Ausgefallenes Glück

Cafard

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Vorletzten Samstag waren wir israelisch essen, hier in der Kurve am Rondell. Die Vorspeisenplatte Jerusalem war lecker, der koschere Hähnchenspieß ging so, er war zu fluffig, er war nicht kross genug gebraten.

Es war schwierig mit dem Essen, die Zaubermaus war dabei, sie wurde von Schoß zu Schoß gereicht, wer die Zaubermaus auf dem Schoß hatte, musste das Schlimmste verhindern, jedenfalls kam derjenige nicht zum Essen, das halbgriechische Temperament...

Eine Woche darauf sollte der nächste Versuch gestartet werden, diesmal im Okinii, dort gibt es California Maki, Futo Maki, Tuna Roll, Canadian Roll und weitere Makis und Rolls.

Ich war nie zuvor japanisch essen, von daher war ich sehr gespannt. Die Atmosphäre im Okinii gilt als gediegen, so gediegen schön vom Licht her und von allem, dass man es erlebt haben muss, wenn man denn Sushis mag. Auch dort gibt es Hähnchenspieße, und wie ich hörte, sind sie nicht fluffig, sondern durchgegrillt, so muss es sein.

Ich stand morgens auf, antizipierte mein anberaumtes Glück, aß ein Dinkel-Toast mit Aprikosenmarmelade - man kann schlecht mittags essen gehen, wenn man nicht gefrühstückt hat - und schön dieser Strom an Zufriedenheit, allein schon von der Vorstellung, was der Tag noch so bringt.

Ein bisschen Randale von der Zaubermaus könnte die japanische Lounge-Atmosphäre nicht trüben, von einem Schoß zum anderen Schoß geht das schon irgendwie, beim Opa ist sie meistens friedlich! Kein Wunder, Opa kann alte Singspiele und Zaubertricks und anderen Kinderspaß, und überhaupt wird jedes weibliche Wesen allein durch Opas Anwesenheit ruhiger.

Dann die Nachricht, dass die Zaubermaus unpässlich ist, sie ist allzu knatschig wegen der Zähne, die nun raus wollen, das kennt man ja, sie braucht ihren Mittagsschlaf, natürlich hat Opa dafür jedes Verständnis dieser Welt, und das Okinii wird nicht abgerissen, was solls also.

Was solls... ist meine allumfassende Lebenseinstellung, passt oft, fast immer, manchmal auch gar nicht.

Als Opa dann rauchend im Hof stand und auf die verschlissenen roten Stühle vom alten Hodzic blickte, fielen ihm vergangene Szenen von ausgefallenem Glück ein. Zum Beispiel der ausgebliebene Urlaub an der Côte d’Azur - ich musste plötzlich ins Krankenhaus - und so etwas in der Richtung. Was solls, die Côte d’Azur wurde nicht abgerissen, inzwischen war ich dort, und schöner als im Krankenhaus ist es fast überall, naja...

Mir fielen noch ein paar andere Dinge ein, ich schaute auf die ganze Welt; eine Welt, in der jeden Tag sehr viel Glück ausfällt; es zog ein Frieden ein: dass alles bis jetzt ganz glimpflich ablief, von ausgefallenem Glück zu sprechen, ist eine schlechte Idee.

Inzwischen hat mich ein Bild von der Zaubermaus erreicht, sie lacht wieder, es ist ein Bild, auf dem sie schelmisch lacht, da ist etwas Griechisches in ihrem Blick, ich werde ganz genau beobachten, wohin das führt. Der andere Opa, der griechische also, der ist ein Landmensch, der Hasen jagt und Hühner züchtet; und noch mehr solcher Dinge, die ich niemals tun werde, obschon ich davor jeden Respekt habe.

Wenn es nach mir läuft, wird aus der Zaubermaus eine blasse Schriftstellerin, keine Zeit für Hasen und Hühner, und egal wie, notfalls mit klaren Ansagen:

Es wird jetzt geschrieben, ja keine Widerrede!
 

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