Birdena Vogts Reise

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Bücherpapst

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Birdena Vogts ist ein US-Star. 
Sturnus vulgaris wie sie die Vogelkundler nennen. Eine Plage nennen sie die amerikanischen Farmer, ihre gefiederten Freunde nennen sie Birdie Vogts. 
Sie entstammt der Linie der Schieffelin-Shakespeare- Stare.  
Ab dem Jahr 1890 importierte der amerikanische Apotheker Eugene Schieffelin Stare aus der sogenannten alten Welt nach Nordamerika. Schiffelin verehrte damals den Dichter William Shakespeare so sehr, dass er sich in den Kopf gesetzt hatte, alle Vogelarten nach Nordamerika zu bringen, die der Dichter in seinen Werken erwähnt hatte. Ein ehrgeiziges Ziel: In Shakespeares Gesamtwerk sind über 600 verschiedene Vogelarten zu finden. Die ersten Stare wurden in New York ausgesetzt. 
Birdenas Familie aber lebt seit Generationen in Hollywood.  
Andere Vögel verspotten sie daher als Paradiesvögel, doch in Wahrheit waren alle Mitglieder der Familie Vogts begnadete Singvögel. Bis auf Onkel Harald. Der konnte nicht singen, sondern er trank den ganzen Tag nur Schnaps. Darum nannten ihn die anderen Familienmitglieder Schnapsdrossel. Tante Tiffy hatte Birdena einmal im Vertrauen erzählt, dass Onkel Harald kein echter Star sei. Kurz bevor er geboren wurde, hat ein Kuckuck sein Ei in das Nest von Haralds Eltern gelegt, als Haralds Vater kurz mal weg war, Zigaretten holen.  
Vor zwei Jahren führte dann eine tragische Entscheidung von Onkel Harald dazu, dass Birdenas ganze Familie starb. Die Familie Vogts befand sich, angeführt von Onkel Harald auf dem Flug von Hollywood nach Marina del Rey, einem Ort an der kalifornischen Küste, weil man dort Badeurlaub machen wollte.  Anstatt die sichere Flugstrecke über Beverly Hills und dem nördlichen Teil von Santa Monica zu wählen, entschied Harald, dass die Familie eine Abkürzung direkt über den Santa Monica Municipal Airport nehmen solle. Zwar sind Flughäfen für Vogelschwärme nicht ungefährlich, doch es war spät abends, der Flughafen selbst ist relativ klein und man würde zwei Flugtage sparen und diese Zeit hätte man dann mehr zum Baden zur Verfügung, so die Argumente von Onkel Harald. Es kam dann, wie es kommen musste: Die Familie Vogts wurde von den Turbinen eines startenden Privatflugzeugs erfasst. Es war, nomen est omen, die Maschine des ehemaligen amerikanischen Basketballspielers Larry Bird. Bis auf Birdena ist die gesamte Familie Vogts ums Leben gekommen. Birdena selbst befand sich zu diesem Zeitpunkt in Deutschland. In Hamburg, um genauer zu sein.  Zusammen mit ihren Freundinnen Annemarie Amsel, Diana Drossel und Veronika Fink bildete sie die Gesangsgruppe "die Jailbirds" in dem Musical "Elvis Presleys Jailhouse Rock".    
Jetzt zwei Jahre, nachdem Birdie die Truppe wegen dem Familienunglück Hals über Kopf verlassen musste, will sich das Quartett im niederländischen Groningen wiedertreffen. Bereits vor vier Tagen ist Birdena in Hollywood aufgebrochen. Ganz gemächlich flog sie zunächst nach Dallas und Atlanta. Nur keine Eile, denn auf der Strecke befinden sich zahlreiche Starenkästen. Jetzt sind es nur noch einige wenige Kilometer bis zum Washington Dulles International Airport. Jedem dürfte klar sein, dass ein Star die Strecke über den Atlantischen Ozean nach Europa nicht selbstständig fliegen kann. Aber dafür gibt es ja die Star Alliance. Man muss nur so schnell sein, wie ein Wanderfalke im Sturzflug, dann kann man sich im Gepäckraum eines der Flugzeuge der Star Alliance verstecken und ist dann einige Stunden später ein Eurostar, also ein Star in Europa.  
Birdena breitet ihre Flügel aus. Ohne einen Schlag segelt sie vor sich hin. Die Luft strömt durch ihre Flügelflächen. Vor sich sieht Birdie das Washington Monument, der Himmel erstrahlt in Rot-und Orangetönen. Rechts neben dem weißen Marmorturm geht die Sonne auf. Im Hintergrund des Monuments entdeckt Birdie das Weiße Haus. 50 Sterne, sieben rote und 6 weiße Streifen tanzen im Wind. Es ist die US-Flagge auf dem Dach des Weißen Hauses, die Birdena entdeckt hat. Was für ein wunderbarer Morgen in Washington DC und im Leben von Birdena Vogts. Da, ein Vogelnest. Direkt neben dem Springbrunnen, der sich vor dem Weißen Haus befindet, entdeckt Birdie ein Vo…oh…oh ha, nein das ist kein Vogelnest, es ist, Birdena schaut noch einmal genauer hin: Tatsächlich, es ist, man mag es kaum glauben, die Frisur eines Mannes, der neben dem Springbrunnen steht und sich mit wirklich sehr, sehr kleinen Händen ein Handy an sein Ohr hält. Ein riesiger Schatten legt sich auf einmal über das Geschehnis. Ein lautes Summgeräusch durchbricht Birdenas Gedankenwelt. Sie wird von einem riesigen metallischen Gegenstand touchiert und aus ihrer Flugbahn gebracht. Sie gerät ins Trudeln, verliert an Höhe. "Oh nein, oooohhh nein, nur nicht auf den Fahnenmast der US-Flagge stürzen, denn ansonsten, siehst Du gleich aus, wie so ein Hähnchen am Spieß vom Wienerwald", denkt Birdena und dabei entweicht ihr ein riesiger Vogelschiss. Kaum, dass sie ihren Darm entleert hat, gewinnt Birdena wieder an Höhe und sie fängt sich wieder. "Was zum Truthan Geier war das?". Dann sieht sie es:  Eine Taepodong-2, eine nordkoreanische Interkontinentalrakete auf der ein riesiges, rotes Herz prangert, in dem sich der Schriftzug "with Love from Kim" befindet. Die Rakete stürzt in den Potomac Fluss, der in der Nähe des Weißen Hauses entlang fließt. "Nichts wie weg hier, die Luft ist mir hier zu bleihaltig", denkt sich Birdena und dreht ab in Richtung Flughafen. Dabei wirft sie noch einmal einen Blick zurück zum Weißen Haus. Sie sieht, wie sich das Gesicht des Mannes mit der komischen Frisur knallrot gefärbt hat. Er brüllt wie ein Berserker in sein Handy, auf seinem Anzug prangert ein riesiger Vogelschiss. "Zum Glück habe ich für solche Fälle einen Staranwalt". Mit diesen Gedanken lässt Birdie die groteske Szenerie hinter sich.  

"Und ich düse, düse, düse im Sauseschritt und bring die Liebe mit". Noch immer etwas schockiert von dem erlebten, sich in absoluter Eile befinden und trotzdem ein kleines Liedchen trällernd, erreicht Birdena den Washington Dulles International Airport. Es sind nur noch wenige Minuten, bis die letzte Maschine des heutigen Tages nach Groningen abhebt. "Ich darf mir jetzt keinen Fehler erlauben, sonst hebt der Flieger ohne mich ab", appelliert Birdena an sich selbst. "Dabei weiß ich noch nicht einmal, von welchem Gate das Flugzeug startet. Ich werde noch einmal einen Blick auf die Anzeigetafel werfen müssen".  Doch es stehen zu viele Menschen vor der Anzeigetafel mit den Abflugzeiten. Birdena kann so gut wie nichts sehen.  Selbst aus der Vogelperspektive ist da nichts zu machen.  Erst als ein kleiner dicker Junge sich hinunter bückt, um mit seinem Finger einen Klecks Eiscreme von seinem Schuh zu wischen und ihn dann...oh wow, Birdena traut ihren Augen nicht, der Junge leckt sich seinen Finger mit der Eiscreme ab.  Auch wenn Birdena bei dem Jungen kein Eis entdecken kann, hofft sie doch inständig, dass es sich bei dem Fleck um Eiscreme handelte. Nicht dass einer ihrer Mitvögel, so wie sie vorhin, bei dem orangen Mann. Ihr wisst schon was ich meine.  Also während sich der kleine dicke Junge herabgebeugt hatte, konnte Birdena den IATA-Code GOH und das Gate B40 auf der Anzeigentafel erspähen, mehr aber leider nicht. Aber diese Informationen sollten ausreichend sein. Der IATA-Code wird von der International Air Transport Association vergeben und dient zur eindeutigen Kennzeichnung von Flugplätzen. Und der IATA-Code GOH steht für Groningen, da ist sich Birdena absolut sicher. Daher fliegt sie jetzt, so schnell sie ihre Flügel tragen, zum Gate B40. Gerade ist die Ladecrew dabei, die letzten Koffer in den Gepäckraum zu verstauen, da nutzt Birdie einen kurzen Moment, in dem die Ladeluke unbeobachtet ist und fliegt in das Innere des Flugzeugs. Sie versteckt sich hinter mehreren Koffern und dann wir es zappenduster um sie herum. Das Flugzeug rollt. Erst rollt es langsam, dann immer schneller. Birdena beginnt wie wild mit ihren Flügeln zu flattern, sie versucht der Fliehkraft entgegenzuwirken, es fühlt sich so an, als würden ihre Flügel brechen, doch sie bleibt standhaft, flattert weiter. Nach rund 20 Minuten beruhigt sich die Lage. Das Flugzeug scheint seine Flughöhe erreicht zu haben.  

Brrr, Brrr, Brrr. Beim heiligen Ikarus ist das kalt geworden. Birdie fühlt sich wie ein Eisvogel und klappert wie ein Storch. Und wie lange bin ich eigentlich schon unterwegs? Gut siebeneinhalb Stunden sollte der Flug dauern, aber Birdie hat das Gefühl, bereits einige Stunden länger unterwegs zu sein. Diese Kälte und diese Dunkelheit, für den Rückflug nehme ich die Fluglinie mit dem Kranich, da muss es doch mehr Komfort geben als hier. Während Birdena vor sich hin sinniert, bemerkt sie, wie das Flugzeug zum Landeanflug ansetzt.  
Nach der Landung vergeht gefühlt noch eine Ewigkeit, bis die Ladeluke geöffnet wird. Gellend weißes Licht durchflutet den Frachtraum. Statt sie zu zukneifen, reißt Birdena ihre Augen vor Schreck weit auf und sieht für einen Moment aus wie eine Eule. Noch ist die Ladecrew außerhalb des Flugzeuges beschäftigt. Und bevor sich Birdie an die Helligkeit richtig gewöhnt hat, fliegt sie aus dem Inneren des Flugzeugs.    

Wasser, Felsen und Schnee. Wasser, Felsen, Schnee und eine arktische Kälte. Und alles grau in grau. Und Schnee. Ok es ist Februar, aber das beutetet nur, dass man in Groningen Tiefsttemperaturen von minus einen Grad hat. Aber es sind es gefühlt minus sieben Grad findet Birdie. Minus sieben Grad und Schnee und Grau. Grau wie dieses Gebäude, vor dem das Flugzeug parkt, mit dem Birdena gerade angekommen ist und an dem in riesig, roten Buchstaben "Nuuk" steht. Nuuk? Genuuk oder was meinen die?  Birdie ist weiterhin ein wenig irritiert, denn sie hat sich Groningen etwas anders vorgestellt. Aber gut, jetzt muss sie zunächst einmal auf die Vorderseite des Flughafengebäudes, da wollten sie ihre Freundinnen abholen. Das Fliegen fällt Birdena etwas schwer. Zum einen, weil sie sich so lange in dem Frachtraum aufgehalten hat und zum anderen, weil sich inzwischen kleine Eiskristalle auf ihrem Gefieder gebildet haben.  
Doch statt Amsel, Drossel und Fink entdeckt Birdie vor dem Gebäude nur ein paar Eissturmvögel und Schneehühner, in der Ferne lungern einige Skuas herum. Jetzt bekommt Birdena es mit der Angst zu tun. Skuas sind Raubmöven, also ganz schräge Vögel. Eigentlich kommen Skuas nur in Polarregionen vor und nicht in den Niederlanden. Birdena beschleicht das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Ob es an dieser unglaublichen Reise in einem verrückten Flugzeug lag? Birdena beschließt, sich an die Eissturmvögel zu wenden. Skuas jagen häufig Eissturm- und anderen Vögeln die Nahrung ab, also wird hier niemand gut auf diese zwielichtigen Vögel zu sprechen sein.  Sie wendet sich an einen jungen Eissturmvogel, der sich etwas abseits von den anderen Vögeln aufhält und sich sein kobaltblaues Federkleid mit dem Schnabel putzt.  
Birdena kommt gleich zur Sache. Sie fragt, ob es sich bei den Skuas um kriminelle Einwanderer handelt, die hier am Flughafen Drogen verticken. Warum es so kalt ist, möchte sie auch gerne wissen, wo doch Greta Thundberg seit über einem Jahr vor der Erderwärmung warnt und jetzt herrscht hier im Februar in Groningen diese Eiseskälte.  
"Groningen? Was meinst Du mit Groningen? Man spricht es Grönland aus und hier sind wir in Nuuk, um genau zu sein", entgegnet ihr der Eissturmvogel. "G R Ö N L A N D? Du meinst Grönland so wie, also so wie Grönland die Insel, die mit den Eisbären, Polarfüchsen und Gröndlanwalen ? Meinst Du das Grönland?", fragt Birdie völlig verblüfft. "Genau das Grönland. Da wo auch Skuas und Eisstrumvögel beheimatet sind. So ist es. Du bist ja ein richtiger Schlauvogel. Bist Du etwas ein Kea?", fragt der junge Eissturmvogel zurück. "Ein Star".  "Naja B-Promi trifft es wohl eher.  Wie bist Du denn auf die Idee gekommen, wir wären hier in Groningen?" entgegnet der Eissturmvogel. "Na wegen dem IATA-Code GOH am Flughafen in Washington" erläutert Birdie. "GOH für Grönland und weiter?", fragt der Eissturmvogel, der die Sache immer noch nicht so richtig versteht. "Nein GOH wie Groningen" startet Birdie einen neuen Erklärungsversuch. "Das hast Du wohl etwas verwechselt. Der IATA-Code für Groningen lautet GRQ, Aber wenn Du möchtest, erkläre ich es Dir gerne einmal in Ruhe. Lass uns da vorne in die Kneipe "Zur goldenen Feder" gehen. Der nächste Flieger zurück in die USA geht es erst morgen früh wieder. Wir nehmen noch meinen Kumpel Jürgen Sturmvogel mit und dann erzählst Du uns mal, was Du eigentlich in Groningen wolltest", schlägt der junge Eissturmvogel vor. 
Gesagt getan. Die drei Vögel kehren in die sogenannte 24 Stunden Kneipe ein. Sie Erzählen, sie Diskutieren, Sie Trinken und Feiern und als am nächsten Morgen die Sonne über Nuuk aufgeht, ist Birdenas Ärger über ihre Verwechslung längst verflogen. Weil noch ein bisschen Zeit ist, bis Birdies Rückflug nach Washington startet, lassen sich die Drei vor einem der bunten Traditionshäuser nieder und stimmen ein Lied ein, das wie folgt geht:  
  

Singin': "Don't worry 'bout a thing 
'Cause every little thing gonna be all right." 
Singin': "Don't worry (don't worry) 'bout a thing 
'Cause every little thing gonna be all right!" 
 ​
 

hein

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Hallo Bücherpapst,

eine schräge Geschichte.

Du solltest noch einige Absätze einfügen. So ist es schwer zu lesen.

LG
hein
 

hein

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Hallo Bücherpapst,

du kannst nur hier unten als "Antwort" den geänderten Text nochmals komplett einstellen.

LG
hein
 

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