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aus einem Lesebuch

anemone

Mitglied
07.3.2003


Krankenpflege und Hilfe der Frauen 1813 von Gustav Freytag

Lauter wurde das Getöse des Krieges, grimmiger der Zusammenstoß der Massen; Siegesjubel und bange Sorge nahmen
in schnellem Wechsel die Herzen der Zurückgebiebenen gefangen. Nach der Schlacht bei Großgörschen wurde verkündet, dass den Verwundeten Hilfe nottue: Decken, Binden, Verbandzeug.
Da begann überall im Volk ein Sammeln von Leinwand und ein Scharpierzupfen. Unermüdlich zogen Kinder und Erwachsene die Fäden alter Leinwand auseinander, die Frauen schnitten Binden, der Lehrer sogar schnitt in der Schule mit der Papierschere die Lappen zurecht, die ihm Mädchen und Knaben
nach seiner Forderung von Hause mitgebracht hatten, und mit heißen Wangen zerzupften die Kinder, während er lehrte, ihre Stücke zu großen Ballen. Es wurde eine gewöhnliche Abendarbeit der Familien. Es konnte den Kriegern doch ein wenig helfen.
In der Nähe der verbündeten Heere, in den Hauptstädten
wurden große Lazarette errichtet, überall traten die Frauen helfend dazu, Hofdamen, Schriftstellerinnen und treue Hausmütter. In einem großen Lazarett Berlins waren Frau Fichte und Frau Reimer die Vorsteherinnen der weiblichen Pflege.
Das Lazarett war durch die heimkehrenden Franzosen zu
einem Pestort geworden; bösartige Nervenfieber herrschten und die Phantasien der Kranken machten den Aufenthalt entsetzlich. Der Gattin Fichtes graute vor dem Furchtbaren,
er aber suchte sie in seiner großen Weise festzuhalten.
Da wurde auch sie vom Nervenfieber befallen; er pflegte die Erkrankte, wurde angesteckt und fand selbst den Tod. Auch Reil, der große Arzt und Gelehrte, erlag dort in seiner menschenfreundlichen Arbeit. Frau Reimer aber hielt aus. Ihr Haus war von dem Kriege ein Sammelpunkt für die preußischen Patrioten gewesen, jetzt stritt ihr Hausherr als märkischer Landwehrmann unter Putzlitz.
Die Sorge um den Gatten, um sein Geschäft, um ihre kleinen Kinder, das alles nahm der tapferen Frau nicht Mut, nicht Zeit, vom Morgen bis zum Abend, das Frühjahr, den Sommer war sie in der aufregenden Tätigkeit; unermüdlich teilte sie sich zwischen dem Hause und der Krankenpflege, unzerstörbar erschien ihr selbst ihr Leben.Dem Gatten, den Freunden, den Zeitgenossen war dieser Eifer natürlich
und selbstverständlich. In ähnlicher Weise haben deutsche Hausfrauen an allen Orten ihre Pflicht erfüllt, mit größter Selbstverleugnung, opferfreudig, in stiller dauerhafter Kraft.
 

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