Aus dem Tagebuch eines Briefträgers

2,00 Stern(e) 2 Bewertungen

Resjek

Mitglied
„Ich musste einmal im Nobelquartier der Stadt während den Ferien aushelfen. Bevor ich die Tour begann, zeigte mir ein Kollege die Details des Rundgangs und machte mich vor einem Gartentor zu einer Villa darauf aufmerksam, dass hier ein Bernhardiner im Park sei. Es sei ein harmloses Tier, das aber immer bellend am Tor aufkreuze und ihm beim ersten Mal gehörig Eindruck gemacht habe...."

"Nun, als ich ein paar Tage später klingelte, um einen eingeschriebenen Brief abzugeben, tat sich nichts. Kein Hund, kein Mensch war zu sehen und so beschloss ich, das Gittertor zu öffnen und lief durch den Garten auf das Haus zu.
Plötzlich stürmte ein ausgewachsener Bernhardiner laut bellend um die Ecke direkt auf mich zu und sprang mich mit einem gewaltigen Satz an. Ich verlor das Gleichgewicht, fiel hin und wagte mich nicht mehr zu rühren.
Der Hund setzte seine Vorderpfoten auf meine Brust und begann genüsslich mein Gesicht mit seiner rauhen Zunge abzulecken.

Nach einer Weile hörte ich die Haustüre gehen und eine weibliche Stimme rief:
"Bleiben Sie wo Sie sind, der macht Ihnen nichts...!"
Ich dachte nun, sie würde den Hund endlich zurückrufen, aber nichts geschah. Ich zog es vor, liegen zu bleiben, wie sie mir angeraten oder besser: befohlen hatte. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte eine beleibte Frau um die Fünfzig mit einem Fotoapparat auf. Sie machte in aller Ruhe
eine Aufnahme und als sie damit fertig war meinte sie:
"Das musste ich fotografieren, das glaubt mir ja sonst keiner!"
 

 
Oben Unten