Besser haben

Anders Tell

Mitglied
Besser haben

Ihr sollt es einmal besser haben.
Wir haben es besser gehabt.
Wir hatten so viel mehr vom Haben
als Ihr es je gewagt.

Eure Angst vor Mangel, Ihr ließt nichts verkommen.
Wir haben uns dafür alles genommen.
Mutter weckte Bohnen ein, Vater setzte Stein auf Stein.
Ärmlich’ Häuschen — quälende Enge.

Wie alles klappt — vor und zurück,
zeigt uns doch die Traumfabrik.
Mit einem Klick zum Sonnenstrand,
Karte gesperrt und Haut verbrannt.

Ihr wart in Bayern, Jahr für Jahr im selben Revier,
Heimat, Schunkeln Flaschenbier.
Tag für Tag durchs Stiefelland,
Lebersemmel auf die Hand.

Ihr zupftet Unkraut zwischen den Reihen,
leicht gebückt, nicht zu entzweien.
Wie Vater auf den Käfer sparte;
das geht doch mit der Leasingrate.

Plötzlich kommt die Plage ins Land.
Masken starren, starr gebannt.
Job verloren, Taschen leer.
Haben — ja, das geht nicht mehr.

Aber es geht uns doch noch gut,
wenn Politik das Richtige tut.
Wie konnte all' dies nur geschehen?
Wenn nur die Spiele weitergeh’n!

Ihr sitzt wie immer sonntäglich
am festlich weiß gedeckten Tisch.
Ihr kommt zurecht und über die Runden,
habt schon so vieles überwunden.
 

wiesner

Mitglied
feste Form ... welche?

das Hebungsschema geht oft durcheinander
in der ersten Strophe reimt sich Haben auf haben, in der zweiten Enge auf Stein - nichts gegen Freiheiten beim Dichten, doch in einer festen Form müssen die Vorgaben sicher durchgehalten werden

Gruß
Béla
 



 
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