Blau

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Mimi

Mitglied
Ich weiß nicht wie lange wir hier schon umherirren, wann wir angefangen haben, den Halt zu verlieren.
Vielleicht hat es einmal für uns ein Leben ohne das Wasser gegeben, obwohl es mir immer schwerer fällt, das zu glauben.
Der Himmel ist genauso blau wie die Welt, die uns umgibt. Alles ist blau. Meine Augen sehen nichts anderes. Außer dir gibt es keine Konturen mehr.
Es ist erträglicher, wenn du bei klarem Verstand bist und mit mir sprichst.
Aber du verwandelst dich von Tag zu Tag immer mehr in ein Zombie-Du.
Ich fürchte mich vor deinem Zombie-Du.
Mehr noch als vor dem Blau des Ozeans.
Weil du dann stumm und leer in das Wasser starrst, als würdest du in ein riesiges Maul blicken, das dich zu verschlingen droht.
Und weil du dann aufhörtst mit mir zu sprechen und deine Konturen verblassen.
Ich glaube, das ist das Schlimmste.
Und das leise, kaum hörbare Flüstern aus der Tiefe, dem du ständig lauschst, wenn du still bist.
Manchmal will ich dir die Ohren zuhalten.
Und manchmal möchte ich dich festhalten und gleichzeitig fürchte ich mich davor.
Oft stelle ich mir dann vor, du würdest mir deine Hand reichen, damit ich sie fest umschließen kann, bevor du mit dem Blau der Tiefe verschmilzt, als wärst du nie fortgegangen.
 

Mimi

Mitglied
Danke, Vitelli, für's Lesen und Bewerten.
Ich hatte ja die Befürchtung, dass der Text vielleicht zu surreal wirken könnte...

Gruß
Mimi
 

Vitelli

Mitglied
Hallo Mimi,

wie du ja weißt, mag ich Texte, die man sich selbst erschließen muss. Und ich finde deinen Text auch nicht zu surrealistisch - im Gegenteil: Erneut eine tolle Veranschaulichung einer Gefühlslage. Kurz: Ich finde mich wieder in deinen Worten.

Btw: Ich fand es schade, dass dieser interessante Text in der Versenkung zu verschwinden drohte, also beinahe im großen "Blau" untergangen wäre ;-) Zumindest kann man jetzt die Konturen wieder erkennen ... :)

Gruß,
Vitelli
 


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