Aus einem Tagebuch

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Aus einem Tagebuch


Montag, 13.7.

Ich sitze am Computer und meine Gedanken sind so zäh wie altes Kaugummi.
Verdammt noch eins! Dieser Roman sollte mein Bestseller werden.
Es wird Zeit, dass ich es all den Leuten zeige, die mir müde oder mitleidig zulächeln, wenn ich deren Fragen auf Bezug meines Berufes beantworte.
Was glauben die eigentlich! Hätten die mein Essay gelesen, dann wüssten sie, was auf sie zukommt. Mein Verleger war so begeistert, dass er fast weinte, als er den letzten Satz gelesen hat.
Und nun hocke ich hier und nichts passiert in meinem Kopf.
Verdammter Mist auch!

Dienstag, 14.7.

Es ist 14.30, bin gerade erst aufgestanden. Mein Schädel brummt wie ein Bär der Tollwut hat.
Was für ein ätzender Geschmack im Mund. Zuviel Pesto, zuviel Ouzo und zuviel Zigarrillos.
Müsste ich jetzt jemanden anscprechen, würde mein Gegenüber stumpf umfallen.
Kaffee kochen, ins Badezimmer und bloß keinen Blick in den Spiegel werfen.
Gehe zurück in die Küche, vorbei an meinen Computer, würdige ihn keines Blickes.
Saublödes Teil du!

Mittwoch, 15.7.

Meine Mutter war hier! Wasserstoffblond und künstlich gebräunt. Die Haut ist schon das reinste Leder, besonders am Hals. Sollte es ihr mal wider erwarten schlecht gehen, kann sie immer noch `nen Deal mit ihrem Schuster machen. Oh Gott! Gut, dass keiner meiner Freunde hier war. Ich schäme mich immer noch für meine Mutter. Oberflächlich, stets gut gelaunt und immer nach der neuesten Mode gekleidet.
Ich glaube, ich sollte meinen Therapeuten wieder mal anrufen. Vielleicht ist sie ja schuld an meiner Schreibblockade.
Mein Verleger rief mich an, wie`s so läuft. > Super, echt toll! < Die Lüge flutschte wie Zäpfchen.
Ich fühle mich scheußlich.
Da! Ein Migräneanfall. Auch das noch. Ich ruf Ricardo an. Soll er mich ein wenig verwöhnen. Vielleicht insperiert er mich ja.

Donnerstag, 16.7.

Im Cafe International war wieder mal die Hölle los. Antonio musste seine Flamencointerpretation zum besten geben und nahm huldvoll die Ovationen entgegen.
Esther hat sich ihr Haar giftgrün gefärbt. Sieht scheußlich aus! Ihre kleine Tochter weigert sich, auf ihren Schoß zu gehen und ruft sie nur noch Hexe.
Ich bin unzufrieden. Da sitze ich im Cafe herum, kaue an meinen Fingernägeln, trinke Gin –Tonic und denke die ganze Zeit an meinen Roman.
Ich kann mich aber nicht aufraffen. Wozu auch? Spätestens vor meinem Computer sind alle Ideen und Gedanken davongeflogen. Angelockt durch Menschen und Geschehnisse, wie Vögel durch Brotkrumen, aber will man sie berühren oder festhalten, flattern sie auf und davon.

>Du bist zu angespannt, schau deine Hände. Entweder du nagst an deinen Nägeln oder du machst Fäuste. Deine Beine sind immer übereinandergeschlagen, so verknotet. Oder sie hüpfen rauf und runter, ganz schnell.
Du musst locker werden, lass alles fließen, wie ein Fluß, endlos und weich. Dann fließen auch die Gedanken aus dir heraus< , meinte Kolja, mit seinem wunderbar russischem Akzent.
Oh Gott! Stundenlang könnt`ich ihm zuhören. Eine Stimme wie weiches Schmiergelpapier, so eben angerauht. So herrlich tief und beruhigend, wie schmelzendes Schokoladeneis. Ein Schauer durchläuft mich. Ich frag ihn, ob ich ihn als meinen Guru anstellen darf.
Er lacht laut auf, streicht mir über die Wange und sagt, ich bräuchte keinen.
>Du hast deinen eigenen Guru in dir. Du traust nur nicht ihn herauszulassen, aus Angst vor der Schönheit seines Geistes. Öffne ihm endlich das Tor. Deine Blätter werden sich füllen mit Wörtern, die blühender sind als der schönste Lotus! Erfrischender als sprudelndes Quellwasser und tiefer als die leidenschaftlichste Liebe!<
Sprich weiter Kolja, welch ein Genuss! Woher nimmst du nur diese bildhafte Sprache? Er schaut mich erstaunt an und meint, Sprache entstünde doch erst durch Bilder.
>Ohne Bilder in deinem Kopf, bleibt alles Geschriebene farblos und nichtssagend.<
Ich bitte ihn, meinen Roman zu schreiben und das Geld gnädig mit mir zu teilen.

Freitag, 17.7.

Liege im Bett, mag nicht aufstehen. Denke ständig an den Bibelvers ....und wandre ich auch im finstren Tal.... oder so ähnlich.
Habe eine Depression. Will niemanden sehen und hören.
Muss in den Waschsalon, habe keine Unterwäsche mehr. Der Vogelkäfig stinkt und der Kühlschrank ist auch leer.
Mein Verleger spricht schon das achte Mal auf meinen Anrufbeantworter.
Lasst mich doch alle in Ruhe!!
 

 
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