Ava L. Ries
Mitglied
Die kleinen Schnitte an den Fingern sind mir vertraut. Es passiert mir ständig. Jedes Mal, wenn ich dir schreibe, schneide ich mich an dem Papier. Es ist fast wie ein Fluch, es ist mein Ritual.
Ich nehme einen der unzähligen Bögen aus dem linken Fach des eichenhölzernen Tisches und das markiert den ersten Schnitt, den Beginn. Danach lege ich es vor mich hin, fahre vorsichtig und behutsam darüber, streiche es glatt und schneide mich erneut, diesmal an der äußeren Kante meiner Hände für den Neuanfang.
Ich muss mich dann oft erst einen Moment beruhigen, halte kurz Inne, um mich zu sammeln, um wieder Kraft zu tanken. Einen Augenblick später nehme ich mutig die Feder in die Hand, im Begriff, dir zu schreiben, setze sie an und verfasse meine Zeilen wohlbedacht. Die verletzte Hand schmerzt beim Schreiben, aber meinen Schwung verliere ich nicht. Die Feder fliegt, sie gleitet und ich mit ihr mit. Ich fliege auch.
Nach der sanften Landung lasse ich die tiefschwarze Tinte trocknen. Sie versiegelt jedes meiner Worte, hält sie fest und beständig, darauf bedacht, dir genau das zu sagen, was ich sonst nicht kann. Was mein Mund niemals kann.
Dann falte ich den Brief, bin dabei ruhig und achtsam, vorsichtig. Dennoch schneide ich mich. Das Papier ist eckig und rau, wurde mit jedem meiner Worte an dich scharfkantiger und verletzend.
Es verletzt mich.
Deshalb liegt auch dieses weiße Taschentuch neben dem dunklen Tintenfässchen. Der Stoff hat schon einige meiner, dieser Spuren eingesteckt und büßt jedes Mal erneut seine strahlende Farbe ein. Es sind über die letzten Monate so viele kleine rote Linien dazugekommen, die mein Ritual bezeugen, meinen Schmerz.
So tupfe ich heute erneut das Blut von meinen Fingern, drücke mein besticktes Taschentuch auf jede einzelne Kuppe und Kante und erstaune gerade zum ersten Mal darüber, dass ich beim Besticken dieses Stoffs weniger Verletzungen davongetragen habe als jetzt gerade; als immer dann, wenn ich dir schreibe. Dir zu schreiben tut mir weh, dir zu schreiben verletzt meine zarte, weiche Haut, durchfurcht sie und hinterlässt helle Narben, die ganz bald wieder verblassen und mich beinahe vergessen lassen, wieso ich mir das antue. Wieso ich mir das immer wieder geben, mich dem hingeben muss. Wieso ich niederschreiben muss, was ich glaube und denke und… fühle. Wieso du das hören und ertragen musst. Gerade du. Musst.
Ich nehme einen der unzähligen Bögen aus dem linken Fach des eichenhölzernen Tisches und das markiert den ersten Schnitt, den Beginn. Danach lege ich es vor mich hin, fahre vorsichtig und behutsam darüber, streiche es glatt und schneide mich erneut, diesmal an der äußeren Kante meiner Hände für den Neuanfang.
Ich muss mich dann oft erst einen Moment beruhigen, halte kurz Inne, um mich zu sammeln, um wieder Kraft zu tanken. Einen Augenblick später nehme ich mutig die Feder in die Hand, im Begriff, dir zu schreiben, setze sie an und verfasse meine Zeilen wohlbedacht. Die verletzte Hand schmerzt beim Schreiben, aber meinen Schwung verliere ich nicht. Die Feder fliegt, sie gleitet und ich mit ihr mit. Ich fliege auch.
Nach der sanften Landung lasse ich die tiefschwarze Tinte trocknen. Sie versiegelt jedes meiner Worte, hält sie fest und beständig, darauf bedacht, dir genau das zu sagen, was ich sonst nicht kann. Was mein Mund niemals kann.
Dann falte ich den Brief, bin dabei ruhig und achtsam, vorsichtig. Dennoch schneide ich mich. Das Papier ist eckig und rau, wurde mit jedem meiner Worte an dich scharfkantiger und verletzend.
Es verletzt mich.
Deshalb liegt auch dieses weiße Taschentuch neben dem dunklen Tintenfässchen. Der Stoff hat schon einige meiner, dieser Spuren eingesteckt und büßt jedes Mal erneut seine strahlende Farbe ein. Es sind über die letzten Monate so viele kleine rote Linien dazugekommen, die mein Ritual bezeugen, meinen Schmerz.
So tupfe ich heute erneut das Blut von meinen Fingern, drücke mein besticktes Taschentuch auf jede einzelne Kuppe und Kante und erstaune gerade zum ersten Mal darüber, dass ich beim Besticken dieses Stoffs weniger Verletzungen davongetragen habe als jetzt gerade; als immer dann, wenn ich dir schreibe. Dir zu schreiben tut mir weh, dir zu schreiben verletzt meine zarte, weiche Haut, durchfurcht sie und hinterlässt helle Narben, die ganz bald wieder verblassen und mich beinahe vergessen lassen, wieso ich mir das antue. Wieso ich mir das immer wieder geben, mich dem hingeben muss. Wieso ich niederschreiben muss, was ich glaube und denke und… fühle. Wieso du das hören und ertragen musst. Gerade du. Musst.