Auf der Straße

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G

Gelöschtes Mitglied 19299

Gast
Lieber Bernd,

bis der Felsen zu Sand wird, geht Zeit ins Land.
Deswegen halte ich es für möglich, auf das aber in der vorletzen Zeile zu verzichten.
Zum Beispiel: Ich laufe daher langsam ... o.s.ä.

Was meinst Du?

Gruß,
Keram
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Lieber Bernd,

bis der Felsen zu Sand wird, geht Zeit ins Land.
Deswegen halte ich es für möglich, auf das aber in der vorletzen Zeile zu verzichten.
Zum Beispiel: Ich laufe daher langsam ... o.s.ä.

Was meinst Du?

Gruß,
Keram
Das "aber" setzt den Ich-Erzähler, den Beobachter, in Kontrast zum Zerfall des Felsens.
 
G

Gelöschtes Mitglied 21114

Gast
Hallo Bernd, an diesem kleinen Gedicht, so scheint mir, ist etwas schief. Wer läuft da durch das Land? Der Autor? Weshalb hat er dann dieses Gedicht geschrieben? Was soll man als Leser von ihm halten? Ist er womöglich nichts weiter als ein unwirklicher Herumläufer? Ein Teilnahmsloser? Ein Automatenmensch? Eine Spieluhrenfigur? Er ist sicher kein Philosoph, sonst hätte sich angesichts des Zerfalls ein Denkprozess bei ihm eingestellt. Sicher nicht ein Verzweifelter, der den Zerfall nicht aufhalten kann. Sicher kein Weltuntergangsguru oder Weltuntergangsclown, sonst hätte er zum Zerfall beschwörend oder galgenhumorig Stellung genommen. Wer läuft da herum? Und wie gestimmt läuft er? Sinnend – steht da. Worüber sinnt er nach? Er sagt es mir nicht, dann interessiert es mich als Leser auch nicht. Soll er halt sinnen und dazu laufen. Die Aussage: Zum Weltuntergang läuft da einer ungerührt herum erinnert mich an eine nicht zu Ende gedachte Stummfilm-Szene. Ich ahne, was du rüberbringen wolltest, das steht da aber nicht. Jedenfalls kann ich es nicht erkennen.

Gruß JF
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Lastro

Mitglied
Das kleine Wörtchen „aber“ scheint hier viel Gewicht zu haben.
Es erinnert mich an „... der Hut flog mir vom Kopfe, (aber) ich wendete mich nicht“ ..., im Lied Der Lindenbaum und weiter, „... doch seine Zweige rauschten, als riefen sie mir zu“... .
Im Lied erhält die Darstellung des menschlichen Schicksals, über das der Wanderer hier nachsinnen mag allerdings viel mehr Dynamik und Prägnanz. Immerhin scheint der Blick auf den Felsen den Gang verlangsamt zu haben. Lastro
 

blackout

Mitglied
Ich gehe mit dir mit, Bernd, und sinne nach, was du uns sagen willst mit den wenigen Versen. Vielleicht: Riesige Felsen zerbrechen und zerbröseln, von denen man es nicht glauben wollte, aber des Menschen Leben geht weiter. Wobei ich den Felsen als Metapher lese. Genaugenommen ist das ganze Gedicht eine Metapher.

Ich überlege, was mit dem "Felsenkorn" zu machen wäre, komm aber auf nichts. Und "vor ... vorn"? Hm.

Gruß, blackout
 

molly

Mitglied
Lieber Bernd

Dinge, die man nicht ändern kann, muss man annehmen. So setzt der Dichter sinnend und gelassen seinen Weg fort, so lese ich Dein kleines Gedicht, das mir gut gefällt.

Viele Grüße

molly
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Vielen Dank für die Antworten.

Hallo Bernd, an diesem kleinen Gedicht, so scheint mir, ist etwas schief. Wer läuft da durch das Land? Der Autor?
Der fiktive Autor.

Weshalb hat er dann dieses Gedicht geschrieben? Was soll man als Leser von ihm halten? Ist er womöglich nichts weiter als ein unwirklicher Herumläufer?
Ja, ein ewiger Wanderer. Vielleicht.
Ein Teilnahmsloser?
Nein.
Ein Automatenmensch? Eine Spieluhrenfigur?
Vielleicht.

Er ist sicher kein Philosoph, sonst hätte sich angesichts des Zerfalls ein Denkprozess bei ihm eingestellt.
Vergiss nicht den Philosophen, der sagte: "Geh mir aus der Sonne."

Sicher nicht ein Verzweifelter, der den Zerfall nicht aufhalten kann. Sicher kein Weltuntergangsguru oder Weltuntergangsclown, sonst hätte er zum Zerfall beschwörend oder galgenhumorig Stellung genommen.
Wie kommst Du auf die Galgenlieder?

Wer läuft da herum? Und wie gestimmt läuft er? Sinnend – steht da. Worüber sinnt er nach?
Der Ich-Erzähler. Er ist nachdenklich gestimmt. Er sinnt einfach. Er meditiert.

Er sagt es mir nicht,
natürlich nicht. Das würde das Gedicht zerstören.
dann interessiert es mich als Leser auch nicht.
Das ist Sache des Lesers.
Soll er halt sinnen und dazu laufen. Die Aussage: Zum Weltuntergang läuft da einer ungerührt herum erinnert mich an eine nicht zu Ende gedachte Stummfilm-Szene.
Nicht zu Ende gedacht bedeutet, es ist im Fluss, es entwickelt sich, wie der sehr bekannte (fiktive) Fliegergenosse Kossonosow zu sagen pflegte.
Ich ahne, was du rüberbringen wolltest, das steht da aber nicht. Jedenfalls kann ich es nicht erkennen.
Was ich rüberbringen wollte, ist: Kunst ist für die Kunst.

Gruß
Bernd

PS: So umfangreich antworte ich selten. Es schränkt die Bedeutung zu sehr ein. Vergesse die Interpretation.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das kleine Wörtchen „aber“ scheint hier viel Gewicht zu haben.
Es erinnert mich an „... der Hut flog mir vom Kopfe, (aber) ich wendete mich nicht“ ..., im Lied Der Lindenbaum und weiter, „... doch seine Zweige rauschten, als riefen sie mir zu“... .
Im Lied erhält die Darstellung des menschlichen Schicksals, über das der Wanderer hier nachsinnen mag allerdings viel mehr Dynamik und Prägnanz. Immerhin scheint der Blick auf den Felsen den Gang verlangsamt zu haben. Lastro
Danke, Lastro.
Das Wort "aber" ist hier von Bedeutung. Genau.

Viele Grüße
Bernd
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gelöschtes Mitglied 21114

Gast
Bei aller Wertschätzung, Bernd, mit deinem Kommentar kann ich nichts anfangen. Wenn du über Diogenes ein Gedicht schreiben willst, kannst du das unverhohlen tun oder verschlüsselt – es muss sich aber um Diogenes handeln. Für mich als Leser.
Philosophen sollten keine Gedichte schreiben, sie können es in der Regel nicht, (du wirst das anders sehen), denk an Enzensberger, den ich sehr bewundere, seine Gedichte allerdings sind kalter Kaffee.
Wir kommen hier nicht zusammen, Bernd, das macht aber überhaupt nichts.
Gruß JF
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich gehe mit dir mit, Bernd, und sinne nach, was du uns sagen willst mit den wenigen Versen. Vielleicht: Riesige Felsen zerbrechen und zerbröseln, von denen man es nicht glauben wollte, aber des Menschen Leben geht weiter. Wobei ich den Felsen als Metapher lese. Genaugenommen ist das ganze Gedicht eine Metapher.

Ich überlege, was mit dem "Felsenkorn" zu machen wäre, komm aber auf nichts. Und "vor ... vorn"? Hm.

Gruß, blackout
Danke, Blackout.
Ein Korn birgt auch neues Leben ...
Was meinst du mit "Vor ... vorn?"
Es ist eine Lautmalerei.

Viele Grüße
Bernd
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Bei aller Wertschätzung, Bernd, mit deinem Kommentar kann ich nichts anfangen. Wenn du über Diogenes ein Gedicht schreiben willst, kannst du das unverhohlen tun oder verschlüsselt – es muss sich aber um Diogenes handeln. Für mich als Leser.
Philosophen sollten keine Gedichte schreiben, sie können es in der Regel nicht, (du wirst das anders sehen), denk an Enzensberger, den ich sehr bewundere, seine Gedichte allerdings sind kalter Kaffee.
Wir kommen hier nicht zusammen, Bernd, das macht aber überhaupt nichts.
Gruß JF
Wer sagt, dass ich ein Gedicht über Diogenes schreiben wollte?
Es ist nicht Diogenes. Diogenes ist nur ein Beispiel.

Du hast Schopenhauer gut verinnerlicht. (Die Kunst, recht zu behalten) Falls Du es nicht kennst: Es lohnt sich. Mir geht es aber nicht darum, zu siegen.
Mir geht es darum, dass wir gewinnen.

Gruß
Bernd
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Lieber Bernd

Dinge, die man nicht ändern kann, muss man annehmen. So setzt der Dichter sinnend und gelassen seinen Weg fort, so lese ich Dein kleines Gedicht, das mir gut gefällt.

Viele Grüße

molly
Danke Molly. Freut mich, dass Du das Gedicht verstanden hast. Es gibt auch weitere Inhalte, aber das ist ein wesentlicher Teil.
Viele Grüße
Bernd

PS: Es ist ein kleines und leichtes Gedicht. Die meisten deuten wahrscheinlich zuviel hinein oder erwarten zu viel.
 
G

Gelöschtes Mitglied 19299

Gast
Lieber Bernd,

gerade in dieser Erzählweise vernahm ich KEINEN Kontrast. Deswegen meine Hindeutung zu diesem aber.
Macht nichts, ist es doch natürlich, dass jeder mit seinen eigenen Augen und Herzen liest.

Jedenfalls ein gern gelesenes Gedicht!

Gruß,
Keram
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
Stimmt: Philosophen sollten keine Gedichte schreiben. Siehe Blake mit seinem berüchtigten "Sandkorn"-Lied.

Ich bin auch Philosoph, durch und durch. Deshalb sind meine Gedichte so schlecht ("Dreck").
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Kontrast: Beispiel:

Obwohl der Fels zerfiel, lief ich sinnend durch das Land. Ich sehe einen starken Kontrast.
Allerdings pflanzte ich keinen Apfelbaum, sondern machte weiter, wie bisher.

Das Gedicht gehört nicht zum sozialistischen Realismus. Das ist klar. Realistisch ist alles unmöglich.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Bei aller Wertschätzung, Bernd, mit deinem Kommentar kann ich nichts anfangen. Wenn du über Diogenes ein Gedicht schreiben willst, kannst du das unverhohlen tun oder verschlüsselt – es muss sich aber um Diogenes handeln. Für mich als Leser.
Philosophen sollten keine Gedichte schreiben, sie können es in der Regel nicht, (du wirst das anders sehen), denk an Enzensberger, den ich sehr bewundere, seine Gedichte allerdings sind kalter Kaffee.
Wir kommen hier nicht zusammen, Bernd, das macht aber überhaupt nichts.
Gruß JF

Enzensbergers Gedichte sind für mich genial. Ob sie kalter Kaffee sind, weiß ich nicht. Sie sind außergewöhnlich. In einer Reihe mit Lear, Caroll, Morgenstern, Ball, Schwitters, Asimov und einigen anderen..
 
G

Gelöschtes Mitglied 19299

Gast
Ich nahm sowohl das langsame Zerfallen des Gesteins als auch das sinnende Laufen in der gleichen, meditativen Geschwindigkeit wahr.
Daher mein Empfinden, dass es keinen Kontrast gibt.

Richtig oder falsch stellt sich hierbei aber, zum Glück, nicht.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Die Geschwindigkeit war gleich. Der Kontrast ist zwischen Materie und Denken, zwischen Natur und Handeln, zwischen Objektivität und Gefühl.

Aber richtig und falsch gibt es tatsächlich nicht. (Obzwar: Es wäre falsch, das Wort "aber" zu ersetzen. - das würde das Gedicht sehr stark ändern.)
 


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