aus dem nachtwald treten die tiere

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Aus dem nachtwald treten die tiere
mit stilleren augen. ein weg

führt ins graue schlachthausskelett.
das aus beton ist. die haken

rosten ohne kadaver ins licht.
erinnerungen laufen ins leere und drehen

sich wie ein kreisel im nichts.
(ich habe sie lange aufgegen.)

aus dem zerbrochenen glasrand
der scheiben fällt der sommer mit blut

rotem licht. du kannst noch die schreie
hören wenn du die schritte

in das stahlherz lenkst.
um dich an ihnen zu verzählen.
 

Mara Krovecs

Mitglied
Hallo Patrick,


ich lese Dein Gedicht seit heute morgen immer mal wieder. Weil es mich sehr beeindruckt und eine Gänsehaut verursacht.
Und entdecke immer neue Lese - und Zusammenfügmomente. Auch durch deine Wort/Versaufteilung, die Mehrfachverbindungen zulässt. Was dem Gedicht eine gute Weite zur Verfügung stellt.

Deine Wortschöpfungen und Ausdrucksformen sind großartig gelungen.



schlachthausskelett.



rosten ohne kadaver ins licht.

um dich an ihnen zu verzählen.
( sehr gute Idee, die große Anzahl der geschlachteten Tiere so zu beschreiben)


Die durchgehende Kleinschreibung gefällt mir hier auch. Warum beginnst Du mit einem großgeschriebenen Buchstaben? Macht man das so?

Die einzige Interpunktion ist bei Dir der Punkt, den Du geschickt setzt.

sich wie ein kreisel im nichts.
(ich habe sie lange aufgegen.)
Hier frage ich mich, ob die Klammern nötig sind. Es ist die einzige Stelle, in der Du in der ersten Person schreibst. Hebt das nicht genug ab ….


Tolles Gedicht, so eine ernsthafte Thematik leicht verpackt und dennoch mit genügend Kraft ausgestattet, dass ich als Leserin tief einsteigen kann.



Liebe Grüße

Mara


Ach so; ich gäbe Dir eine 9.
Würde aber mit meiner Uraltwertungssünderei Deine Quote runterreissen.
Ich weiß nicht, wie ich das in Ordnung bringen kann. Ich mag nun auch nicht rumlaufen und schlechte Wertungen verteilen, nur um wieder ins Lot zu kommen. Naja ….
 
Aus dem nachtwald treten die tiere
mit stilleren augen. ein weg

führt ins graue schlachthausskelett.
das aus beton ist. die haken

rosten ohne kadaver ins licht.
erinnerungen laufen ins leere und drehen

sich wie ein kreisel im nichts.
ich habe sie lange aufgegeben.

aus dem zerbrochenen glasrand
der scheiben fällt der sommer mit blut

rotem licht. du kannst noch die schreie
hören wenn du die schritte

in das stahlherz lenkst.
um dich an ihnen zu verzählen.
 

Perry

Mitglied
Hallo Patrick,

eine augfgelassene Schlachterei als Bühne für Erinnerungen ist sicher nicht alltäglich.
Für einen ehemaligen Arbeiter darin mag es vielleicht durchaus Erinnernswertes geben, für den aus dem Nachtwald tretenden Beobachter wohl eher mehr gruselige Vorstellungen. :)

Konstruktiv würde ich noch an folgenden Passagen arbeiten:

Aus dem nachtwald treten [strike]die[/strike] tiere
mit stilleren augen. ein weg -> stiller als wann?

führt ins graue schlachthausskelett.
das aus beton ist. die haken

rosten ohne kadaver ins licht. -> Kadaver beschreibt Aas?
erinnerungen laufen ins leere und drehen

sich wie ein kreisel im nichts. -> im nichts dreht sich nichts
ich habe sie lange aufgegeben.

aus dem zerbrochenen glasrand -> aus den rändern zerbrochener
[strike]der[/strike] scheiben fällt der sommer mit blut

rotem licht. du kannst noch die schreie
hören wenn du die schritte

in das stahlherz lenkst.
um dich an ihnen zu verzählen.

Vielleicht ist ja was Brauchbares dabei.
LG
Manfred
 
Hallo mara
Ich danke dir sehr für den tollen Kommentar!
Du hast sehr richtig erkannt dass die
Zeilen ein bischen wie ein Puzzle angeordnet sind.
Der Wertungsdurchnitt ist mir relativ schnuppe, ich
nehme die imaginäre 9 gerne in Empfang :)

Hallo tula
Vielen Dank für die Wertung:)

Hallo Walther
Ich ziehe den Hut, danke :)

Hallo perry
Auch dir lieben Dank. Ich werde das Gedicht
aber so stehen lassen, weil ich denke dass es so
stehen bleiben kann und es mir persönlich einigermaßen
zusagt. Trotzdem vielen Dank für die Mühe

Und L.G euch 4
Patrick
 

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