Aus der Tiefe

kwge

Mitglied
Tagelang treibt er schon ohne Kurs
mitten in einem endlosen Blau,
über ihm erstrahlt nun der Himmel
mit einer stabilen Dreistigkeit.
Gesegelt ist er vielfach um die Welt,
ihm sind manche Seewege bekannt
und vor angekündigten Wettern
hat er sich stets in Acht genommen.
Sehr wohl kennt er die vielen Tücken,
deshalb sind vor jeder seiner Fahrt
alle Vorkehrungen akribisch,
sodass ihm sein Boot gut vertraut ist.

Während eines rauen Seegangs
zerbrach dennoch abrupt der Mast
und nun streiken die Geräte,
ihm hilft derzeit nur ein Kompass –
der Proviant schwindet wortlos,
ein wenig Wasser reicht durchaus,
längstens wird man ihn wohl suchen,
dies gibt ihm wiegende Hoffnung

er sieht bereits alte Schiffe
und über das stille Wasser
spazieren zuweilen Menschen,
unter ihm liegt ein nasser Grund –
aus den eignen Tiefen jedoch
taucht etwas Seltsames empor,
je länger alles nun dauert,
beherrschen lässt es sich kaum …
Angst​
 
Zuletzt bearbeitet:

jon

Mitglied
Mir gefällt die Wendung am Schluss, ich hatte etwas anderes aus einer anderen Tiefe erwartet.
Mit gefällt die Formulierung „stabile Dreistigkeit“, auch wenn Dreistigkeit eigentlich nicht passt. Der Himmel ist nun mal dort oben, er sucht es nicht aus und hat keine Möglichkeit, sich – wem auch immer zu liebe – woanders hin zu begeben.

Mir gefällt nicht das durchgehende Präsens, da es sich in Wirklichkeit nach „Dreistigkeit“ um einen Rückblick handelt. Auch andere Detail-Stellen sind in Sachen Zeitform inkonsistent.
Mit gefällt nicht, dass der Schluss keinen Bezug zum Rest hat. Ich meine: Der erste Teil spricht von Sorgfalt, nicht von Nicht-Angst. Der zweite Teil spricht von keinem Gefühl, außer am Ende plötzlich kurz von Hoffnung.

Und mir gefallen viele Details nicht. Nur um mal einige zu nennen: Damit einem sein eigenes Boot vertraut ist, muss man nichts akribisch vorbereiten – das „bis“ behauptet einen logischen Zusammenhang, den es nicht gibt. Warum sind die Gründe für den Mastbruch unerklärlich und wofür ist das relevant? Wozu das „irgendeinmal“ - war das früher mal oder gehört das doch eher zum momentanen Problem? Wenn er sowieso nicht steuern kann (er treibt), wozu dient (ersatzweise zur ausgefallenen Navigation, wobei hier wohl eher das Navigationsgerät gemeint ist) ihm dann der Kompass? Proviant redet nie, also ist "wortlos" sinnlos.

Alles in allem: Mir gefällt die Idee, die Ausführung nicht.
 



 
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