Biene Molly

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annali

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Die Biene Molly

An einem warmen Sommertag surrte Biene Molly am frühen Morgen fröhlich über eine wunderschöne blühende Wiese. Eine Trompetenblume hatte es ihr besonders angetan.Voller Erwartung auf leckeren süßen Blütennektar steuerte sie diese an und verschwand eilig in der Blüte. Doch dort wurde sie gar nicht mit Begeisterung empfangen, sondern stieß unsanft gegen einen harten Gegenstand, der auch sofort anfing rebellisch zu stoßen und zu schubsen. Bevor Molly richtig überlegen konnte, was mit ihr geschah, landete sie unsanft auf der noch feuchten Wiese. " He du dumme, blinde Hummel, kannst du nicht aufpassen? Siehst du nicht, dass diese wunderschöne Blume schon einen Bewohner hat?" Hört Molly von oben eine schrille Stimme ertönen. Wild gebärdend sah sie eine hässliche Hornisse aus der Trompetenblume fliegen. Biene Molly rappelte sich hoch, richtete sich in voller Größe auf und erwiderte:" 1. bin ich keine blinde, dumme Hummel und 2. könntest du ja ein Schild mit der Aufschrift >Betreten verboten, da schon bewohnt< an die Blume heften. Denn die Kunst durch Blumen hindurchzusehen, ist ja nun mal nicht jedermanns Sache.Also reg dich nicht so auf. Du hast ja deinen Teil Blütenstaub bereits gut auf deinem Rücken verteilt, wie man sieht."
Die Hornisse sah Molly ganz verblüfft an. So eine Reaktion hatte sie nicht erwartet. Eher hatte sie sich vorgestellt, Molly würde ängstlich im Gras kauern oder sich schnellstens aus dem Staub machen. Da aber heute so ein ausgesprochen schöner Sommertag war, flog die Hornisse ohne einen weiteren Kommentar abzugeben davon und widmete sich den anderen verlockend duftenden Blumen.

Biene Molly sah ihr noch eine Weile nach, doch da sie noch immer einen riesigen Hunger verspürte, suchte sie sich eine neue Blüte, von denen ja zurzeit sehr viele und zudem auch besonders schöne und extrem gut riechende vorhanden waren. Diesmal war sie allerdings etwas vorsichtiger und flog erst einmal bis an den Rand der Blüte, um das Innere zu erforschen. Gottlob war diese noch nicht besetzt, und es sah auch so aus, als ob noch niemand diesen wunderbaren Blütenstaub hatte haben wollen. Sodann ließ sie sich geschickt in die Blüte gleiten und wollte sich gerade genüsslich an dem leckeren Blütenstaub ergötzen, als ein dunkler bedrohlicher Schatten über sie hinwegzog und die Sonne verdunkelte. Erschrocken hielt Molly in ihrem Saugeifer inne und spähte nach oben, konnte jedoch nichts entdecken. Lautlos setzte sie ihre Flügel in Bewegung und lugte vorsichtig über den Rand der Blüte in die Höhe. Der bedrohliche Schatten kam wieder näher, huschte jedoch hinter einen hohen Strauch, der sich vor der Blume befand. Molly bekam tüchtiges Herzklopfen und wusste nicht, was sie tun sollte. Es gingen ihr so viele Gedanken in dieser kurzen Zeit durch den Kopf, dass sie immer unruhiger wurde. "Wer war das nur? War das wieder diese gefährlich aussehende Hornisse von vorhin? Oder eine dicke Hummel, die genauso gerne wie sie selbst Blütenstaub wollte? Was mach ich nur?" dachte Molly. "Soll ich mich stark stellen und diese Blüte verteidigen, oder soll ich lieber versuchen so schnell wie möglich weg zu fliegen? Stark, im Sinne von mutig, war ich eben ja schon.“ Sie entschloss sich fürs Letztere, denn Molly war keine streitsüchtige Biene. " Soll derjenige sich ruhig an dieser Blüte erquicken. Die Wiese ist ja voll von so vielen Köstlichkeiten, dass es eine Schande wäre, sich wegen einer einzelnen Blüte zu streiten, wenn nicht sogar handgreiflich zu werden.“ So setzte sie ihren Flug fort und ließ sich auf einer anderen wohlriechenden, mit Blütenstaub getränkten Blüte nieder. Doch bevor sie in diese reinschlüpfte, schaute sie noch mal zu der anderen Blüte hin. Neugierig war sie ja doch, und sie wollte gerne wissen, wer denn nun dieser bedrohliche Schatten gewesen ist.

Als sie sah, wer sich dahinter verbarg, musste sie jedoch über sich selber lachen. Ein wunderschöner Schmetterling saß dort und ließ freudig erregt seine in der Sonne leuchtenden, zitronengelben Flügel schwingen. Man sollte wirklich nicht immer direkt an etwas Böses denken, dachte Molly. Jedoch, Vorsicht ist besser als Nachsicht. Beruhigt und beschwingt rutschte sie nun den Blütenkelch hinunter und ließ sich endlich den ersehnten Blütenstaub schmecken. Zwischendurch trillerte und summte sie ein fröhliches Sommerlied und viele andere Insekten und Vögel stimmten mit ein. Ein wirklich schöner und friedvoller Sommertag erwachte auf dieser blühenden Wiese.
 

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