Blütenblätter auf meiner Haut

Ava L. Ries

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Da sind Blütenblätter auf meiner Haut, die mich berühren und zärtlich umarmen wollen, aber ich bin mir nicht sicher, was ich möchte. Ob ich ihrem Gefühl, meinem Gefühl folgen will oder doch durch sie hindurch. Vielleicht muss ich doch gleiten, sie beiseite schieben und sehen, was sich dahinter verbirgt. Was ist dort draußen? Was ist das für eine Welt, die sich vor mir versteckt?

Der kühle Wind weht die Blüten von meinen Armen, noch bevor ich es tun kann und ich sehe auf. Sehe vor mir plötzlich ein Gesicht hinter einer Eiche, als würde es noch ein wenig länger geheim bleiben wollen, nur habe ich es längst gesehen; habe längst einen Blick darauf erhaschen können und mir stockt der Atem. Wie kann das sein? Woher kommst du?

Das raschelnde Gras zu meinen Füßen treibt mich an, umspielt meine nackten Beine und zieht mich hin, dorthin, zu dir. Das Gesicht verschwindet schon wieder und dennoch weiß ich, dass es genau vor mir liegt, genau hier! Ich greife nach der von der Sonne aufgewärmten Rinde und spüre ihre Rauheit, die mich unvorbereitet trifft, wie alles an diesem Tag heute. Aber ich lasse nicht los und umrunde den großen Baumstamm, immer auf der Suche nach dir. Wer bist du?

Das grelle Licht blendet meine Augen und ich halte mir die Hand schützend davor. Nur langsam und stark blinzelnd kann ich sie öffnen und da bist du ja wieder. Du siehst… anders aus. Als wäre deine Haut nicht aus Fleisch und Blut, als wärst du nicht wie ich. Stattdessen gleicht dein Abbild dem der Eiche und dem des Windes. Verspielt, aber standhaft, vertraut und doch so flüchtig wie nur er selbst es sein kann. Aber du, du… kannst nicht sein.

Meine Haut, mit Blüten besetzt, mein Haar, vom Wind fortgetragen, meine Füße im kühlen Gras und die Augen bereits an das gleißende Licht gewöhnt. So stehe ich vor dir und offenbare mich dir, so wie du dich hoffentlich gleich mir. Da streckt sich wie von selbst meine zarte, bleiche Hand nach dir aus, nach diesem eichernen Gesicht und… Brösel, Zerfall, Zerfurchung, die sich durch deine Gesichtszüge zieht und mich meine entgleisen lässt.
Dann bist du fort. So schnell, wie du gekommen bist, bist du weg und ich?
Mich lässt du ratlos zurück, hier, in meinem kleinen, unwissenden Kosmos, in meiner Welt. Und ich werde mich für immer fragen, wer du warst und was du bist und wieso du mir diesen kleinen Einblick auf dich gewährt hast und dann nichts mehr.
Dann war gar nichts mehr.
 



 
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