylos. Daß der begegnende Gott substantiell das infinite Ich jedes Selbstbewußtseins (kosmisch = menschlich) ist, wie im Vedanta, taucht in der abendländischen Philosophie trotz der neuplatonischen Grundlage der Religionen von Philon bis Jakob Böhme und der Theologie von Cicero (Somnium Scipionis) bis Spinoza (Ethik) erst im Transzentendalen Idealismus (Fichte, Schelling) auf. Nicht zu vergessen: auch in Wagners Tristan, im Liebesduett des zweiten Aktes: "Selbst dann bin ich die Welt".

Das ging an Aristophanes mit Komödienmaske, satirischer Abstandregel und spöttischer Desinfektion natürlich so vorbei, wie er den Kontrapunkt zu der Diotima-Erzählung des Sokrates im Symposion spielt.

Ich setze gerade den griechischen Text der Aristophanes-Rede zu der Schleiermacher-Übersetzung hinzu, in lateinischer Umschrift, wie in der "12 Körben" üblich.

Der einbeinige Mensch, in den hier das dritte Archeanthropossen-Sonett einmündet, steht auch bei Aristophanes (Platon). Siehe daselbst.

grusz, hansz
 

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