• Liebe Leselupe-Mitglieder,

    das Forum "Lust und Liebe" wird am 26.05.2022 deaktiviert werden. Ab sofort sind schon keine Neuveröffentlichungen mehr möglich. Alle Inhalte aus diesem Forum werden ebenfalls am 26.05.22 deaktiviert und damit für alle Leser, Mitglieder und Autoren unsichtbar. Falls Sie Werke in diesem Forum veröffentlicht haben, sichern Sie sich diese bitte vor dem 26.05.22 z.B. auf Ihrem lokalen Computer.

    Hintergrund: Suchmaschinen stufen Websiten mit erotischen Inhalten (dazu gehören auch erotische Texte) als teilweise problematisch und altersbeschränkt ein. Das hat deutliche (und negative) Einflüsse auf die Platzierungen von Websiten wie der Leselupe innerhalb von Google und Co. und damit auch auf die Besucherzahlen und Werbeeinnahmen.

    Viele Grüße
    Das Leselupe-Team!

Aus Berthold Bräsigs Liederränzel

5,00 Stern(e) 1 Stimme

Willibald

Mitglied
Studiosus auf der Reise


Im Felde, schau nur, friert die Hammelherde.
Und ringsum siehst Du nichts als weißes Winternegligee.
Nur dort und da so braune Zottelpferde,
sie sind vereist und starren in den Schnee.

Vereist sind auch die Buchen, Tannen, Fichten.
In meinem Schädel spannt sich kreuz und quer
ein Spinnwebnetz vereister Zeilen aus Gedichten,
die ich einst schuf. Wo bring ich neue Lieder her?

Bin ein Student, bin Sänger. Ohne Freude,
vom Hunger und von Durst gequält, stapf ich die Wege hier,
Man kriegt bei Nichterfolg die schiere Räude,
vom Publikum kein Geld, nicht mal ein lackes Bier.

So lange schon bin ich ohn´ Geistesblitze!
In Düsternis versank die Kreatie.
Wie? Tät ich besser diese Skizze,
dies Bild ins Lied? Die Winterszenerie?

Hoiho! Was seh ich dort am Berges-Rande?
Ein Gasthof: Bauern, Ziegen - Schafe satt.
Klar, Winterlieder hört man gerne auf dem Lande,
Genug also des Trübsalblasens: Cut!
 

sekers

Mitglied
vereist verreist

Hallo Willibald,

aberparadox funktioniert in diesem Text, der sich als Gedicht verkleidet hat, der Transport der Gedanken des Studiosus. Berthold bemüht den Winter, das Frieren, den Schnee, das Eis sogar mehrmals, und trotzdem kommt sowas von Wärme rüber. Und ohne Freude ist er, sagt er, und trotzdem fühle ich seine geradezu diebische Freude daran, die vorgebliche Unkreatie mit dieser fabelhaften Winterskizze ad absurdum zu führen. Vielleicht hat dieses Fühlen was mit dem Witz und der Schlusspointe zu tun.

Und wenn er Räude auf Freude reimt, dann denk ich mir, man kann im Gedicht allerabsurdeste Bilder bemühen, und keinen wundert's, im Gegenteil, es passt und klingt ja sehr gut, der Reim als Wegbereiter des Phantastischen.

Die vielen Tiere, die in dem Text herumstehen: könnte es sein, dass gerade sie, die mit der Geschichte ja so was von überhaupt nichts zu tun haben, das Wintergemälde so plastisch machen?

Jedenfalls habe ich wieder was zum Nachdenken. Dafür, und für das weiße Winternegligee wollte ich nur mal kurz danke sagen.

Liebe Grüße

G.
 


Oben Unten