Meine etwas eigenwillige Lesart.
Ich habe überlegt, was Bleiben bedeutet: zurückbleiben, bei jemandem bleiben – und wie sich dies perspektivisch einordnen lässt.
Der Zurückbleibende ist nicht einfach derjenige, der nicht geht. Er ist derjenige, den jemand anderes im Fortgehen zurücklässt. Ist das Fortgehen dann nicht vom Zurücklassen, vom Zurückbleibenden abhängig? Und setzt das Bei-jemandem-Bleiben nicht ein – zumindest gedankliches – Fortgehen voraus?
Während wir uns wegbewegen und gedanklich nicht loslassen, sind wir vielleicht wie in einem Zug und rennen von Waggon zu Waggon, um den am Bahnsteig Stehenden nicht aus dem Blick zu verlieren – im Bewusstsein, bald den letzten Waggon erreicht zu haben und ihn dann langsam aus dem Blick zu verlieren. Oder wir bleiben und sehnen uns in die Ferne.
Dann ist da kein aktives Bild mehr. Wir müssen es jedes Mal nachzeichnen, und doch verliert es an Kontur. In der Enge zeigt sich Verlust.
Bleiben setzt Fortgehen voraus.
Wir können nicht bleiben denken, ohne – zumindest gedanklich – gegangen zu sein.
Bleiben ist die Möglichkeit des Verlusts, die erst durch das Fortgehen sichtbar wird. Erst in der Bewegung des Anderen konstituiert sich das Bleiben.
Jetzt habe ich mich wieder ganz schön verschwurbelt – sodass ich rückwirkend wohl doch lieber beim „Gefällt mir“ geblieben wäre.
Liebe Grüße
Rufus