aufgeschlossene ortschaft

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wende der märzsonne meine schattenseiten zu
gebe der winterblässe breite blößen
kühle gedanken erwärmen sich
hoch in der blutbuche knicken elstern
zweige für ihr räubernest
und über nackten eichen
segelt balzend ein bussardpaar

nicht ganz streifenfrei putzt
die nachbarin fensterscheiben
ein tiefer gelegter opel rast
mit wummernden bässen
durch die geschlossene ortschaft
aus deren weit geöffneten fenstern
farbig bettwäsche quillt
ein kind schreit begeistert über
ich weiß nicht was

lachend lehne ich mich
auf der balkonbank zurück
 

revilo

Mitglied
Moin Kalle, hast auf der Bank gesessen und nachgedacht?...schönes Gedicht, allerdings scheinen die letzten beiden Zeilen nicht so recht zu passen........mich irritiert das " lachend"...ich wünsche mir für dieses Gedicht einen stärkeren Schluss, einen richtigen Feldkamp-Knaller, den Du ansonsten so vortrefflich beherrscht und den ich hier vermisse....

LG revilo
 

anbas

Mitglied
Doch Karl, lehne Dich zurück und lache. Das passt, finde ich (sorry revilo, dass ich Dir hier widerspreche ;)). Ich stolpere dafür an anderer Stelle
nicht ganz streifenfrei putzt
Es ist sicherlich auch eine persönliche Sache bei mir - ich mag diese Art der Verneinung nicht so sehr - und als Zeilen- oder Satzanfang schon gar nicht. Wenn es nicht ganz streifenfrei ist, wie ist es dann? Für mich schließt das "nicht" die aufgeschlossene Ortschaft wieder ein wenig, was ich schade finde.

Liebe Grüße

Andreas
 

revilo

Mitglied
mmmpppppfffffff, war mir schon klar, dass Du das anders siehst, lieber anbas....:)....aber lassen wir doch unseren Autor zu Wort kommen...;).....

LG revilo
 
wende der märzsonne meine schattenseiten zu
gebe der winterblässe breite blößen
kühle gedanken erwärmen sich
hoch in der blutbuche knicken elstern
zweige für ihr räubernest
und über nackten eichen
segelt balzend ein bussardpaar

nicht ganz streifenfrei putzt
die nachbarin fensterscheiben
ein tiefer gelegter opel rast
mit wummernden bässen
durch die geschlossene ortschaft
aus deren weit geöffneten fenstern
farbig bettwäsche quillt
ein kind schreit begeistert über
ich weiß nicht was

lachend lehne ich mich
auf der balkonbank zurück
nur kondenzstreifen
durchkreuzen das blau
 
Lieber revilo,
ein meiner Knallerschlüsse will mir nicht einfallen. Vielleicht gefällt dir mein erweiterter Schluss besser.
Danke für deine Kritik und din Lob.
Herzliche Grüße
Karl
 
Hallo anbas,
zur besonderen Hausfrauenehre gehört es, Fenster streifenfrei zu putzen. Das ist bei dem augenblicklichen Sonnenschein nicht einfach, da der auch dünnste Streifen gnadenlos präsentiert.
Daher möchte ich die Formulierung schon lassen, zumal sich jetzt auch ein Zusammenhang mit dem neuen Schluss ergibt.
Da ich - wegen der Abwechselung - nicht alle Sätze immer gleich konstruieren möchte, habe ich diesen Aufbau gewählt.
Hast du einen besseren Vorschlag? Würde mir sehr helfen.
Danke für deine Kritik.
Gruß
Karl
 
Lieber Revilo,
so ein richtiger Knaller ist es eher nicht. Aber mir fiel noch kein besserer ein.
Noch einmal Dank für dein Bemühen.
Karl
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Karl,

nach mehrmaligem Lesen wurde ich zunehmend warm mit deinem Gedicht.
Es hat einen sehr eigenen Charme, den ich so beschreiben möchte: Der Typ auf dem Balkon stellt, kaum dass die ersten Vöglein singen, fest: same procedure as every year... - soweit passiert eigentlich nichts Besonderes. So Allerweltssachen halt. Man könnte darüber gähnen. Aber der Typ empfindet genau das als unbändiges Glück und fängt an zu lachen - - - und auch ich, als Leser, kann das Glück und die Freiheit am Ende des Gedichts spüren, es wird ganz wunderbar greifbar!

PS: Ich weiß, der intelligente Leser von heute retouchiert alles selbst - erlaube mir dennoch den Hinweis: Konden[red]s[/red]streifen.

lg wüstenrose
 
wende der märzsonne meine schattenseiten zu
gebe der winterblässe breite blößen
kühle gedanken erwärmen sich
hoch in der blutbuche knicken elstern
zweige für ihr räubernest
und über nackten eichen
segelt balzend ein bussardpaar

nicht ganz streifenfrei putzt
die nachbarin fensterscheiben
ein tiefer gelegter opel rast
mit wummernden bässen
durch die geschlossene ortschaft
aus deren weit geöffneten fenstern
farbig bettwäsche quillt
ein kind schreit begeistert über
ich weiß nicht was

lachend lehne ich mich
auf der balkonbank zurück
nur kondensstreifen
durchkreuzen das blau
 
Hallo wüstenrose,
danke für dein mehrmaliges Lesen und für deine Genauigkeit.
Ich finde auch, ein Lyr-Ich darf sich auch einmal über die Welt freuen, wie sie ist.
Ich habe mich gerade wegen deiner Geduld und Exaktheit über deinen Kommentar besonders gefreut...
Liebe Grüße
Karl
 

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