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Bewegung muss sein

Arianne

Mitglied
Bewegung muss sein



Quietschfidel zog ich einige Runden um Häuserblöcke, obwohl Regen eingesetzt hatte.
Ich bin kein Einzelfall. Nicht nur nach mir schlagen die Tropfen, laufen über meine Brille und suchen vom Nackenhaar
Zugang über das Genick zu meinen Körper, laufen den Rücken hinab.
Wenn mich die Berührung auch etwas gütig stimmt, mir schmeichelt – ich könnte mich als Auserwählter fühlen –
so will ich diese Feuchtigkeit doch nicht ertragen.
Ich will sie nicht die Wirbelsäule hinunter bis zum Bund meiner Unterhose laufen lassen.
Aber mein Hemd ist bereits so durchnässt, obwohl es mir gehört, Eigentum von mir ist,
scheint es nicht solidarisch genug mit mir zu sein, um das zu verhindern.

Wozu habe ich einen Schal, den ich um den Hals binden kann, ganz enge? Er löst sich immer wieder,
also mache ich einen guten gordischen Knoten, straff und fest, wie ich es in bei einem Jugendverein gelernt habe.
Welcher es war, weiß ich nicht mehr. Wichtig ist, er löst sich nicht und schützt vor dem zu einem strömenden Fluss
angeschwollenen Regenguss, der an Stärke zugenommen hat.

Durch die Brille kann ich nichts mehr sehen; ich stecke sie in eine Öffnung der Jacke und tappe im Dunkeln dahin.
Eine Hupe erschreckt mich, färbige Schlieren sehe ich an mir vorbeiziehen. Bums! Ich lief gegen eine Laterne,
gegen die der Sturm peitscht. Benommen konnte ich die Baustelle erkennen, dessen Sicherheitsumzäunung hinweggefegt war.

Endlos schien mir das Schlittern beim Hinabrutschen in das beachtlich große Wasserloch, das sich gebildet hatte.
Stehen konnte ich nicht mehr, sehen auch kaum noch etwas. Ich bemühte mich, meine Schuhe abzustreifen, was mir auch gelang.
Der Erfolg war gering, lange würde ich mich nicht mehr über Wasser halten können. Meine Rufe wurden zu einem gurgelnden Geräusch.
Vorbeifahrende Autos schwappten lehmige Brühe über mich und Pflastersteine rutschten nach.

Aber mein Kopf war noch frei, wenn ich auch mit meinen Händen nichts als Wasser zu fassen bekam und die Jacke zentnerschwer an mir zog.
Kritisch wurde es, als ich in diesem wassergefüllten Loch, das voller Eisenträger und Stahlseilen war, auch Rohre ertastete.
Eines hatte mich seitlich geschrammt und meine Jacke an der Schulter durchbohrt. Regelrecht aufgespießt war ich.
Verdammt, irgendwer sollte mich doch hören. Immer wieder wartete ich, bis mein Kopf aus dem schlammigen Wasser auftauchte,
dann schrie ich. Kläglich muss sich das angehört haben neben dem Verkehrslärm und quietschenden Bremsen.

Die gute Stadtverwaltung, auf die ist doch immer Verlass. Einer dürfte so klug gewesen sein, sie zu alarmieren,
weil dieses Loch doch eine gewaltige Gefahrenquelle darstellte. Ich hörte sie schon herannahmen, vermutete zumindest,
dass sie es waren, wer hätte sonst so einen höllischen Lärm machen können als der Dieselmotor ihres Einsatzfahrzeuges?
Ich konnte noch erkennen, wie sich die Baggerschaufel hob - da werde ich wohl gleich befreit sein aus meiner misslichen Lage - so dachte ich.

„Zuschütten!“ Das war der Ruf, den ich vernahm. Steine, Sand, Erdreich, alles kam tonnenweise herunter, genau auf mich.
Aber irgendein schlauer Kopf muss doch mitgedacht haben oder einen Haarschopf von mir erblickt haben,
denn wie hätten sie mich dann rausbekommen.

- Fein säuberlich lag ich auf einem flachen Tisch. Jemand diktierte:
„... und unzählige Schrammen nebst Wasser in den Lungen.
Würgemerkmale am Hals. Eine Fremdbeteiligung kann nicht ausgeschlossen werden.
Der Jugendliche war mit einer zerschlissenen Jacke bekleidet und offensichtlich mit seinem eigenen Schal stranguliert worden.
Warum er ohne Schuhe zu dieser Jahreszeit unterwegs war, ist ungeklärt. Es kann vermutet werden, dass der Auffindungsort nicht der Tatort ist.
Nach Feststellung seiner Identität werden die Angehörigen benachrichtigt.“
 


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