bedeut ende

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immer wieder
die versuchung
einen bedeutenden satz
zu meinem unbedeutenden
leben aufzuschreiben

immer wieder
zum jahreswechsel auf
vermeintliche erfolge
zurückzuschauen
um alltage zu heiligen

immer wieder
der hilflose versuch
sterne zu zählen
und zu meinen gunsten
zu deuten

immer wieder
schuldige für meine
misserfolge zu finden
um einen gott zu erfinden
der allein auf meiner seite steht

immer wieder
gegen das wissen
dass nicht ich die welt
zusammenhalten kann

immer wieder
 

hein

Mitglied
Hallo Karl,

dem Satz "dass nicht ich die welt zusammenhalten kann" stimme ich nicht zu!

Du allein kannst es vielleicht nicht, aber Du bist ein Teil davon, und alle zusammen halten wir den Laden am laufen. Wenn jeder meint, auf seinen Anteil könne auch verzichtet werden und sich deshalb nicht im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht, wäre die Welt wirklich am Ende.

Und zu dem "unbedeutenden Leben": wenn es uns "Unbedeutenden" nicht gäbe, gäbe es auch keine "Bedeutenden". Und was wären ein General ohne Soldaten oder ein Präsident ohne Volk: Nichts!

Also: keep stiff and carry on ...

Guten Rutsch
hein
 
Lieber Hein,
natürlich hast Du recht. Und in der letzten Strophe hätte ich schreiben müssen, dass ich nicht allein die Welt zusammenhalten kann. Mir geht es darum, mich und meine Möglichkeiten nicht zu überschätzen, da ich der Meinung bin, dass bei aller populistischen Selbstüberschätzung endlich wieder Bescheidenheit gefragt sein sollte. Auch Dir einen guten Rutsch.
Karl
 
Doch, dieses Ostinato kommt "immer wieder" gut. Gefällt mir, besonders die ersten drei Strophen.
Danach ist mir zu viel Drang nach einem bedeutenden Satz, der Gott und die Welt zusammenbringt. So etwas ist mir - immer wieder? - zu viel des Guten.
 

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