Belauscht

onivido

Mitglied
strahlender Sonnenschein, ein für München untypisches Aprilwetter, hatte Nico ins Freie gelockt. Er folgte dem Touristenstrom von der Stadtmitte zum Karlsplatz. Der Brunnen sprühte noch kein Wasser, aber das störte die Besucher nicht. Sie fotografierten emsig, sich selbst, ihre Freunde, Fremde und den trockenen Brunnen, der von felsbrockenartigen Steinen gesäumt ist, die von den Passanten gerne als Sitzgelegenheiten benutzt werden. Auch Nico setzte sich auf einen der Steine, genoss den sonnigen Morgen in multinationaler Gesellschaft, versuchte seine Scheidung zu vergessen und sann darüber nach, warum dieser Platz einen Doppelnamen hatte. Karlsplatz – Stachus. Woher kam dieser Name? Stachus? Was bedeutete er? Die Münchner fanden auf diese banale Frage keine Antwort, aber ein norddeutscher “Zuagroaster “– Zugereister - hatte etwas von einer Gastwirtschaft mit diesem Namen erzählt, die in früheren Zeiten hier gestanden haben soll.
Von diesen tiefsinnigen Gedanken wurde er abgelenkt, als sich zwei junge Frauen näherten. Beide pechschwarz, jedoch offensichtlich keine Fremden. Sie gönnten den Touristen, die sich gegenseitig verstohlen abschätzten, keinen Blick. Weder der Justizpalast, noch die Tauben, die ihn mit ihren Exkrementen verzierten, erweckten ihre Aufmerksamkeit. Sie zogen keine Stadtkarten zu Rate, bestaunten nicht das Karlstor.
Einwanderer aus Afrika urteilte Nico. Zügig gingen die beiden auf zwei freie Steine zu, die in einem Schritt Abstand vor Nicos Sitz noch ihrer Besetzer harrten.
Sie setzten sich, mit dem Rücken zu Nico, ohne ihn zu beachten, ein Verhalten, das dessen sehr gesundem Selbstvertrauen einen Stoss gab. Mehr noch verwunderte es ihn, als die beiden zu sprechen begannen, in seiner Muttersprache, mit waschechtem kubanischen Akzent und der dazu gehörigen Lautstärcke.
“…. esta caraja -dieses Weib - ist stinkfaul. Nie putzt sie die Küche und wenn sie mal so tut als ob, wischt sie nur mal so mit einem Lappen über den Tisch.“
“Mehr kannst du ja auch nicht verlangen von ihr, bei dieser Mutter. Niemand in der Familie weiss, was arbeiten heisst.”
“Ja, ihr Bruder geht mir auch auf die Nerven. Ich will nichts mit ihm zu tun haben.”
“Das kann Yury bestimmt nicht fassen. Er glaubt alle Frauen müssten ihm zu Füssen liegen.”
“Man muss sehr deutlich werden bei ihm. Weisst du was er zu mir sagte, neulich, als ich ihn abblitzen liess?”
“Wahrscheinlich, dass du froh sein solltest, wenn er sich überhaupt mit dir abgibt.”
“Nein, er meinte, ich wollte unbedingt einen Weissen.”
“Weisst du was”, habe ich gesagt, “ich will einen Mann, der arbeitet, nicht einen, den ich ernähren muss.”
“Und du glaubst, ein solcher Mann sucht ausgerechnet eine Barfrau aus der Schillerstrasse und ausserdem noch eine so schwarze, wie du es bist”, - hat er mich verspottet.
“Glaubst du, ich will immer in einer Bar arbeiten. Ich möchte eine Familie haben, kinder von meinem Mann bekommen”, - habe ich ihm geantwortet. Er hat mich ausgelacht.
“Du dumme Gans, Deutsche wollen keine Kinder.”
“Deutsche Frauen wollen keine kinder, die Männer schon!”
” Na ja, Aida, ich glaube da hat Yury recht. Deutsche wollen keine Kinder”, meinte die Freundin.
“Quatsch, Yesaida! Also gut, ich kann es einfach nicht mehr für mich behalten. Im Supermarkt habe ich einen Mann kennen gelernt. Leider ist er verheiratet, aber er will sich scheiden lassen, eben weil seine Frau keine Kinder will.”
“Mujer, das hat er dir alles im Supermarkt erzählt? Hör auf, Aida, du bist doch schon zu alt, um solche Märchen zu glauben!”
“Natürlich nicht im Supermarkt. Beim Baden im Nordbad - eigentlich nach dem Baden - bueno chama, du weisst schon.”
“Caray muchacha, und das erzählst du mir erst jetzt. Hat er einen deutschen Pass?”
“Er ist ein richtiger Deutscher, ein ehrlicher Mann. Rolf Braunsteiger heisst er.”
Nico hatte genug gehört. Er blickte auf seinen Handrücken. Ganz weiss war seine Haut nicht, aber er war ein Mann der arbeitete.
“Jeden Tag eine gute Tat”, so sein Motto.
Am Abend würde er die Bars der Schillerstrasse abklappern, Aida finden und sie darüber aufklären, dass nicht jeder deutsche Mann ein ehrlicher Mann ist und wer weiss, immerhin war er ein Mann der arbeitete.
 
A

aligaga

Gast
Wenn man nicht wirklich Ahnung hat von Land und Leuten, sollte man beim G'schichterlnschreiben Obacht geben - sonst kommt man literarisch rasch unter die Räder.

Wer strahlenden Sonnenschein für untypisches Münchner Aprilwetter hält, hat noch nie etwas vom Föhn gehört; das Rund des Stachusbrunnens ist nicht von "felsbrockenartigen Steinen", sondern von exakt behauenen Granit-Prismen gesäumt; alle Münchner Volksschüler lernen im Heimatkundeunterricht, dass der "Stachus" sich aus dem frommen Vornamen eines lokalen Wirtes herleitet (Eustachius). In der Schillerstraße gibt's so gut wie keine eigentlichen "Bars" mehr und auch keine Schwarzen - die Gegend ist längst fest in der Hand des Balkans.

Am lächerlichsten ist die Bemühung des Autors, sein lyrisches Ich als im Vergleich zu den dummen, faulen, weißen "Münchnern" als fleißig und anstellig hervorzukehren. Wer "die Münchner" wirklich kennt und darüber hinaus schon mal ein paar Wochen in Kuba herumgereist ist, weiß, dass man, was Faulheit und Laissez faire anbelangt, die vom Sozialismus beglückten Kubaner in der Tat nicht mit den einfältigen, weißen Münchnern vergleichen kann. Dazwischen liegen wirklich Welten!

Fazit: Die "Münchner" in einem G'schichterl von einem präpotenten, lyrischen Klugscheißer für dumm verkaufen zu lassen, kommt nicht gut. Damit wird man nicht zum "Schriftsteller", sondern outet sich als rassistischer Schwätzer.

Wenn @ali Noten geben würde, wäre das hier eine glatte Null.

Heiter

aligaga
 

onivido

Mitglied
Das mit dem Aprilwetter war offensichtlich ein gemeiner Versuch Fremde uber die Vorteile des Muenchner Wetters im Unklaren zu Lassen. Dass ich die steinernen Sitzgelegenheiten nicht als Werke der Steinmetzkunst beschrieben habe, beweist dass ich eben von Kunst keine Ahnung habe. Eine weitere meiner Gemeinheiten ist es, bei den Lesern einen ueberdurchschnittlichen Scharfsinn, oder vielleicht sogar Intuition vorauszusetzen. Dafuer moechte ich mich entschuldigen und obgleich ich schon Besserung gelobt habe, bringe ich es doch nicht so hin, ohne dass ich mich im Nachhinein erklaeren muss.
Also :das Weib von deren Faulheit die beiden Kubanerinen sprechen , ist natuerlich eine Landsfrau. Nie haette ich es gewagt einer Einheimischen Faulheit vorzuwerfen. Schon daraus muss hervorgehen, dass sie Kubanerin sein muss. Ausserdem kann man zu diesem Schluss kommen, wenn man die Eigenschaft der Lateinamerikaner kennt sich im Ausland zusammenzurotten und Wohngelegenheiten zu teilen , auch wenn man sich gegenseitig nicht besonders schaetzt. Ueberdies ist sie die Schwester Yuris. Yuri ist wegen der sowetischen Beeinflussung der Inselbewohner schon zu einem alltaeglichen kubanischen Namen geworden. Das muss natuerlich auch nicht jeder wissen. Dass der Yuri nicht gerade weiss ist, sollte daraus hervorgehen, dass er der Aida vorwirft, sie moechte unbedingt einen Weissen und dass er nicht besonders arbeitswillig ist, ist daraus zu ersehen, dass die Aida ihm erklaert , sie moechte einen Mann der arbeitet, nicht einen den sie ernaehren muesste.
Wenn ich mir nun alle meine Erklaerungen noch einmal ansehe, komme ich zu dem Schluss dem ahnungslosen Leser zuviel abverlangt zu haben. Entschuldigt habe ich mich ja schon.
Zu den Bars in der Schillerstrasse kann Google Klarheit schaffen.
Das Wort Schwaetzer im negativen Sinn , sollte nicht von jedem gebraucht werden. Den Begriff rassistisch in diesem Zusammenhang anzuwenden empfinde ich als unpassendes Geifern.
 

onivido

Mitglied
strahlender Sonnenschein, ein für München untypisches Aprilwetter, hatte Nico ins Freie gelockt. Er folgte dem Touristenstrom von der Stadtmitte zum Karlsplatz. Der Brunnen sprühte noch kein Wasser, aber das störte die Besucher nicht. Sie fotografierten emsig, sich selbst, ihre Freunde, Fremde und den trockenen Brunnen, der von felsbrockenartigen Steinen gesäumt ist, die von den Passanten gerne als Sitzgelegenheiten benutzt werden. Auch Nico setzte sich auf einen der Steine, genoss den sonnigen Morgen in multinationaler Gesellschaft, versuchte seine Scheidung zu vergessen und sann darüber nach, warum dieser Platz einen Doppelnamen hatte. Karlsplatz – Stachus. Woher kam dieser Name? Stachus? Was bedeutete er? Die Münchner fanden auf diese banale Frage keine Antwort, aber ein norddeutscher “Zuagroaster “– Zugereister - hatte etwas von einer Gastwirtschaft mit diesem Namen erzählt, die in früheren Zeiten hier gestanden haben soll.
Von diesen tiefsinnigen Gedanken wurde er abgelenkt, als sich zwei junge Frauen näherten. Beide pechschwarz, jedoch offensichtlich keine Fremden. Sie gönnten den Touristen, die sich gegenseitig verstohlen abschätzten, keinen Blick. Weder der Justizpalast, noch die Tauben, die ihn mit ihren Exkrementen verzierten, erweckten ihre Aufmerksamkeit. Sie zogen keine Stadtkarten zu Rate, bestaunten nicht das Karlstor.
Einwanderer aus Afrika urteilte Nico. Zügig gingen die beiden auf zwei freie Steine zu, die in einem Schritt Abstand vor Nicos Sitz noch ihrer Besetzer harrten.
Sie setzten sich, mit dem Rücken zu Nico, ohne ihn zu beachten, ein Verhalten, das dessen sehr gesundem Selbstvertrauen einen Stoss gab. Mehr noch verwunderte es ihn, als die beiden zu sprechen begannen, in seiner Muttersprache, mit waschechtem kubanischen Akzent und der dazu gehörigen Lautstärcke.
“…. esta caraja -dieses Weib - ist stinkfaul. Nie putzt sie die Küche und wenn sie mal so tut als ob, wischt sie nur mal so mit einem Lappen über den Tisch.“
“Mehr kannst du ja auch nicht verlangen von ihr, bei dieser Mutter. Niemand in der Familie weiss, was arbeiten heisst.Sogar die Unidad Femenina Revolucionaria de Cuba soll sie ausgestossen haben.”
“Ja, ihr Bruder geht mir auch auf die Nerven. Ich will nichts mit ihm zu tun haben.”
“Das kann Yury bestimmt nicht fassen. Er glaubt alle Frauen müssten ihm zu Füssen liegen.”
“Man muss sehr deutlich werden bei ihm. Weisst du was er zu mir sagte, neulich, als ich ihn abblitzen liess?”
“Wahrscheinlich, dass du froh sein solltest, wenn er sich überhaupt mit dir abgibt.”
“Nein, er meinte, ich wollte unbedingt einen Weissen.”
“Weisst du was”, habe ich gesagt, “ich will einen Mann, der arbeitet, nicht einen, den ich ernähren muss.”
“Und du glaubst, ein solcher Mann sucht ausgerechnet eine Barfrau aus der Schillerstrasse und ausserdem noch eine so schwarze, wie du es bist”, - hat er mich verspottet.
“Glaubst du, ich will immer in einer Bar arbeiten. Ich möchte eine Familie haben, kinder von meinem Mann bekommen”, - habe ich ihm geantwortet. Er hat mich ausgelacht.
“Du dumme Gans, Deutsche wollen keine Kinder.”
“Deutsche Frauen wollen keine kinder, die Männer schon!”
” Na ja, Aida, ich glaube da hat Yury recht. Deutsche wollen keine Kinder”, meinte die Freundin.
“Quatsch, Yesaida! Also gut, ich kann es einfach nicht mehr für mich behalten. Im Supermarkt habe ich einen Mann kennen gelernt. Leider ist er verheiratet, aber er will sich scheiden lassen, eben weil seine Frau keine Kinder will.”
“Mujer, das hat er dir alles im Supermarkt erzählt? Hör auf, Aida, du bist doch schon zu alt, um solche Märchen zu glauben!”
“Natürlich nicht im Supermarkt. Beim Baden im Nordbad - eigentlich nach dem Baden - bueno chama, du weisst schon.”
“Caray muchacha, und das erzählst du mir erst jetzt. Hat er einen deutschen Pass?”
“Er ist ein richtiger Deutscher, ein ehrlicher Mann. Rolf Braunsteiger heisst er.”
Nico hatte genug gehört. Er blickte auf seinen Handrücken. Ganz weiss war seine Haut nicht, aber er war ein Mann der arbeitete.
“Jeden Tag eine gute Tat”, so sein Motto.
Am Abend würde er die Bars der Schillerstrasse abklappern, Aida finden und sie darüber aufklären, dass nicht jeder deutsche Mann ein ehrlicher Mann ist und wer weiss, immerhin war er ein Mann der arbeitete.
 

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