Geschafft.
Nun reicht ein Arm des Vaters um das Kind, dort wo die Schulter abwärtsrund.
Sechs Jahre alt, das sei erwähnt. Der Weg war meistens steil. Sie blicken auf das Gipfelkreuz.
"Was steht da?, fragt das Kind. "Der Gipfel der Banalität - Errichtet vom neuen Alpenverein."
Der Vater neigt den Kopf zum Kindgesicht. "Weißt du, früher hieß der Berg "Banal", dann wurde darüber diskutiert. Man war sich nämlich uneins darüber, ob man "Die Banal" oder "Der Banal" sagt, und schließlich gab es eine Abstimmung, bei der sich die Mehrheit für "Der Banalit" ausgesprochen hat. Aber die Zeiten ändern sich, und so hat man sich Jahre später entschlossen, kurz nachdem der neue Alpenverein gegründet worden war, ihn, nach einer neuerlichen Abstimmung, künftig "Die Banalität" zu nennen.
"Aha - aber da steht noch etwas, ich glaube, das hat wer hineingeritzt." Der Vater steht auf, geht näher ans Kreuz heran, neigt sich etwas vor, liest laut: "Die Menschen sind eben verschieden". Wieso "eben", ruft das Kind, "hier ist es bergig - hier doch auch!".
Am Weg zurück, sie sind schon müde, reden sie nicht viel. Das bringt mit sich, wie man (jeder Mann, jede Frau usw.) weiß: es wird an dies und das gedacht. Der Vater denkt dies: Es gibt einen Tag des Kindes. Man hat sich auf ein weltweit einheitliches Datum aber noch nicht einigen können. Jeder Tag ein Tag des Kindes, ja das wär's, aber, aber, aber ...
Und er erinnert sich: Ich habe am Dienstag zu Sabine gesagt: "Tut mir Leid, Sabine, den Tag des Kindes feiert man in der ganzen Welt nur an drei Tagen im Jahr, heute nicht, also schlaf jetzt endlich, endlich ein!" Und wie war es vor etwa einem Jahr? Hab es auswendig gelernt:
Schneewittchen schreitet weich und leise
weil hinter Wolken Sterne sind.
Die lauschen ihrer Füße Reise.
Hör zu, der Wind.
Dornröschen dreht das Rad, es lächelt
zur Blume dort beim Apfelbaum.
Warum der Wind den Vorhang fächelt ?
Man weiß es kaum.
Schneeweißchen holt sich eine Leiter
es möchte in den Himmel gehn.
Dort ist wahrscheinlich alles heiter.
Kannst du es sehn ?
Frau Holle hat die Tür geschlossen.
Auch Rosenrot, es schließt den Spind.
Sein Lied erklingt, dir zugegossen.
Schlaf ein, mein Kind.
"Der Mensch ist verschieden", denkt er, "verschieden". Denkt an seine Mutter, seinen Vater -
und an sich.
Nun reicht ein Arm des Vaters um das Kind, dort wo die Schulter abwärtsrund.
Sechs Jahre alt, das sei erwähnt. Der Weg war meistens steil. Sie blicken auf das Gipfelkreuz.
"Was steht da?, fragt das Kind. "Der Gipfel der Banalität - Errichtet vom neuen Alpenverein."
Der Vater neigt den Kopf zum Kindgesicht. "Weißt du, früher hieß der Berg "Banal", dann wurde darüber diskutiert. Man war sich nämlich uneins darüber, ob man "Die Banal" oder "Der Banal" sagt, und schließlich gab es eine Abstimmung, bei der sich die Mehrheit für "Der Banalit" ausgesprochen hat. Aber die Zeiten ändern sich, und so hat man sich Jahre später entschlossen, kurz nachdem der neue Alpenverein gegründet worden war, ihn, nach einer neuerlichen Abstimmung, künftig "Die Banalität" zu nennen.
"Aha - aber da steht noch etwas, ich glaube, das hat wer hineingeritzt." Der Vater steht auf, geht näher ans Kreuz heran, neigt sich etwas vor, liest laut: "Die Menschen sind eben verschieden". Wieso "eben", ruft das Kind, "hier ist es bergig - hier doch auch!".
Am Weg zurück, sie sind schon müde, reden sie nicht viel. Das bringt mit sich, wie man (jeder Mann, jede Frau usw.) weiß: es wird an dies und das gedacht. Der Vater denkt dies: Es gibt einen Tag des Kindes. Man hat sich auf ein weltweit einheitliches Datum aber noch nicht einigen können. Jeder Tag ein Tag des Kindes, ja das wär's, aber, aber, aber ...
Und er erinnert sich: Ich habe am Dienstag zu Sabine gesagt: "Tut mir Leid, Sabine, den Tag des Kindes feiert man in der ganzen Welt nur an drei Tagen im Jahr, heute nicht, also schlaf jetzt endlich, endlich ein!" Und wie war es vor etwa einem Jahr? Hab es auswendig gelernt:
Schneewittchen schreitet weich und leise
weil hinter Wolken Sterne sind.
Die lauschen ihrer Füße Reise.
Hör zu, der Wind.
Dornröschen dreht das Rad, es lächelt
zur Blume dort beim Apfelbaum.
Warum der Wind den Vorhang fächelt ?
Man weiß es kaum.
Schneeweißchen holt sich eine Leiter
es möchte in den Himmel gehn.
Dort ist wahrscheinlich alles heiter.
Kannst du es sehn ?
Frau Holle hat die Tür geschlossen.
Auch Rosenrot, es schließt den Spind.
Sein Lied erklingt, dir zugegossen.
Schlaf ein, mein Kind.
"Der Mensch ist verschieden", denkt er, "verschieden". Denkt an seine Mutter, seinen Vater -
und an sich.
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