Bildnis einer Toten

Das Bildnis einer Toten


Vincent Carcaras war früher ein begnadeter Künstler gewesen, doch dann war er schwer krank geworden. Seine junge Frau Britta hatte sich zwei Jahre lang noch um ihn gekümmert, doch wurde ihr die Pflege des kranken Mannes lästig. Vor fast drei Jahren hatte sie ihm den Rücken gekehrt, um mit einem heißblütigen und auch deutlich jüngeren Spanier durch die Welt zu reisen.
Sein einziger Lichtblick war seit beinahe zwei Jahren die junge Ariana. Sie hatte ihn wieder zur Malerei animiert, verdiente sich ein wenig Geld als Taxifahrerin.

Dann stand plötzlich Britta vor der Tür. Vincents Begrüßung fiel nicht gerade freundlich aus. „Britta, du wagst dich wieder her? Was willst du?“
„Ich wollte nicht zurückkommen, keine Sorge. Aber Carlos ist tot. Er ist bei einem Stierkampf getötet worden.“
„Ja, ja, so sind die jungen Spanier. Leichtsinnig und unvernünftig“, lästerte er. „Und jetzt?“
„Ich wollte nur sehen, wie es dir geht.“
„Mir geht es gut. Aber das ist dir doch sicher egal. Was kann ein fast Sechzigjähriger dir schon bieten? Aber ich werde gewiss nicht meinen Hochmut bei einem Stierkampf beweisen. Das ist schiere Dummheit!“ Die Schadenfreude in Vincents Stimme war deutlich zu erkennen.
„Jetzt sei still!“, rief sie wütend. „Dann gehe ich eben wieder. Ich hätte es wissen müssen. Du bist und bleibst ein grober Klotz.“
„Den du vor zwölf Jahren heiß und innig geliebt hast.“ Als sie gehen wollte, stellte er sich ihr in den Weg.
„Was?“
„Zieh dich aus. Ich möchte dich malen. So wie damals.“
„Um Himmels Willen. Ich ahne schon, wo das dann wieder hinführt.“
„Damals hast du es geliebt“, schmunzelte er. Dann legte er den Kittel ab, unter dem auch er nackt war. „Ich helfe dir gerne bei deinem Kleid.“
„Finger weg!“ Britta war wütend, aber sie tat ihm doch den Gefallen und entblößte sich vollständig.
„Noch immer so prächtig in Form wie damals. Alle Achtung.“ Er stichelte ganz bewusst.
„Sei still. Tue deine Arbeit, dann bist du mich wieder los“, antwortete sie kalt.
„Ach, wo willst du denn hin? Dir ein neues Jüngelchen suchen, das deine Gier befriedigt?“
„Jetzt reicht es, Vince!“
Still vergnügt arbeitete der Mann an seinem Werk. Eine Stunde war im Flug vergangen.
Britta wurde ungeduldig. „Bist du bald fertig?“
„Eine Minute, mein Schatz.“ Er betonte es so übertrieben, dass sie seinen Sarkasmus kaum überhören konnte.
Da kam Ariana herein. „Oh, Vincent. Wer ist denn diese Dame?“
„Oh, ja, Ariana, mein Engel. Das ist Britta, meine abtrünnige Frau.“ Seine Stimme versprühte Zynismus.
„Tag, Schätzchen“, sprach auch Britta mit scharfer Zunge. „Habe deine Bilder schon gesehen. Welche Rolle spielst du in seinem Leben, Kindchen?“
„Sie lebt bei mir. Sie war da, als ich jemanden brauchte.“ Auch diesmal galt der Vorwurf seiner Gemahlin.
„Dieses Engelchen kann jeden haben. Warum dich?“, stichelte Britta weiter.
„Weil er ein guter Mensch ist“, antwortete Ariana.
Britta verdrehte die Augen. „Du kennst ihn nicht, Kleines.“
„So, fertig. Komm her, sieh dich an. Du wirst glauben, du schaust in den Spiegel!“, rief Vincent.
„Ich weiß, Vince. Malen kannst du. Oh, ja, ist sehr schön geworden.“ Sie schenkte dem Gemälde nur einen kurzen Blick. „Dann will ich mal nicht länger stören. Ich gehe wieder.“
„Das musst du nicht. Bleib ruhig über Nacht. Es soll dein Schaden nicht sein.“
„Ach, nein. Ich will euer trautes Glück nicht stören. Ich fliege übermorgen wieder nach Barcelona. Oder vielleicht auch nach Rio ...“, sagte sie und lachte.
„Du bleibst!“, bestimmte Vincent.
Britta lenkte ein. Trotzdem stritten die beiden sich immer wieder und machten aus der inzwischen erwachsenen Abneigung zueinander keinen Hehl mehr. Ariana beobachtete das alles mit einem vergnügten Schmunzeln. Trotz der scharfen Spitzen, die Brittas Eifersucht erkennen ließen, nahm die junge Frau der älteren das nicht krumm. Sie bot sogar an, Vincents Gattin zum Flughafen zu fahren, wenn es gewünscht würde.

Beim gemeinsamen Frühstück erzählte Ariana noch von einem netten jungen Mann, den sie regelmäßig mit dem Taxi beförderte.
„Der will was von dir, Süße. Vincent, da ist ein Konkurrent, der dir die Kleine ausspannen will“, meinte Britta.
„Das ist allein ihre Entscheidung. Wenn sie jemanden findet, den sie aufrichtig liebt, dann werde ich sie nicht halten. Das weiß Ariana, nicht wahr, mein Engel?“ Zärtlich nahm er die junge Frau in den Arm und küsste sie sinnlich auf den Mund. Dann stichelte er weiter gegen Britta: „Wie lange wolltest du mir noch auf die Nerven gehen?“
Sie schaute ihn heuchlerisch an. „Immerhin bin ich deine Ehefrau.“
„Die vor drei Jahren mit mir gebrochen hatte und jetzt urplötzlich wieder angekrochen kommt. Was willst du?“
„Mittwoch bist du mich wieder los“, blaffte sie zurück. „Schätzchen, steht dein Angebot noch, mich zum Flughafen zu fahren?“, fragte sie Ariana.
„Sicher. Wann?“
„So gegen zwölf, ein Uhr am Mittwoch.“
„Gut, werde ich einplanen. Ich muss jetzt los“, sagte Ariana und verabschiedete sich.
Als sie weg war, fragte Britta: „Willst du sie wirklich gehen lassen, wenn sie jemanden findet?“
„Das habe ich ihr versprochen.“
„Warum?“
„Weil ich sie liebe. Aber davon verstehst du ja schon lange nichts mehr.“
Wutschnaubend verließ Britta das Haus. Du wirst schon sehen, was es dir nützt, dachte sie.

Am Abend offenbarte sich Ariana gegenüber Vincent. „Ich wäre fast mit ihm gegangen, Vincent. Aber er war noch nicht bereit. Er ist etwas schüchtern. Ich mag ihn. Du würdest mir wirklich nicht böse sein, wenn ...“
„Liebste Ariana. Du bist jung, schön und begehrenswert. Ich dagegen alt und müde. Warum sollte ich dich halten, wenn du dein Glück finden solltest? Ich hab es dir versprochen, mein Engel.“
„Oh, Vincent. Du bist der gütigste Mensch, den ich kenne. Ich danke dir für alles.“
„Du hast dein ganzes Leben noch vor dir. Kümmere dich also nicht um mich, wenn es ernst werden sollte. Okay?“
Glücklich fiel sie ihm in die Arme und schmiegte sich fest an ihn. Dann schaute sie ihn an und küsste ihn leidenschaftlich.

Am Mittwoch erzählte Ariana auch Britta noch einmal von ihrem schüchternen Verehrer. „Er ist so süß.“
„Darauf müssen wir trinken, Schätzchen. Der alte Sack wird aber sicher nicht begeistert sein, oder?“
„Nenn ihn doch nicht so! Aber er ließe mich gehen, wenn es wirklich ernst werden sollte. Du hast gehört, was er gesagt hat.“
Britta schenkte zwei Gläser trüben Apfelsaft ein. Ganz unbemerkt ließ sie in eines eine kleine Pille hinein fallen, die sich in Sekunden aufgelöst hatte. Dieses Glas reichte sie dann Ariana. „Prost!“
„Wo willst du jetzt hin?“, fragte Ariana ganz arglos.
„Wieder nach Spanien. Komm, trink noch aus, dann fahren wir.“

Die Fahrt zum Flughafen dauerte etwa eine halbe Stunde. Plötzlich, recht kurz vor dem Ziel im letzten Waldstück vor dem Ende der Landstraße, wurde es Ariana schwindelig. Britta reagierte sofort heuchlerisch. „Was ist los, Kleine? Komm, fahr direkt rechts ran, bevor du noch irgendwo gegen fährst.“
„Mir schnürt total die Kehle zu. Was ist das?“ Ariana keuchte und rang nach Luft.
„Komm, trink noch was. Das wollte ich mir zwar noch mitnehmen, aber dann hole ich mir halt was am Flughafen. Komm, trink!“ Britta reichte ihr die kleine Flasche, die sie ebenfalls präpariert hatte.
Hastig trank die junge Frau. Doch nur Sekunden später brach sie zusammen und wurde ohnmächtig.

Britta fühlte sich sicher. Sie rief den Rettungswagen. Der war in wenigen Minuten da.
„Ihr ist plötzlich schwindelig geworden.“
„Okay, dann nehmen wir sie sofort mit ins Krankenhaus“, versicherte der Sanitäter.
Dann rief Britta Vincent an. „Komm schnell her! Ariana geht es gar nicht gut.“
Trotz aller Bemühungen hatten die Sanitäter bei der Wiederbelebung keinen Erfolg. Kein Puls, keine Herzfrequenz mehr. Nichts. Ariana war tot.

Vincent war in weniger als zwanzig Minuten ebenfalls eingetroffen.
„Oh, mein Gott!“, jammerte Britta theatralisch.
„Was ist los? Britta! Was ist los?“
„Sie ist tot, Vincent“, sagte seine Frau kalt.
„Was? Nein! War auch die Polizei hier?“
„Nein. Warum? Nur der Notarzt. Der hat sie mitgenommen.“
„Du verpasst deinen Flieger, Süße.“
„Wie bitte? Dein Zuckerpüppchen ist gerade dem Sensenmann ins Messer gelaufen, und du willst mich in den Flieger setzen? Hast du sie noch alle?“
„Du hast sie nicht gemocht, nein, schlimmer! Du hast sie gehasst!“
„Fehlt noch, dass du jetzt sagst, ich hätte sie umgebracht!“, rief sie.
Aber die Kälte in ihrer Stimme ließ Vincent genau das vermuten. „Du hast sie umgebracht, Britta. Du hast ...“ Seine Stimme kollabierte. „Du hast es wirklich getan!“
„Wie wolltest du das beweisen? Blödsinn! Ach, mach doch, was du willst. Dann fahr halt nach Hause und heul dich aus. Und ich gehe zu Fuß die paar hundert Meter bis zum Flughafen.“
In Vincent reifte die Vorstellung, dass, wenn Britta Ariana tatsächlich getötet hatte, was sie in seinen Augen nicht vehement genug abstritt, dann würde er nun Britta töten wollen. Sie war seiner ohnehin überdrüssig, genauso wie er sie nicht mehr leiden konnte. Also schmiedete er einen Plan.
Vincent lachte. „Was ist mit deinem Flugticket?“
„Egal. Ist noch Zeit genug. Und Rio kann warten, wenn es sein muss.“
Gut, dachte Vincent.
Beide fuhren wieder in die Stadt und setzten sich zusammen, um zu reden.

„Gib zu, Britta, du hast sie umgebracht.“ Vincent lachte und versuchte es ins Lächerliche zu ziehen.
„Rede keinen Quatsch, Vincent. Traust du mir das wirklich zu?“
„Oh, ja! Du hättest am liebsten alle umgebracht, die in den Jahren unserer Ehe, die vor meiner Krankheit lagen, zu mir gekommen waren, um sich von mir malen zu lassen.“
„Das sagt man halt so leichtfertig, aber das ist doch nur Spaß gewesen.“
„Wie hast du es gemacht? Vergiftet?“
„Jetzt hör aber auf!“ Britta wurde wütend. „Als wenn ich es dir dann sagen würde. Schluss jetzt!“
„Oh, ja, deine Schandtaten hast du ja niemals zugegeben“, stocherte Vincent weiter.
„Die Kleine hatte was. Hast du sie geliebt?“
„Mehr als mich selbst. Sie war da, als ich jemanden brauchte. Schon vergessen?“ Diesen Vorwurf musste sich Britta nun erneut gefallen lassen.
„Tja, so ist das Leben. Wirst dir wohl eine andere suchen müssen.“
„Britta! Du bist abgrundtief boshaft! Ich würde fast drauf wetten, dass du sie umgebracht hast.“
„Reite nur weiter drauf rum. Davon wird sie nicht wieder lebendig“, antwortete sie kaltblütig.
So ging das noch eine Weile weiter. Wie zwei wildgewordene Krähen hackten sie aufeinander herum.

Saskia Huschl von der Mordkommission hatte neben den Habseligkeiten, die Ariana bei sich trug, das Mobiltelefon der Toten auf ihrem Schreibtisch liegen. Sie suchte gerade nach einem Hinweis, wo die junge Frau zuhause war, als es plötzlich klingelte.
Arianas Verehrer hatte sie erneut angerufen, weil er mit ihr verabredet war.
Statt Ariana meldete sich die Polizistin. „Hier ist die Polizei. Und mit wem habe ich es zu tun?“
„Polizei? Was ist denn mit Ariana?“
„Ihren Namen bitte“, forderte die Polizistin.
„Ich komme zu ihnen. Detlef Teufel heiße ich. Ich komme jetzt zu ihnen.“

Detlef eilte zur Polizeiwache und fragte nach Frau Huschl. Ihr erzählte er freimütig, wie er Ariana kennen gelernt hatte, und dass er sehr in sie verliebt sei. Da sie nicht zu der heutigen Verabredung gekommen war, machte er sich nun Sorgen, erklärte er.
„Was wissen Sie sonst über diese Frau, Herr Teufel?“
„Sie hat mir von einem Mann erzählt, der sie gemalt hat. Dort wohnte sie wohl. Vincent oder so hieß der, glaube ich.“
„Vincent … Und weiter? Gut“, meinte Saskia, weil Detlef den Kopf schüttelte. „Wir werden diesen Maler ausfindig machen. Wird aber vielleicht bis morgen dauern.“
„Ich möchte diesen Mann kennenlernen.“
„Wir werden uns bei ihnen melden, Herr Teufel, ja?“
„Was ist denn mit Ariana?“
„Das können wir ihnen jetzt noch nicht sagen. Sie sind kein Familienangehöriger.“
„Ist etwas passiert?“ Detlef drängte weiter. „Was ist mit ihr? Sie sagte mir, sie hätte keine Familie mehr.“
„Gehen Sie bitte nach Hause. Ich melde mich bei ihnen.“
Detlef fragte sich, was geschehen sein könne. Er hatte Angst. Angst, dass etwas Furchtbares passiert sein könnte. Fertig mit sich und der Welt schlich Detlef nach Hause. Dort warf er sich auf sein Bett, verbarg sein Gesicht in den Kissen und heulte bitterlich.

Am nächsten Tag hatten sie Vincent Carcaras gefunden. Er lebte in einem kleinen Hinterhaus an Rande der Innenstadt.
Die Tür war nur angelehnt. Deshalb hatte er bemerkt, dass jemand dort war. „Kommen Sie herein, wer immer es auch ist!“, rief er.
„Wir haben möglicherweise schlechte Nachricht, Herr Carcaras“, sprach Saskia ihn behutsam an.
Der Künstler stand vor einer Staffelei, aber er war nicht zu sehen. „Kommen Sie lieber nicht näher, junge Frau. Ich bin nackt. Dann kann ich am besten arbeiten. Das Werk ist fast vollendet, dann kann ich es ihnen zeigen.“
„Wollen Sie nicht wissen, was wir ihnen zu sagen haben?“, hakte Saskia nach.
„Ariana ist tot. Und ich bin sicher, Britta hat sie umgebracht!“, rief er.
„Wer ist Britta?“
„Meine Frau! Aber sie zog es vor, wieder irgendwo nach Spanien oder sonst wohin zu verschwinden. Ariana hatte sie zum Flughafen gefahren und ist nicht zurück gekommen.“
„Und da haben Sie nicht die Polizei gerufen?“
Vincent zog sich einen weiten Kittel über und trat hervor. Dann sah er Saskia prüfend an. „Oh, meine Liebe, Sie würden gewiss auch ein ganz wundervolles Modell abgeben.“
Das lehnte sie brüsk ab. „Das ist ganz sicher nicht meine Absicht. Wann haben Sie Ariana das letzte Mal gesehen?“
„Gestern Mittag, als die beiden zum Flughafen los sind. Jetzt weiß ich, dass ich es hätte verhindern sollen.“
„Wer hat ihnen denn gesagt, dass sie tot ist?“
„Niemand. Ich weiß es einfach. Ich habe mich in meinen stillen Raum zurück gezogen und habe meditiert. Und gestern Abend kam ich heraus und habe dieses Bild begonnen. Hier, sehen Sie nur. Das war Ariana.“ Er präsentierte stolz den Akt, den er diesmal frei aus dem Gedächtnis gemalt hatte.
Achim, der Kollege, der Saskia begleitete, bekam große Augen. „Wow! Das ist Ariana? Das ist ein schwerer Verlust.“
Saskia hatte seinen Blick beobachtet, der hemmungslos über die prächtige Figur der Dame schweifte. Sie gab ihm einen sanften Klaps auf den Hinterkopf. „Aufwachen!“
Achim sah sie verstört an, musste dann aber auch schmunzeln.
„Es besteht natürlich immer noch die Möglichkeit, dass sie mit diesem jungen Mann zusammen ist, von dem sie mir am Abend vorher erzählt hatte, von dem sie schon seit Tagen erzählte“, sinnierte Vincent.
Achim schaute Saskia an und schüttelte den Kopf. Das verraten wir ihm mal besser noch nicht, dachte er.
„Vielen Dank, Herr Carcaras. Wir melden uns, wenn wir neue Informationen haben.“

„Weiß er es schon, oder spekuliert er doch nur?“
„Saskia, er hat dieses letzte Bild aus dem Gedächtnis gemalt. Er hat sie geliebt.“
„Das hat dir gefallen, was?“, stichelte sie.
Achim lachte nur, wurde dann wieder dienstlich. „Warum haben wir jetzt abgebrochen?“
„Weil ich das Gefühl habe, dass er uns etwas verheimlicht. Er wirkte so gelassen. Lassen wir ihm die Hoffnung, dass sie mit dem jungen Mann zusammen ist, wie er glaubte.“

Saskia und Achim fuhren in die Gerichtsmedizin, um den Kollegen nach der Todesursache zu fragen.
„Was ich mit Gewissheit sagen kann, ist, dass sie vergiftet wurde. Dazu noch ein ganz besonders gemeines Gift. Die erste Verabreichung verursacht noch keine irreparablen Schäden, aber sobald die Substanz ein zweites Mal in den Körper gelangt und auf die vorhandenen Moleküle trifft, explodiert es regelrecht. Der Tod tritt dann innerhalb von wenigen Minuten ein“, erklärte Dietrich Brong.
„Dann fahren wir jetzt zum Herrn Teufel. Den nehmen wir mit zu unserem Künstler“, schlug Achim vor.

Kurze Zeit später waren sie bei Detlef.
„Wenn Sie immer noch wollen, hätten Sie jetzt die Gelegenheit, den Herrn kennenzulernen“, meinte Saskia.
„Sie haben ihn schon besucht? Was ist er für ein Mensch?“
„Wie Künstler halt so sind. Eigen. Sehr eigen ...“
Zehn Minuten später waren sie da.
„Herr Carcaras!“, rief Achim hinein.
Aus einem geschlossenen Raum erklang seine Stimme: „Ich bin gleich bei ihnen!“
Detlef schaute sich in dem Atelier um, sah die vielen Bilder nackter Frauen. Und dann erblickte er eines von Ariana. Sofort trat er näher heran.
„Herr Teufel“, mahnte Achim.
„Das ist Ariana. Ich muss dieses Bild haben. Ich muss es haben!“
„Entschuldigen Sie. Ich musste mir noch etwas anziehen. Sie wissen ja ...“ Mit diesen Worten kam Vincent aus dem Raum heraus und schloss die Tür eilig hinter sich. „Was kann ich für Sie tun?“
„Ariana ist tot. Sie ist vergiftet worden“, erklärte Saskia.
„Britta! Du elende Hure! Ich habe es gewusst. Der Teufel soll dich holen!“, wütete er. Doch dann war er sofort wieder ruhig. „Wer ist der junge Mann denn? Ist das der, von dem sie so verzückt geschwärmt hatte?“
Er stellte sich selbst vor: „Detlef Teufel.“ Doch dann brach er sofort wieder in Tränen aus, als ihm gewahr wurde, was Vincent da gerade gesagt hatte.
Vincent begann lauthals zu lachen. „Oh, entschuldigen Sie, junger Mann. Sie heißen Teufel? Nichts für ungut. Selbst der Leibhaftige hätte keine Chance gegen Britta. Sie würde dich in Stücke reißen, Junge.“
Saskia begann die Befragung. „Haben Sie denn eine Ahnung, wo ihre Frau jetzt ist?“
„Wenn ich das wüsste, würde sie nicht mehr leben. Das schwöre ich ihnen. Sie hat das göttlichste Geschöpf auf Erden aus dem Leben gerissen!“ Er zeigte auf ein Bild seiner Frau. „Da! Das ist der Satansbraten mit Namen Britta!“
Saskia war neugierig und zeigte auf die Tür, die Vincent so eilig wieder geschlossen hatte. „Was ist in diesem Raum?“
„Oh, das ist mein stiller Raum. Da entsteht gerade etwas Neues. Ein Experiment, wenn Sie so wollen. Ich kann nicht erlauben, dass es jemand sieht, bevor es fertig ist. Bitte“, flehte er um Verständnis.
„Okay, vielen Dank, Herr Carcaras. Wir werden eine Fahndung nach ihrer Gemahlin herausgeben. Wenn wir sie gefunden haben, werden wir uns melden. Ist das in Ordnung?“
Erneut versuchte er Saskia zu schmeicheln. „Ja, junge Frau. Und Sie würden wirklich ein vorzügliches Modell abgeben.“
„Ich bin nicht interessiert, okay?“
„Zu schade ... Dann beehren Sie mich bald wieder. Hoffentlich mit guten Nachrichten.“

Detlef war beeindruckt. „Künstler sind verrückte Leute. Ich habe mir alle Bilder angesehen. Das waren alles wunderschöne Frauen. Was hat dieser Mann, dass die sich alle für ihn ausziehen?“
„Oh, lieber Herr Teufel. Sie sind noch jung und kennen diese Geheimnisse offenbar noch nicht. Wenn man sich aber diese Fragen stellt, dann erkennt man, dass man es vermutlich auch niemals erfahren wird, warum diese Dinge eben geschehen“, meinte Achim süffisant.
„Wir haben ein bisschen Arbeit vor uns, Achim. Wir können jetzt noch zum Flughafen fahren, um zu erfahren, wohin die gute Britta denn geflogen sein mag.“
„Dann auf Wiedersehen“, meinte Detlef. „Ich gehe zu Fuß. Ich muss nachdenken und wieder zur Ruhe kommen. Ich bin fassungslos. Er hatte wirklich gesagt, Ariana hätte von mir geschwärmt?“
„Das hat er. Behalten Sie sich also diese süße Erinnerung und gedenken ihrer in Hochachtung“, meinte Saskia.
„Oh, das werde ich. Vielen Dank und auf Wiedersehen.“

Stumm fuhren sie eine Weile. Dann durchbrach Saskia die Stille. „Armer Tropf. Er hat sie abgöttisch geliebt, er hat sie verehrt und begehrt. Aber er durfte sie nicht bekommen. Wenn Carcaras das aber wusste, hätte er dann nicht auch ein Motiv?“
„Vielleicht. Aber warum sollte er seine Muse dafür töten? Er konnte jede haben. Das haben wir anhand der Bilder anschaulich erkennen müssen. Dutzende sehr gutaussehender Frauen, die er bestimmt nicht nur gemalt hat.“
„Lass uns diesen Gedanken nicht verlieren. Vielleicht ist er der Schlüssel. Und dir dürfte es doch nicht schwer fallen, an diese herrlichen Bilder zu denken, nicht wahr?“, stichelte Saskia.
„Danke schön“, klagte er. „Aber sag mal, wie meinte er das jetzt, als er sagte 'hoffentlich mit guten Nachrichten'? Was wäre für ihn eine gute Nachricht?“
Und Saskia war sicher: „Ganz gewiss die Bestätigung, dass seine Frau tot ist.“

Oberkommissarin Sabrina Nolte erkundigte sich: „Was könnt ihr mir berichten?“
„Nun, diese junge Frau Ariana, Familienname unbekannt, ist vergiftet worden. Die vom … Ja, vom Liebhaber würde ich sagen ... Die von ihm Verdächtigte, nämlich seine Ehefrau, ist nicht aufzufinden. Sie ist wohl am Mittwoch in den Flieger nach Rio gestiegen. Aber da müssen noch Nachforschungen betrieben werden, ob das tatsächlich stimmt“, erklärte Saskia.
„Sehr dubios. Und das wird noch ein paar Tage dauern, ja?“
„Ich denke, bis morgen wissen wir das. Alle weiteren Begleitumstände stehen bereits im vorläufigen Bericht“, sagte Achim.
„Versucht die anderen Damen ausfindig zu machen, die ihm Modell gestanden haben. Und beobachtet ihn und auch den Herrn Teufel.“
„Der ist absolut harmlos“, versicherte Saskia. „Er hätte jedes Opfer für diese Frau gebracht.“
„Das ist es, was ihn unberechenbar macht.“

Detlef Teufel suchte am Abend Vincent Carcaras auf.
„Guten Abend, großer Meister. Erzählen Sie mir von Ariana.“
„Oh, du armer Junge. Du bist nicht in den Hochgenuss gekommen, was?“ Vincent fand Worte des Bedauerns, bevor er von seiner Geliebten in den allerhöchsten Tönen schwärmte, dass beiden die Tränen kamen.
„Wollen Sie mir ihre Arbeiten zeigen?“, bat Detlef.
„Sie hat unseren Engel getötet! Sie!“ Vincent zeigte auf ein Bild seiner Frau.
„Dann muss sie doch dafür büßen. Wo ist sie?“
„Junge, sie ist abgehauen. Wie schon einmal vor drei Jahren, als ich schwer krank war, hat sie mich im Stich gelassen. Aber diesmal kommt sie ganz bestimmt nicht zurück!“, sagte er mit beängstigender Deutlichkeit.
„Die Malerei befreit, ja? Sie lässt alles raus. Sie müssen ihre Frau wirklich hassen, wenn sie das getan hat, oder?“, redete Detlef gedankenlos.
„Das ist es! Ich werde ein Bild malen, das meine ganze Verachtung für sie zum Ausdruck bringen wird. Ja, das wird mich befreien!“
Vincent verschwieg, dass er dieses Bild längst in Arbeit hatte. Er hatte gleich am Mittwoch damit begonnen.

Saskia und Achim beobachteten das Haus von Carcaras. „Warum besucht er ihn?“
„Er will ihm bestimmt ein Bild seiner Traumfrau abschwatzen“, meinte Achim.
„Das Bild einer toten Frau? Also, das fände ich ein wenig makaber.“
„Warum? Ich hatte damals auch ein Bild von der nackten Marilyn Monroe in meinem Zimmer hängen. Das habe ich auch erst nach ihrem Tod bekommen.“
„Männer!“
Sie warteten, bis der Besucher weg war. Dann gingen sie selbst hinein.

„Das ist ja wie im Taubenschlag hier“, klagte Vincent. „Ach, die reizende Dame von der Polizei. Wollen Sie sich doch für mich – natürlich im Sinne der Kunst – entblättern?“
„Das würde ihnen gefallen.“
„Oh, ja. Davon bin ich überzeugt.“
„Sie könnten uns helfen, Herr Carcaras. All diese reizenden Damen, die Sie hier portraitiert haben ... Haben Sie noch Kontakt zu ihnen?“
„Diese Bilder sind über einen Zeitraum von fast dreißig Jahren entstanden. Ich fürchte, die ein oder andere lebt inzwischen in einer wohlbehüteten Familie mit Mann und Kindern. Ob diese Jugendsünden da so freimütig eingestanden würden, wage ich zu bezweifeln. Diese hier könnten Sie auch gar nicht mehr fragen.“ Er zeigte auf ein Bild. „Sylvia, meine erste Ehefrau, mit achtunddreißig, drei Monate vor ihrem Krebstod. Das ist siebzehn Jahre her.“
„Dann entschuldigen Sie die Nachfrage. Auf Wiedersehen.“

Am nächsten Tag erhielt Achim einen Anruf von der Fluggesellschaft. Britta Carcaras war nicht in Rio von Bord gegangen. Der Verdacht lag also nahe, dass sie gar nicht geflogen war.
„Was soll das heißen?“, fragte Saskia sofort.
„Dass uns jemand glauben lassen will, sie sei nach Rio geflogen.“
„Wer sollte daran ein Interesse haben?“
„Das ist eine sehr gute Frage ...“

Detlef Teufel besuchte erneut Vincent Carcaras.
„Geschätzter Meister, ich hätte eine unverschämte Bitte.“
„Nur raus damit.“
„Ich hätte gerne ein Bild von Ariana.“
„Such dir eins aus, Junge.“
„Oh, wirklich?“
„Und dann gib mir was dafür.“
„Wie viel?“
„Kein Geld. Ein Versprechen.“
„Ich werde ihrer ehrenvoll gedenken. Das verspreche ich.“
„Nein. Ich habe das andere Bild fertig. Ich zeige es dir. Du wirst schockiert sein, aber sage niemandem etwas davon, hörst du?“
„Sonst bekomme ich kein Bild, ja? Okay, einverstanden.“
Vincent trat an die Staffelei und enthüllte ein erschreckendes Bild. Detlef war in der Tat entsetzt.
„All meinen Hass habe ich in diesem Bild begraben. Wenn mir diese verdammte Hure noch einmal in die Finger kommt, dann wird sie, so wie auf dem Bild, auf Knien um Gnade winseln. Und doch werde ich ihr das Messer gnadenlos in die Brust rammen!“
„Das dürfen Sie nicht tun!“
„Warum nicht? Sag, hätte sie es nicht verdient? Doch! Und nun such dir ein Bild von Ariana und halte dein Versprechen.“
„Ja, Meister.“ Detlef wurde hektisch, zeigte auf ein Bild, das er schon vorher ausgewählt hatte, und rannte damit hinaus.

„Guten Tag, Herr Teufel!“, rief Saskia. Er erschrak und hätte das Bild beinahe fallen gelassen. „Sie haben ihm eins abgeschwatzt?“
„Ja. Ja! Es ist großartig. Ich muss sofort nach Hause und es an die Wand hängen.“
„Tun Sie das.“
Dann stiegen sie aus und gingen selbst hinein. Die Tür war erneut nur angelehnt.
„Herr Carcaras!“, rief Saskia.
„Sie schon wieder! Jetzt müssen Sie sich aber endlich mal entscheiden. Immer wieder kommen Sie her, und dann sagen Sie doch 'nein'.“
„Die Antwort lautet auch heute so.“
Achim rümpfte kritisch die Nase.
„Was ist?“, flüsterte Saskia.
„Blut“, flüsterte er zurück und deutete auf die Richtung.
Dann fiel Saskia das neue Werk auf. „Oh, ein neues Bild!“
„Oh, oh, oh, verzeihen Sie!“ Vincent kam heran gestürmt und wollte es bedecken. „Das hätten Sie nicht sehen müssen.“
„Warum? Mal abgesehen davon, dass es eine sehr brutale Szene zeigt, ist es doch gelungen“, sprach Saskia voller Ironie. „Das ist ihre Frau, nicht wahr?“
„Sie sind immer noch der Überzeugung, dass sie Ariana getötet hat?“, meinte Achim.
„Klar! Und in diesem Bild habe ich all meinen Hass auf sie entladen. Jetzt fühle ich mich besser.“
„Und wenn sie es doch nicht war?“
„Wer denn sonst? Dieser nette junge Mann etwa? Oh, nein. Sie war das! Ich hätte es aus ihr herausgepresst, aber sie hat ja die Flucht ergriffen. Das beweist doch schon alles!“
Dann ließ Achim die Bombe platzen. „Ihre Frau ist nicht in Rio.“
Vincent schaute kein bisschen erschrocken. „Dann ist sie eben woanders“, meinte er lapidar.
„Kann es sein, dass sie gar nicht geflogen ist?“, stocherte Achim weiter.
„Warum denn das?“
Achim hatte sich das neue Bild genauer angesehen. „Das ist Blut.“
„Mein Blut! Ich musste es tun, um meine Seele zu reinigen. Steht irgendwo, dass das verboten ist? Nein!“
„Wo ist denn die Wunde, aus der Sie sich gereinigt haben wollen, wie Sie sagen?“
„Warum interessiert Sie das? Suchen Sie meine Frau. Sie hat Ariana umgebracht! Widerlich vergiftet! Ist es nicht so? Finden Sie dieses Drecksweib!“
„Das werden wir. Auf Wiedersehen, Herr Carcaras!“, betonte Achim sehr deutlich.

„Achim, meinst du, er hat sie schon umgebracht?“
„Dann hätte er es tatsächlich aus ihr heraus gepresst. Aber nicht nur das Geständnis, sondern auch das Blut. Ihr Blut!“
„Oh, du, das ist gruselig. Aber wo hat er die Leiche gelassen?“
„Was ist in diesem Raum, der immer verschlossen ist?“
„So dumm wird er doch nicht sein, oder?“
„Saskia, ich sage dir, der ist mir zu gelassen. Ich habe das Blut gerochen. Und ich wette, es ist nicht seins!“
„Ich schätze, dann müssen wir auch die nächsten vierundzwanzig Stunden hier bleiben, um jede seiner Bewegungen zu überwachen.“

Es passierte in dieser Zeit gar nichts. Auch Detlef Teufel ließ sich nicht mehr sehen.
„Wozu auch? Er hat sein Bild und ist glücklich.“
„Wagen eins an Zentrale“, rief Achim das Revier.
„Achim, was gibt es?“
Achim lachte. „Wir sind müde, brauchen jetzt zwei wache Köpfe. Dann stöbern wir mal richtig. Vergesst den Durchsuchungsbefehl nicht.“
„In einer Stunde sind wir bei euch“, antwortete Sabrina.

Wie verabredet stand Sabrina mit den Kollegen von der Spurensicherung vor dem Haus des Künstlers.
Der wirkte ziemlich erbost. „Was soll denn das werden?“
„Wir würden uns gerne mal ein paar Dinge etwas genauer anschauen“, kündigte Saskia an. Sie lächelte ihn frivol an. „Vielleicht ...“
„Nein!“, unterbrach er sie. „Den Mut haben Sie ja doch nicht!“
Da wurde sie wieder streng. „Okay! Was ist in diesem Raum, der immer verschlossen war, wenn wir Sie besuchten?“
„Das kann ich nicht zulassen. Dort entsteht etwas ... Etwas sehr Spezielles, wissen Sie ...“
„Ich möchte es gerne sehen.“
„Nein, das wollen Sie bestimmt nicht.“
„Schließen Sie selber auf, oder müssen wir gewaltsam rein?“
„Das dürfen Sie nicht tun!“, rief Vincent verzweifelt.
„Wir dürfen, Herr Carcaras“, sagte Sabrina. Sie hielt den Durchsuchungsbefehl in Händen.
Vincent schaute auch Sabrina mit seinen braunen Augen an und sagte: „Okay, wenn ich Sie beide noch malen darf, dann sage ich ihnen alles, was Sie wissen wollen.“
„Ich fürchte, da kommen wir nicht ins Geschäft. Oder würdest du dich für ihn ausziehen, Sabrina?“, sprach Saskia die Kollegin an.
„Den Teufel werde ich!“
„Aufmachen!“, forderte Saskia.
Wie ein geschundener Hund schleppte sich Vincent zur Tür, holte den Schlüssel aus der Tasche und stieß die Tür auf.
In dem kleinen Raum stand in der Mitte auf einem kleinen Podest eine große Tonskulptur. Sie stand genau so da, wir sie auf dem letzten Bild, das Vincent angefertigt hatte, abgebildet war. Britta Carcaras saß auf ihren angewinkelten Beinen auf dem Podest, die Arme nach hinten auf den Boden gestützt, den Kopf weit in den Nacken geworfen. Und ein großes Messer steckte tief in ihrem Herzen. Dieses Messer war nicht aus Ton, es war echt.
Die beiden Männer von der Spurensicherung schauten sich das Modell von allen Seiten genau an. Da erkannten sie zwischen den Beinen der Dame eine Metallstange. Sie war gut verborgen, aber sie war da.
Sabrina war entsetzt. „Sie haben sie auf diese Stange aufgespießt? Sie Barbar!“
„Sie hat davon gewiss nichts mehr gespürt. Aber ich musste den toten Körper doch irgendwie fixieren“, erklärte Vincent mit einer Grabesstimme.
„Und um die Form zu erhalten, mussten Sie dann sehr schnell arbeiten, um die Hülle aus Ton auszuhärten. Ich verstehe schon“, sinnierte Sabrina fassungslos.
„Sie hat den herzlichsten und gütigsten Menschen getötet, den ich je in meinem Leben getroffen hatte. Ich weiß, dass ich Ariana nicht hätte halten können, wenn sie dem jungen Mann so sehr zugetan war, wie sie mir erzählt hatte. Aber ich hätte ihrem Glück gewiss nicht im Wege stehen wollen. Britta war einfach nur eifersüchtig und herzlos.“
„Sie selbst haben am Flughafen eingecheckt, um uns annehmen zu lassen, sie wäre auch geflogen. Statt dessen haben Sie sie sofort am selben Abend getötet“, sagte Achim.
Und Vincent gab dann offen zu: „Sie werden auch im Rücken eine hässliche Wunde von diesem Messer finden, ja. Ich habe mit dem Leben abgeschlossen. Ich werde den Rest meiner Tage im Gefängnis verbringen. Dann soll es eben so sein. Und nun zerstören Sie dieses zweifelhafte Kunstwerk bitte.“
Der Kollege von der Spurensicherung nahm einen Hammer und zerschlug die Tonhülle. Zum Vorschein kam der blasse kalte Leichnam von Britta Carcaras.
 
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Hallo Rainer Zufall

ich habe ca. in der Mitte aufgehört zu lesen, weil es mir zu unübersichtlich wurde und mir auch zu wenig mit einem Krimi zu tun hatte. Die Geschichte hätte interessant werden können, aber dann hast du dich mE total verzettelt. Rhetorische Frage: Warum heißt der Titel "Bildnis einer Toten?" Ich habe keinen Zusammenhang zum Text erkennen können bis dahin, wo ich gelesen habe. Ein Hinweis darauf hätte eher kommen müssen.

Andere Frage: Ist Ariane nicht die aus dem "Liebestaxi?" Greift hier eine Geschichte in eine andere über? Dann müsstest du das irgendwie vermerken, so ist es sehr verwirrend.

LG SilberneDelfine
 
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Hallo SilberneDelfine,
ungefähr nach der Hälfte passiert ein Mord ... Den hast Du dann wohl nicht mehr gelesen :oops:
Und jetzt, wo Du es sagst, fällt es mir auch auf. Ich habe es dem Künstler wohl gleich getan und ein bisschen viel Farbe verteilt. Es zieht sich ein bisschen, sorry. Das ein oder andere hätte nicht so ausführlich sein müssen, manches muss aber sein, um das Ende zu begründen.
Oh, das mit dem vermeintlichen Wiedererkennungswert zum 'Liebestaxi' ist eher Zufall, war auf jeden Fall keine Absicht.
Und zum Titel: Nun, ein Künstler/Maler, eine Tote, ein Bild von ihr ... Mehr kommt, wenn man die ganze Geschichte gelesen hat.
Habe ein wenig Geduld. Ich werde sie überarbeiten, wenn ich die Zeit finde (ist nicht immer so einfach). Sie muss kürzer und straffer werden. Das entnehme ich Deiner Kritik. Ich werde es versuchen.
Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Liebe SilberneDelfine,
jetzt hast Du aber meinen Ehrgeiz gepackt. Ich hatte die letzten zwei Tage tatsächlich Dienste (Ich bin Busfahrer) mit ordentlich Pausenzeiten. Ich habe die Geschichte überarbeitet, ungefähr ein Drittel gekürzt, wo vor allen Dingen aus der ersten Hälfte sehr viel rausgeflogen ist. Ich hoffe, sie lässt sich jetzt ein bisschen besser lesen. Der Mord passiert jetzt schon in ersten Viertel, aber die Vorgeschichte musste halt ein paar Dinge deutlich machen, die wichtig für den weiteren Verlauf sind.
Bitte trau Dich nochmal ran, ja?
Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Lieber Rainer Zufall,

ich habe sie jetzt fast ganz gelesen, bin aber mit dem Handy unterwegs und da ist es ziemlich umständlich, die ganze Geschichte auseinander zu pflücken. Ich mache es am Wochenende.

Nur soviel:
- Es spielen viel zu viele Personen mit für eine Kurzgeschichte
- Sie beginnt wie eine erotische Geschichte und ist leider völlig unglaubwürdig
- Es tauchen Personen auf, die in anderen Geschichten von dir vorkommen - Ariane, Oberkommissarin Sabrina - das verwirrt, jedenfalls mich, auch wenn du gar nicht die gleichen Personen meinst
Usw.....

LG SilberneDelfine
 
Liebe SilberneDelfine,

hmm ... Zu viele Personen? Ich sehe auf der einen Seite das streitsüchtige Ehepaar, das sich nichts mehr zu sagen hat, sich deshalb nach einem neuen Partner umgesehen hatte, sowie eine Nebenfigur, die halt irgendwie dazu kommt und mitschwimmt. Auf der anderen Seite sehe ich das Ermittlerteam, schließlich geht es um einen Mord. Gut, die Sache mit dem Notarzt und auch die mit dem Gerichtsmediziner hätte ich ohne wörtliche Rede einfach erzählen können. Die Krankenhausszene hatte ich ja schon 'entsorgt', weil die in der Tat unglaubwürdig war.
Ist Aktmalerei schon ein Einstieg in eine erotische Geschichte?
Ariana ist nicht die Helena aus dem Liebestaxi. Taxifahrerin war nur passend, weil sonst der Mord nicht funktioniert hätte.
Aber die Sabrina könnte doch wieder dieselbe sein. Warum nicht? Es muss ja deswegen noch keine Serie sein, die fortgeschrieben wird. Aber vielleicht ist das ja ein Plan, über den ich nachdenken sollte ... :)

Ich bin gespannt auf Deine Analyse.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Zu viele Personen?
Mal schauen (in order of appearance :cool:):

Vincent
Britta
Ariana
Saskia Huschel
Detlef Teufel
Achim
Oberkommissarin Sabrina Nolte

Das sind 7 Personen, ich finde, für eine Kurzgeschichte eigentlich zuviel.
Zur Krankenhausszene:

. In der Zwischenzeit hatte der Sanitäter eine Blutabnahme durchgeführt, doch dann brach das komplette Immunsystem zusammen. Kein Puls, keine Herzfrequenz mehr.
ist mir Folgendes aufgefallen:
Keine sehr gute Idee, in dieser Situation eine Blutabnahme durchzuführen, hilft dem Patienten sicher nicht. Die Zeit der Aderlasse ist vorbei :) und außerdem, wozu sollte das überhaupt gut sein? Ich meine, warum sollte ein Sanitäter auf eine solche Idee kommen?

„Das komplette Immunsystem brach zusammen" ist auch falsch ausgedrückt - du meinst, sämtliche Vitalfunktionen brachen zusammen (auch das ist schlecht ausgedrückt, aber kommt dem, was du ausdrücken wolltest, wohl am nächsten).

Ich werde die Geschichte noch Schritt für Schritt durchgehen. Es macht Spaß, wenn jemand so offen für Kritik ist wie du.

LG SilberneDelfine
 
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Hallo SilberneDelfine,

wäre doch schade, wenn man keinen Spaß dabei hätte ... ;)
Das mit den Sanitätern war aber nicht die Krankenhausszene, die ich meinte. Die ist ja schon gar nicht mehr drin. Aber das mit den Sanis habe ich auch ein bisschen geändert.
Das mit der Anzahl der Personen muss schon so sein. Denn es ist immer noch ein Kriminalfall, also Täter, Opfer, ein sonstwie Beteiligter auf der einen, Ermittler auf der anderen Seite. Ich weiß nicht, wie das mit weniger gehen soll. Da sage ich jetzt einfach, die Kritik geht zu weit, okay? :cool:

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Liebe SilberneDelfine,
ha, das ist jetzt aber nett ... :)
Aber: ein Merkmal einer Kurzgeschichte ist, dass sie quasi einen Ausschnitt beschreibt, der offen weitergedacht werden kann. Ich denke, deshalb kann man meine Geschichte nicht als Kurzgeschichte definieren, denn sie hat ein klares Ende, da muss man sich nichts mehr dazu denken. Sie beschreibt einen Kriminalfall, deshalb steht sie auch in der Rubrik Krimi.
Was würde es ändern, wenn ich aus dieser Geschichte einen Mehrteiler mache? Die Personen bleiben doch die selben. Oder meinst Du tatsächlich eine kleine Serie mit dem gleichen Ermittlerteam? Aber selbst dann ist diese Geschichte doch eine abgeschlossene Episode.

Ich bin echt gespannt, wo wir am Ende ankommen. :) Hatte ich schon betont, dass es Spaß macht?
Leider muss ich jetzt zur Arbeit.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Ich denke, deshalb kann man meine Geschichte nicht als Kurzgeschichte definieren, denn sie hat ein klares Ende, da muss man sich nichts mehr dazu denken. Sie beschreibt einen Kriminalfall, deshalb steht sie auch in der Rubrik Krimi
Hallo Rainer,

ich weiß selbst nicht, ob Krimis da eine Ausnahme bilden....

Was würde es ändern, wenn ich aus dieser Geschichte einen Mehrteiler mache? Die Personen bleiben doch die selben.
Ja, aber bei einem Mehrteiler erwartet man eher ausführliche Beschreibungen und mehrere handelnde Personen als in einer kürzeren abgeschlossenen Geschichte. Naja, ich wollte jetzt nicht als der ultimative Besserwisser rüber kommen, sorry.

Hier erst mal die versprochene Analyse - rein subjektiv aus meiner Sicht:

Der Anfang gefällt mir gut. Vincent, Britta und Ariana und ihre Beziehungen zueinander werden in wenigen Sätzen vorgestellt.

Dann steht Britta vor der Tür und der Dialog wirkt für mich völlig unglaubwürdig. Sie wollte nicht zurückkommen, warum ist sie dann da? Auch ist Vincents Reaktion auf die Nachricht vom Todesfall nicht sehr nett, - okay, das kann ich zwar noch nachvollziehen. Aber dass er dann will, dass sie sich auszieht, weil er sie malen will, so von jetzt auf gleich und sie das auch noch macht nach der unfreundlichen Begrüßung - für mich nicht glaubhaft.

. Trotzdem stritten die beiden sich immer wieder und machten aus der inzwischen erwachsenen Abneigung zueinander keinen Hehl mehr
Schmeißt man da nicht eher jemanden hinaus als sich mit ihm/ihr herumzuärgern und ein gemeinsames Frühstück zu zelebrieren?

Auch das Verhältnis von Ariana zu Vincent leuchtet mir nicht ein:

.
„Liebste Ariana. Du bist jung, schön und begehrenswert. Ich dagegen alt und müde. Warum sollte ich dich halten, wenn du dein Glück finden solltest? Ich hab es dir versprochen, mein Engel.“
„Oh, Vincent. Du bist der gütigste Mensch, den ich kenne. Ich danke dir für alles.“
„Du hast dein ganzes Leben noch vor dir. Kümmere dich also nicht um mich, wenn es ernst werden sollte. Okay?“
Glücklich fiel sie ihm in die Arme und schmiegte sich fest an ihn. Dann schaute sie ihn an und küsste ihn leidenschaftlich.
Sie küsst ihn leidenschaftlich, ist glücklich und sucht trotzdem einen anderen? Und wenn es nicht so ist, kann sie doch sofort gehen? Sie ist doch Taxifahrererin, hat also einen Beruf und selbst Geld. Also, was ist der Grund, bei Vincent zu bleiben, bis sie was Besseres findet? Von Vincents Sicht aus gesehen übrigens noch unverständlicher. Warum sollte man gut zu jemanden sein, der einem den Rücken kehren wird, sobald er etwas Besseres findet?

Den Abschnitt danach finde ich okay bzw. nimmt die Geschichte danach Fahrt auf oder mit anderen Worten: Danach habe ich nichts mehr zu meckern.

Das Ende ist übrigens super.

LG SilberneDelfine
 

ahorn

Mitglied
Hallo Rainer Zufall, SilberneDelfine
ich plaudere mal mit

SilberneDelfine
ich weiß selbst nicht, ob Krimis da eine Ausnahme bilden....
Warum sollte es bei Krimis Ausnahmen geben?

Rainer Zufalls Geschichte ist eine kurze Geschichte, aber keine Kurzgeschichte, betrachte den Zeitraum, die diese umfasst. ;)

Der Anfang gefällt mir gut. Vincent, Britta und Ariana und ihre Beziehungen zueinander werden in wenigen Sätzen vorgestellt.
Bitte!

Vincent Carcaras war früher ein begnadeter Künstler gewesen, doch dann war er schwer krank geworden. Seine junge Frau Britta hatte sich zwei Jahre lang noch um ihn gekümmert, doch wurde ihr die Pflege des kranken Mannes lästig. Vor fast drei Jahren hatte sie ihm den Rücken gekehrt, um mit einem heißblütigen und auch deutlich jüngeren Spanier durch die Welt zu reisen.
Sein einziger Lichtblick war seit beinahe zwei Jahren die junge Ariana. Sie hatte ihn wieder zur Malerei animiert, verdiente sich ein wenig Geld als Taxifahrerin.
wirkt eher wie ein Klappentext eines Romans.
Schreibe die Einleitung aus des Künstlers Sicht - vielleicht malt er dabei ein Abbild seiner Muse :).

Rainer Zufall. Mehr Tiefe! Der Typ ist Künstler - Maler, kommt aber wie ein Beamter rüber.
Dafür finde ich, dass die Anzahl der Person nicht übertrieben ist. Wenns de Geschich halt so hergebt, warum neet?

Gruß
Ahorn
 

rag

Mitglied
Hallo Rainer, ich finde Du schreibst verständlich und folgst einer Idee. Bisschen steif m.E.
Schließe mich Ahorn und SilberneDelfine an. Es ist nicht Rund, aber ausbaufähig. Herzliche Grüße
 
Hallo SilberneDelfine,
tja, das mit dem gestörten Verhältnis ist so eine Sache. Wie oft waren Liz Taylor und Richard Burton verheiratet, geschieden, wieder verheiratet, wieder geschieden ...? So in etwa stelle ich mir das wohl mit Britta und Vincent vor. Eben launisch, zynisch, unlogisch. Es gibt Leute, die streiten sich halt gern (ich höre bei mir im Bus noch ganz andere Sachen). Genau das Gegenteil ist sein Verhältnis zu Ariana. Er liebt sie, aber er will ihrem Glück, aufgrund seines Alters, nicht im Wege stehen. Auch sowas gibt es, oder?
Es freut mich sehr, dass Dir der Verlauf der Geschichte dann offenbar sehr zusagt. Wenn Du sagst 'super Ende', dann habe ich das wohl auch sehr gut auf den Weg gebracht. Danke.

Hallo ahorn, hallo rag,
noch mehr Leute, die meine Geschichte gelesen haben :)
Das mit der etwas fluffigeren Sprache übe ich halt noch.

Mit jeder Diskussion tun sich mir weitere Betrachtungsweisen eines Textes auf, die ich in künftigen Werken versuchen kann, einfließen zu lassen. So macht Textarbeit richtig Spaß. Danke.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 

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