assoziationsversuche

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*
der himmel atmet seit jahrtausenden ein
deswegen wölbt er sich so und
wenn er ausatmet wird alles, alles anders werden, sagst du
aber dein gesicht bleibt kalt und zerbricht die worte dabei.

*
du zurrst den krähenruf an deinem hals fest
er sitzt so locker, dass er fast fällt.

*
an deiner haut klebt noch der lärm den dein denken verursacht -
zuhause zerrt an deinem gesicht.

*
schatten knöpfen den raum zu
der in deinen worten aufgesprungen ist
dein mund ist zerbrochenes glas

*
das gesicht wird in der sprache gezüchtet -
bewegungen verirren sich, bis du stillstehst und schaust;
das gesicht eines kindes ist aus sandkörnern
zusammengelegt.

*
deine zerbrochene kindheit ist mein heiles glas
(den menschen in leisen und lauten mosaiksteinen denken)

*
manchmal sind die augen ausgetrunken, bevor es tag ist
dann trocknen die worte auf ihnen.
schweigen.

*
du ziehst den draht aus der stille
der tod ist in dein gesicht genäht.
dünner als draht.
 
Zuletzt bearbeitet:

L'étranger

Mitglied
Hallo Patrick,

ich habe auch so eine kleine Kiste mit Bildern, die auf das passende Gedicht warten.
Deine scheint ja überzuquellen, dass du sie hier so als lose Sammlung einstellst. ;-)

Oft sehe ich einen leiseren Anfang, der dann in ein schmerzliches lautes Bild mündet, zu oft finde ich.

Wenn es ein Gedicht wäre, würde ich mir wünschen, dass laut und leise langsamer wechseln, damit es nicht so unstet und zerhackt wirkt.

Gruß Lé.
 
hey ho lè

ich hab zwei notizbücher die komplett so vollgeschrieben sind und einfach mal eine seite abgeschrieben. einfach um zu schauen, ob davon was funktioniert... komisch eigentlich, ich schreibe die dinger komplett ohne nachzudenken, sie werden aber fast immer irgendwie dann doch philosophisch. zumindest könnte ich mich stundenlang in solchen bildern verlieren ...

lg
patrick
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Patrick,

das ist ja fast schon strafbare Verschwendung, die du hier betreibst!

Jedes davon wäre ein sehr gutes Kurzgedicht.

Liebe Grüße
Manfred
 
G

Gelöschtes Mitglied 21884

Gast
Guten Morgen, Patrick!


Warum Versuche? Geht das überhaupt mit Assoziationen?

Ich habe eine ganz andere Idee ... an Arno Schmidt erinnernd: Zettels Erwachen

Viele interessante Angebote - zum Vervollständigen ...

Gruß
Béla
 
G

Gelöschtes Mitglied 21884

Gast
Missverständnis, Patrick!

Arno Schmidts berühmtes Opus magnum heißt Zettel's Traum, das aus tausenden Zettelnotizen zusammengefügt wurde. In gewisser Weise liegt ja Ähnliches mit Deinen Notizbüchern vor (wenn auch viel weniger). Deshalb schlug ich für Deine lyrische Zusammenstellung den Titel Zettels Erwachen vor. Mir gefällt Deine Vorgabe 'assoziationsversuche' nicht besonders, weil man schlecht Assoziationen versuchen kann.

Gruß
Béla
 
hmm ... ja, da ist was dran, bèla.
ich überlege mir einen anderen titel!
aber an arno schmidt möchte ich ihn nicht anlehnen, weil ich das werk ja nicht kenne.

lg
patrick
 

Mondnein

Mitglied
"Zettels Traum" ist - davon abgesehen, daß "Zettel" auch in der Webe-Technik ("textûs" sind dem Worturprung nach Textilien, "Gewebe") ihren Bedeutungs-Platz haben - zudem eine Anspielung auf den "Zettel" in Shakespeares "Sommernachtstraum", der seine vorübergehende Verwandlung in einen Esel für einen bloßen Traum hält.
 

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