Blutige Heilige Nacht - 10. Herrensocke und Seidenstrumpf - Teil 1

ahorn

Mitglied
Klappentext
zurück zu Melonen, Kirschen und Apfelkuchen


Herrensocke und Seidenstrumpf - Teil 1

»Seh dich um!«
Monika hob die Schultern. »Seit gestern hat sich hier«, sie drehte sich um ihre eigene Achse und wies an die Wände, »nichts geändert.«

Wie beglückt war Herbert über seinen nervösen Magen, obwohl Pein in ihm aufkam. Gleichwohl redlicher als sie im Dienst auf den Mund zu küssen. Monika ins Gesicht zu rülpsen ohne Zweifel minder verhängnisvoll, als seinen Trieben nachzugehen.
Ihre vollen Lippen, ihre prallen Brüste, der knackige Hintern in ihrer Jeans, jene gleich einer zweiten Haut sie hüllte. Die Hose ihr schmeichelte, ihr Schritt ihn lockte, machten es jedem Mann schwer, ihr zu widerstehen, obwohl ihr liebreizender Körper in dem Schutzanzug steckte. Herbert war ihr Vorgesetzter, nicht der buhlende Hengst. Dabei schien es ihr nichts auszumachen, Grenzen zu überschreiten. Eine Tugend, die Herbert bei Frauen schätzte und im Privaten gerne freien Lauf ließ.
Für seine Zwecke war es nachhaltiger, sie zu modellieren, ihre Neugier, ihren Wissenshunger auf Neues zu prägen, in die richtige Form zu pressen.

»Weil Mattmann noch nicht die Spurensicherung durch Haus gejagt hat.«
»Es ist Weihnachten«, nahm Monika ihren Kollegen in Schutz.
Herbert hob den rechten Zeigefinger. »Was kein Nachteil ist. Die von der Kriminaltechnik sind Techniker, wie der Name beschreibt, nüchtern, wissenschaftlich, unbestreitbar unverzichtbar, um einen Fall zu lösen. Nur!« Er ballte eine Faust. »Sie stehlen die Aura.« Er fächerte sich Luft zu. »Was riechst du?«
Monika schnupperte, zuckte mit den Achseln. »Nichts!«
»Genauer! Nichts gibts nicht!«
Monika machte einen Schritt zum Bett, rümpfte ihre Nasenflügel und beugte sich vor. »Waschmittel! Lavendel!« Sie richtete den Oberkörper um neunzig Grad nach rechts, sodann ging sie drei Schritte vor, bis ein mausgrauer zylinderförmiger mit Kunstleder überzogenen Hocker ihr den Weg versperrte. Mit dem linken Fuß schob sie diesen zur Seite, beugte ihren Rumpf, bis ihre Nasenspitze die Platte des ebenfalls grauen tageszeitungsgroßen Tischs berührte. »Haushaltsreiniger! Zitrone!«
Herbert winkte sie heran. Sie trat auf ihn zu, legte ihre Wange an seine Oberkörper. »Achselschweiß!«
Er sengte den Kopf, schloss die Augen und atmete durch die Nase ein. »Apfel und Melone!«
Monika stieß sich von seiner Brust ab. »Was soll das?«
»Denken!«
Sie kniff ihr linken Auge zu.

»Hast du eine Garderobe?«, fragte Herbert.
Monika zog ihren rechten Mundwinkel empor und richtete ihren Blick gen Zimmerdecke. »Ja! Nein!«
»Wie nun?«
»Ein Kleiderhaken und ein Schuhschrank«, antwortete sie und schlug mit der Handkante an ihre Hüfte. »Wenn du das so bezeichnest.«
»Was liegt auf diesem Schrank?«
Sie kratzte sich im Genick. »Eine Bürste, Haargummis«, sie grinste, »ferner eine«, sie spreizte Daumen und Zeigefinger ab, »eine Blumenvase mit vertrocknetet na ja.«
»Lippenstift, Puder«, vervollständigte er ihre Aufzählung.
»Ne, Puder nicht! Hab keinen Spiegel.«
»Deo, Parfüm«, setzte Tamban fort, ohne auf ihren Einwand einzugehen.
Sie stemmte die Fäuste in ihre Taille. »Woher weißt du das?«
Herbert verdrehte die Augen. »Dein Handschuhfach! Make-up, Lippenstift, Deodorant, alles was Frau braucht. Eine gepflegte Dame für ihr Äußeres benötigt. Schau dich um!«
Monika drehte sich um ihre Achse.
»Nichts!«, antwortet Herbert für sie.
»Vielleicht schminkt er sich nicht.«
»Er?«

Ein Lächeln auf den Lippen lehnte sie ihren Kopf zur Seite. »Du hast gesagt, vermutet, dass unser Tote eine Transe war.«
»Vergiss es!« Er zwirbelte seinen Schnauzer. »Indizien – Annahme falsch!«
»Somit lebt in diesem Zimmer eine Frau.«
»Nein!«
»Du verwirrst mich.«
»Öffne die Kleiderschränke!«
Monika kam seiner Aufforderung nach. Sie stellte sich, die Beine gekreuzt, die Hüfte zur Linken, die Arme verschränkt vor die zwei geöffneten Schränke.

Herbert schob sich an ihr vorbei, glitt mit dem Zeigefinger über die Kleiderstange des linken zweiflügligen Schranks. »Kleider!« Er hockte sich nieder, klopfte gegen Absätze. »Damenschuhe!« Dann drehte er sich nach rechts, riss die unterste Schublade auf, fasste hinein und entnahm eine Verpackung. »Damenstrümpfe. Neu!«, murmelte er.
»Strumpfhose«, verbesserte Monika ihn.
Herbert warf den Umschlag Monika vor die Füße. »Damenstrumpfhose. Neu!«, verbesserte er seine Aussage. Sogleich zog er die nächste Schublade auf, schielte herein. »Damenslips weiß, schwarz. Mit Spitze!« Ohne hinzusehen, öffnete er die Nächste. »Büstenhalter. Neu!«
Er stand auf, widmete sich dem letzten Schubfach. Die Lippen gepresst, fasste er hinein, ergriff einen seidigen Stoff. Diesen hielt er sich vor den Bauch, derweil er grinste. »Damennachthemd.« Er klappte ein Papieretikett herum. »Neu!«
Herbert widmete sich dem zweiten, einflügeligen Schrank, tippte auf die Bügel, welche auf der unteren Stange hingen. »Röcke. Zehn!«

Monika schubste Herbert beiseite. »Zehn Blusen.« Sie streckte ihre zur Faust geballten Hände zur Decke. »Von mir aus neu. Was soll der Blödsinn?« Sie drehte sich auf dem Absatz um, verschränkte die Arme. Sodann starrte sie ihn an, wobei sie ihre Stirn runzelte. »Eine normale Garderobe einer von mir aus eleganten Dame.«
Ohne eine Miene zu verziehen, griff Herbert in den Kleiderschrank und schnappte sich einen Kleiderbügel von der oberen Stange, jener der einsam inmitten seiner behangenen Leidensgenossen ruhte. »Neun Blusen!« Grinsend strich er über den Bügel. »Eine fehlte. Sowie«, er zupfte an den Ärmeln, »zwei Blazer.«

Monika trat an Herbert heran.
Sie legte sogleich ihren Arm um seine Taille. »Du bist ein brillanter Ermittler, aber wir haben unten einen Tatort und du«, sie sah zu ihm auf, »interessierst dich für dieses Zimmer.«
Er nahm ihre Hand zwischen die seinigen. »Weil es von Belang ist.« Er drehte sich um, strich über einen der Röcke. »Wie würdest du die Sachen beschreiben?«
Sie verdrehte die Augen. »Elegant. Business Outfit!«
»Erneut meine Frage. Schminkt sie sich, pflegt ihr Äußeres?«
»Bestimmt!«
»Wo sind ihre Toilettenartikel?«
»Im Bad?«
»Dort zieht sie sich an?«
»Wieso?«
»Ich bin seit Langem verheiratet, hatte viele Frauen, aber keine die sich im Bad …« Er schritt zur Zimmertür. »Körperpflege klar! Danach in Unterwäsche, oder«, er umfasste den Oberkörper, »mit einem Badetuch bedeckt zurück. Die Haare nass, shampooniert, mit einer Haarkur behandelt, eingewickelt in ein Handtuch, in ihre Kleider zu schlüpfen.«
»Ich verstehe dich nicht!«
Herbert schnüffelte. »Wo ist ihr Geruch. Hat sie ihn im Bad versteckt?« Er stürmte erneut zum Kleiderschrank. »Schau hin. Sehe nicht nach, was da ist, sondern was fehlt!«
»Das hatten wir bereits. Keine Hosen, keine Pullover. Dann trägt sie keine.«
»Ich weiß nicht, wie der Inhalt deines Kleiderschrankes aussieht. Der meiner Frau quilt über. Kein bequemer Rock, kein schnörkellos Kleid, läuft sie jeden Tag, jede Stunde aufgetakelt herum?« Herbert marschierte zum Fenster. »Hier wohnt niemand!« Er kehrte auf dem Absatz um. »Was machen die Sachen hier. Der Toten gehörten sie nicht.«
Monika leckte sich über die Oberlippe. »Vielleicht ist der Tote doch eine Transe?«
»Habe dir gesagt, war eine Fehlinterpretation.« Er wandte sein Gesicht zu Monika. »Ich dachte, ich fände hier etwas.« Herbert zwirbelte seinen Bart. »Nackt, barfuß nur in ein Weihnachtsmannkostüm erschien er bestimmt nicht.« Erneut erfasste er den leeren Kleiderbügel. »Zog sich eine Bluse …«

Herbert stockte. Er war öfters daran vorbeigelaufen, aber er hatte es nicht beachtet. Den Bügel zwischen den Fingern, schritt er zum Papierkorb, der unter dem Tisch stand, beugte sich nieder und fischte eine Plastikverpackung heraus. »Und eine Strumpfhose an.«
»Bitte!« Monika ging zu ihm, schnappte sich die Verpackung. »Halterlose, 60 den schwarz.« Sie schmunzelte. »Welche Frau zieht den sowas über.«
»Wie?«
»Männer! Ihr habt keinen Schimmer.« Monika tippte auf ihr Brustbein. »Ich für mein Teil, schlüpfe in Strümpfe, damit ich«, sie hob ihr rechtes Bein, »sexy aussehen, aber blickdicht! Strumpfhosen im Winter, sodass ich nicht friere aber …«
»Es ist Winter«, konterte Herbert.
»Männer! Sag ich doch! Zieh dir einen Rock an, stecke deine Beine in Halterlose und laufe draußen herum. Deine Waden sind warm und dein Arsch ist eiskalt. Hat das mit Erotik zu tun?«
Herbert grinste und umarmte sie. »Ich könnte dich küssen.«

Monika legte ihre Arme um seinen Hals und schloss die Augen.
Sein Herz klopfte. Hormone schossen ihm ins Blut. Er verspürte die Unruhe zwischen seinen Beinen. Sie wehrte sich nicht, als er ihren Hintern betatschte, ihr Gesäß knetete. Dafür strich ihr rechter Oberschenkel über seinen Linken. Herbert Finger berührten ihre Taille, ihren Bauch, bis die Fingerspitzen Monikas Busen ertasteten. Das Bett lockte ihn, schrie danach seinem Zweck nachzugehen. Ein Schritt nach vorn beim Bund ihrer Lippen genügte, um ihren Körper in die Waagerechte zu bringen. Sein rechter Arm spannte sich.

Herbert räusperte. »Ein Mann hat die Textilien gekauft«, seine Hand zielte auf den Schrank, »hier verwahrt.«
Monika torkelte, fing sich. »Also doch!«
»Nein!«
Ein größeres Spiel, als ein abscheuliches Meucheln bot ihm die Tat. Ein ähnliches Schauspiel hatte man mit ihm bereits gespielt. Von oben gedeckt, war die Tat im Archiv verschwunden. Damals hatte er nicht exakt ermittelt. Die Fehler nicht wieder gut gemacht.
»Wir müssen einhundertprozentig ausschließen das die Sachen von einer Frau … einziges Indiz.« Herbert prügelte auf seine Stirn ein. »Der Koffer!«
Monika zuckte mit den Achseln. »Welcher Koffer?«
Grinsend schlug er, als begrüße er einen alten Kumpel, ihr auf die Schulter. »Über den du gestern gestolpert bist.«
Herbert rannte in den Flur, drehte sich um seine Achse. »Wo hast du ihn hingestellt?«
Monika folgte ihm. Sodann deutete sie auf einen Wandschrank. »Dort hinein.«
Hektisch öffnete er die Tür, zerrte den Koffer heraus, stellte ihn ihr vor die Füße und tippte das Gepäckstück an. »Wenn Damengarderobe in der Größe wie die Sachen im Schrank drin sind, dann liege ich falsch, wenn nicht …«

»Bingo!« Herbert zerrte eine zusammengeknüllte Jeans aus dem Koffer. »Passt die dir!«
Monika nahm das Fundstück entgegen, schüttelte es aus und hielt es mit den Gesäßtaschen nach vorn vor ihren Laib. »Ja! - Könnte meine Größe sein.«
Dann faltete sie die Hose zusammen, legte diese zurück, während Herbert ein Paar korallenrote Ballerina entnahm. »Deine Schuhgröße«, er glotzte in das Schuhwerk, »achtunddreißig oder neununddreißig. Die Neun könnte eine Acht sein.«
Die Zunge schnalzend stand er auf, marschierte zur Tür des zweiten Schlafzimmers, dort angekommen wandte er sich um. »Den Koffer nehmen wir mit.«
Monika salutierte, schloss den Deckel, ergriff den Bügel, während Herbert das Zimmer betrat.

Tamban riss den Kleiderschrank auf, kniete nieder und verglich das zum überwiegenden Teil erotische Schuhwerk mit dem seines Fundes. »Treffer!«, murmelte er und sah hinauf.
Es war das erste Mal, dass er den Inhalt des Schrankes begutachtete. An den Türen Gerätschaften, die einer Folterkammer Gut zu Gesicht standen, sowie auf den zwei Kleiderstangen eindeutige Kleidungstücke.
Er war ein Idiot. Nein! Fahrlässig hatte er gehandelt. Der Schrank, abgesehen von einem hüfthohen Schubladenschrank der einzige seiner Art.
Die Ballerinas unter die linke Achsel gesteckt, wandte er sich gen rechts, riss ein Schubfach nach dem anderen auf. Dessous sowie Damenstrümpfe, wie Herrensocken gerollt, erblickte er.
Herbert brauchte eine Minute zum Denken. Er schritt zum Fenster, drückte die Nase an dem Glas platt.
Die Fensterscheibe beschlug durch seinen Atem. Der Himmel war pastellblau. Im Schatten der Bäume, des wenige Schritt breiten Gartens des Reihenhauses, lag Reif auf dem Rasen. Zügig schob eine Frau in bodenlangen Mantel, die Hände in steingrauen Handschuhen gesteckt, ihre Haare, ihren Schopf unter einer mausgrauen Wollmütze versteckt, einen Kinderwagen auf einem dem Garten angrenzten Weg.


Weiter zu Herrensocke und Seidenstrumpf – Teil 2
 
Zuletzt bearbeitet:

ahorn

Mitglied
Aufgrund der erheblichen Überlänge - mehr als zehn Seiten Normtext - habe ich mich entschlossen, das Kapitel zu splitten.
Der zweite Teil erscheint in den nächsten Tagen.

Gruß an alle Leser
Ahorn
 

ahorn

Mitglied
zurück zu 9. Melonen, Kirschen und Apfelkuchen



10. Herrensocke und Seidenstrumpf - Teil 1

»Seh dich um!«
Monika hob die Schultern. »Seit gestern hat sich hier«, sie drehte sich um ihre eigene Achse und wies an die Wände, »nichts geändert.«

Wie beglückt war Herbert über seinen nervösen Magen, obwohl peinlich war es gewesen, aber besser, als sie auf den Mund zu küssen. Monika ins Gesicht zu rülpsen zweifellos weniger verhängnisvoll, als den Trieben nachzugehen. Ihre vollen Lippen, ihre prallen Brüste, der knackige Hintern in ihrer Jeans, die gleich einer zweiten Haut sie hüllte. Die Hose ihr schmeichelte, im Schritt lockte, machten es jedem Mann schwer, ihr zu widerstehen, obwohl ihr liebreizender Körper in dem Schutzanzug steckte. Herbert war ihr Vorgesetzter, nicht der buhlende Hengst. Dabei schien es ihr nichts auszumachen, Grenzen zu überschreiten. Eine Tugend, die Herbert bei Frauen schätzte und im privaten gerne freien Lauf ließ. Aber für seine Zwecke war es nachhaltiger, sie zu modellieren, ihre Neugier, ihren Wissenshunger auf Neues zu prägen, in die richtige Form zu pressen.

»Weil Mattmann immer noch nicht die Spurensicherung durch Haus gejagt hat.«
»Es ist Weihnachten«, nahm Monika ihren Kollegen in Schutz.
Herbert hob den rechten Zeigefinger. »Was kein Nachteil ist. Die von der Kriminaltechnik sind Techniker, wie der Name beschreibt, nüchtern, wissenschaftlich, unbestreitbar wichtig, um einen Fall zu lösen. Nur!« Er ballte eine Faust. »Sie stehlen die Aura.« Er fächerte sich Luft zu. »Was riechst du?«
Monika schnupperte, zuckte mit den Achseln. »Nichts!«
»Genauer! Nichts gibts nicht!«
Monika machte einen Schritt zum Bett, rümpfte ihre Nasenflügel und beugte sich vor. »Waschmittel! Lavendel!« Sie richtete den Oberkörper um neunzig Grad nach rechts gewandt auf und ging drei Schritte vor bis zu einem mausgrauen zylinderförmigen mit Kunstleder überzogenen Hocker. Mit dem linken Fuß schob sie diesen zur Seite, beugte ihren Rumpf, bis ihre Nasenspitze die Platte des ebenfalls grauen tageszeitungsgroßen Tischs berührte. »Haushaltsreiniger! Zitrone!«
Herbert winkte sie heran. Sie trat auf ihn zu, legte ihre Wange an seine Oberkörper. »Achselschweiß!«
Er sengte den Kopf, schloss die Augen und atmete durch die Nase ein. »Apfel und Melone!«
Monika stieß sich von seiner Brust ab. »Was soll das?«
»Denken!«
Sie kniff ihr linken Auge zu.

»Hast du eine Garderobe?«, fragte Herbert.
Monika zog ihren rechten Mundwinkel empor und richtete ihren Blick zur Zimmerdecke. »Ja! Nein!«
»Wie nun?«
»Ein Kleiderhaken und ein Schuhschrank«, antwortete sie und schlug mit der Handkante an ihre Hüfte. »Wenn du das so bezeichnest.«
»Was liegt auf diesem Schrank?«
Sie kratzte sich im Genick. »Eine Bürste, Haargummis«, sie grinste, »und eine«, sie spreizte Daumen und Zeigefinger ab, »eine Blumenvase mit vertrocknetet na ja.«
»Lippenstift, Puder«, vervollständigte er ihre Aufzählung.
»Ne, Puder nicht! Hab keinen Spiegel.«
»Deo, Parfüm«, setzte Tamban fort, ohne auf ihren Einwand einzugehen.
Sie stemmte die Fäuste in ihre Taille. »Woher weißt du das?«
Herbert verdrehte die Augen. »Dein Handschuhfach! Make-up, Lippenstift, Deodorant, alles was Frau so braucht. Eine gepflegte Dame für ihr Äußeres benötigt. Seh dich um!«
Monika drehte sich um ihre Achse.
»Nichts!«, antwortet Herbert für sie.
»Vielleicht schminkt er sich nicht.«
»Er?«

Ein Lächeln auf den Lippen leckte sie den Kopf auf ihre Schulter. »Du hast vorhin gesagt, dass unser Tote eine Transe war.«
»Vergiss es!« Er zwirbelte seinen Schnauzer. »Indizien – Annahme falsch!«
»Somit lebt in diesem Zimmer eine Frau.«
»Nein!«
»Du verwirrst mich.«
»Öffne die Kleiderschränke!«
Monika kam seiner Aufforderung nach und stellte sich, die Beine gekreuzt, die Hüfte zur Linken, die Arme verschränkt vor die zwei geöffneten Schränke.

Herbert schob sich an ihr vorbei, glitt mit dem Zeigefinger über die Kleiderstange des linken zweiflügligen Schranks. »Kleider!« Er hockte sich nieder, klopfte gegen Absätze. »Damenschuhe!« Dann drehte er sich nach rechts, zog die unterste Schublade auf, griff hinein und entnahm eine Verpackung. »Damenstrümpfe neu!«
»Strumpfhose«, verbesserte Monika ihn.
Herbert warf den Umschlag Monika vor die Füße. »Damenstrumpfhose neu!« Dann zog er die nächste Schublade auf, schielte hinein. »Damenslips weiß, schwarz mit Spitze!« Ohne hinzusehen, zog er die Nächste auf. »Büstenhalter!« Herbert stand auf, widmete sich dem letzten Schubfach, griff herein, holte einen seidigen Stoff hervor und hielt sich diesen vor den Bauch. »Damennachthemd!« Die Lippen zu einem Grinsen verzogen, klappte er ein Papieretikett herum. »Neu!«
Herbert widmete sich dem zweiten, einflügeligen Schrank, tippte auf die Bügel, die auf der unteren Stange hingen. »Röcke zehn!«

Monika schubste Herbert beiseite. »Und zehn Blusen.« Sie streckte ihre zur Faust geballten Hände zur Decke. »Von mir aus neu. Was soll der Blödsinn?« Sie drehte sich auf dem Absatz um, verschränkte die Arme und starrte ihn, die Stirn in Falten, an. »Eine normale Garderobe einer von mir aus eleganten Dame.«
Ohne eine Miene zu verziehen, griff Herbert in den Kleiderschrank und schnappte sich einen Kleiderbügel von der oberen Stange, der einsam inmitten seiner behangenen Leidensgenossen ruhte. »Neun Blusen!« Grinsend strich er über den Bügel. »Eine fehlte. Sowie«, er zupfte an den Ärmeln, »zwei Blazer.«

Monika trat an Herbert heran und legte zärtlich ihren Arm um seine Taille. »Du bist ein brillanter Ermittler, aber wie haben unten einen Tatort und du«, sie sah zu ihm auf, »interessierst dich für dieses Zimmer.«
Er nahm ihre Hand zwischen die seinigen. »Weil es wichtig ist.« Er drehte sich um, strich über einen der Röcke. »Wie würdest du die Sachen beschreiben?«
Sie verdrehte die Augen. »Elegant! Business Outfit!«
»Erneut meine Frage. Schminkt sie sich, pflegt ihr Äußeres?«
»Bestimmt!«
»Wo sind ihre Toilettenartikel?«
»Im Bad!«
»Dort zieht sie sich an?«
»Wieso?«
»Ich bin seit langem verheiratet, hatte viele Frauen, aber keine die sich im Bad …« Er schritt zur Zimmertür. »Körperpflege klar! Danach in Unterwäsche, oder«, er umfasste den Oberkörper, »mit einem Badetuch bedeckt zurück. Die Haare nass, shampooniert, mit einer Haarkur behandelt, eingewickelt in ein Handtuch, in ihre Kleider zu schlüpfen.«
»Ich verstehe dich nicht!«
Herbert schnüffelte. »Wo ist ihr Geruch. Hat sie ihn im Bad versteckt?« Er stürmte erneut zum Kleiderschrank. »Schau hin. Sehe nicht nach, was da ist, sondern was fehlt!«
»Das hatten wir bereits. Keine Hosen, keine Pullover. Dann trägt sie eben keine.«
»Und wenn. Ich weiß ja nicht, wie dein Kleiderschrank aussieht, aber der meiner Frau quilt über. Kein bequemer Rock, kein schlichtes Kleid, läuft sie nur aufgetakelt herum?« Herbert marschierte zum Fenster. »Hier wohnt niemand!« Er kehrte auf dem Absatz um. »Was machen die Sachen hier. Der Toten gehörten sie nicht.«
Monika leckte sich über die Oberlippe. »Vielleicht ist der Tote doch eine Transe?«
»Habe dir gesagt war eine Fehlinterpretation.« Er wandte sein Gesicht zu Monika. »Ich dachte, ich fände hier etwas.« Herbert zwirbelte seinen Bart. »Nackt, barfuß nur in ein Weihnachtsmannkostüm erschien er bestimmt nicht.« Erneut ergriff er den leeren Kleiderbügel. »Zog sich eine Bluse …«

Herbert stockte. Er war öfters daran vorbeigelaufen, aber er hatte es nicht beachtet. Den Bügel zwischen den Fingern, schritt er zum Papierkorb, der unter dem Tisch stand, beugte sich nieder und fischte eine Plastikverpackung heraus. »Und eine Strumpfhose an.«
»Bitte!« Monika ging zu ihm, schnappte sich die Verpackung. »Nee! Halterlose, 60 den schwarz.« Sie schmunzelte. »Welche Frau zieht den sowas über.«
»Wie?«
»Männer! Ihr habt wirklich keine Ahnung.« Monika tippte auf ihr Brustbein. »Also ich für mein Teil, schlüpfe in Strümpfe, damit ich«, sie hob ihr rechtes Bein, »sexy aussehen, aber blickdicht! Strumpfhosen im Winter, sodass ich nicht friere aber …«
»Es ist Winter«, konterte Herbert.
»Männer! Sag ich doch! Zieh dir einen Rock an, stecke deine Beine in Halterlose und laufe draußen herum. Deine Waden sind dann warm und dein Arsch ist eiskalt. Das hat mit Erotik nichts zu tun.«
Herbert grinste und umarmte sie. »Ich könnt dich küssen!«

Monika legte ihre Arme um seinen Hals und schloss erwartungsvoll die Augen.
Sein Herz klopfte. Hormone schossen ihm ins Blut. Er spürte die Erregung zwischen seinen Beinen. Sie wehrte sich nicht, als er ihren Hintern betatschte, ihr Gesäß knetete. Dafür strich ihr rechter Oberschenkel über seinen Linken. Herbert Finger der Rechten berührten ihre Taille, ihren Bauch, bis die Fingerspitzen Monikas Busen ertasteten. Das Bett lockte ihn, schrie danach seiner Bestimmung nachzugehen. Ein Schritt nach vorn bei der Vereinigung ihrer Lippen genügte, um ihren Körper zu betten. Sein rechter Arm spannte sich.

Herbert räusperte. „Ein Mann hat die Kleidung gekauft“, seine Hand zielte auf den Schrank, „hier verwahrt!“
Monika torkelte, fing sich. „Also doch!“
„Nein!“
Ein größeres Spiel, als nur ein abscheuliches Meucheln bot ihm die Tat. Ein ähnliches Schauspiel hatte man mit ihm bereits gespielt. Von ganz oben gedeckt, die Tat im Archiv verschwunden. Damals hatte er nicht exakt ermittelt, die Fehler nicht wieder gut gemacht.
„Wir müssen einhundertprozentig ausschließen das die Sachen von einer Frau … einziges Indiz.“ Herbert prügelte auf seine Stirn ein. „Der Koffer!“
Monika zuckte mit den Achseln. „Welcher Koffer?“
Grinsend schlug er, als begrüße er einen alten Kumpel, ihr auf die Schulter. „Über den du gestern gestolpert bist.“
Herbert rannte in den Flur, drehte sich um seine Achse. „Wo hast du ihn hingestellt?“
Monika folgte ihn und wies auf einen Wandschrank. „Dort hinein.“
Hektisch öffnete er die Tür, zog den Koffer heraus, stellte ihn ihr vor die Füße und tippte das Gepäckstück an. „Wenn Damenkleidung in der Größe der Sachen im Schrank sind, dann liege ich falsch, wenn nicht …“

»Bingo!« Herbert zerrte eine zusammengeknüllte Jeans aus dem Koffer. »Passt die dir!«
Monika nahm das Fundstück entgegen, schüttelte es aus und hielt es mit den Gesäßtaschen nach vorn vor ihren Laib. »Ja! - Könnte meine Größe sein.«
Dann faltete sie die Hose zusammen, legte sie zurück, während Herbert ein Paar korallenrote Ballerina entnahm. »Deine Schuhgröße«, er glotzte in das Schuhwerk, »achtunddreißig, neununddreißig.«
Die Zunge schnalzend stand er auf, marschierte zur Tür des zweiten Schlafzimmers, dort angekommen wandte er sich um. »Den Koffer nehmen wir mit.«
Monika salutierte, schloss den Deckel, ergriff den Bügel und Herbert betrat das Zimmer.

Tamban riss den Kleiderschrank auf, kniete nieder und verglich das zum überwiegenden Teil erotische Schuhwerk mit dem seines Fundes. »Treffer!«, murmelte er und sah hinauf.
Es war das erste Mal, dass er den Inhalt des Schrankes begutachtete. An den Türen Gerätschaften die einer Folterkammer Gurt zu Gesicht standen und auf den zwei Kleiderstangen eindeutige Kleidungstücke.
Er war ein Idiot. Nein! Fahrlässig hatte er gehandelt. Der Schrank, abgesehen von einem hüfthohen Schubladenschrank der einzige seiner Art.
Die Ballerinas unter die linke Achsel gesteckt, wandte er sich gen rechts, riss ein Schubfach nach dem anderen auf. Dessous und Damenstrümpfe, wie Herrensocken gerollt, erblickte er.
Herbert brauchte eine Minute zum Denken. Er schritt zum Fenster, drückte die Nase an dem Glas platt. Die Fensterscheibe beschlug durch seinen Atem. Der Himmel war pastellblau. Im Schatten der Bäume, des wenige Schritt breiten Garten des Reihenhauses, lag Reif auf dem Rasen. Zügig schob eine Frau in bodenlangen Mantel, die Hände in steingrauen Handschuhen, einer mausgrauen Wollmütze auf dem Schopf, einen Kinderwagen auf einem dem Garten angrenzten Weg.


weiter zum nächsten Teil 11. Herrensocke und Seidenstrumpf - Teil 2
 

ahorn

Mitglied
zurück zu 9. Melonen, Kirschen und Apfelkuchen



10. Herrensocke und Seidenstrumpf - Teil 1

»Seh dich um!«
Monika hob die Schultern. »Seit gestern hat sich hier«, sie drehte sich um ihre eigene Achse und wies an die Wände, »nichts geändert.«

Wie beglückt war Herbert über seinen nervösen Magen, obwohl peinlich war es gewesen, aber besser, als sie auf den Mund zu küssen. Monika ins Gesicht zu rülpsen zweifellos weniger verhängnisvoll, als den Trieben nachzugehen. Ihre vollen Lippen, ihre prallen Brüste, der knackige Hintern in ihrer Jeans, die gleich einer zweiten Haut sie hüllte. Die Hose ihr schmeichelte, im Schritt lockte, machten es jedem Mann schwer, ihr zu widerstehen, obwohl ihr liebreizender Körper in dem Schutzanzug steckte. Herbert war ihr Vorgesetzter, nicht der buhlende Hengst. Dabei schien es ihr nichts auszumachen, Grenzen zu überschreiten. Eine Tugend, die Herbert bei Frauen schätzte und im privaten gerne freien Lauf ließ. Aber für seine Zwecke war es nachhaltiger, sie zu modellieren, ihre Neugier, ihren Wissenshunger auf Neues zu prägen, in die richtige Form zu pressen.

»Weil Mattmann immer noch nicht die Spurensicherung durch Haus gejagt hat.«
»Es ist Weihnachten«, nahm Monika ihren Kollegen in Schutz.
Herbert hob den rechten Zeigefinger. »Was kein Nachteil ist. Die von der Kriminaltechnik sind Techniker, wie der Name beschreibt, nüchtern, wissenschaftlich, unbestreitbar wichtig, um einen Fall zu lösen. Nur!« Er ballte eine Faust. »Sie stehlen die Aura.« Er fächerte sich Luft zu. »Was riechst du?«
Monika schnupperte, zuckte mit den Achseln. »Nichts!«
»Genauer! Nichts gibts nicht!«
Monika machte einen Schritt zum Bett, rümpfte ihre Nasenflügel und beugte sich vor. »Waschmittel! Lavendel!« Sie richtete den Oberkörper um neunzig Grad nach rechts gewandt auf und ging drei Schritte vor bis zu einem mausgrauen zylinderförmigen mit Kunstleder überzogenen Hocker. Mit dem linken Fuß schob sie diesen zur Seite, beugte ihren Rumpf, bis ihre Nasenspitze die Platte des ebenfalls grauen tageszeitungsgroßen Tischs berührte. »Haushaltsreiniger! Zitrone!«
Herbert winkte sie heran. Sie trat auf ihn zu, legte ihre Wange an seine Oberkörper. »Achselschweiß!«
Er sengte den Kopf, schloss die Augen und atmete durch die Nase ein. »Apfel und Melone!«
Monika stieß sich von seiner Brust ab. »Was soll das?«
»Denken!«
Sie kniff ihr linken Auge zu.

»Hast du eine Garderobe?«, fragte Herbert.
Monika zog ihren rechten Mundwinkel empor und richtete ihren Blick zur Zimmerdecke. »Ja! Nein!«
»Wie nun?«
»Ein Kleiderhaken und ein Schuhschrank«, antwortete sie und schlug mit der Handkante an ihre Hüfte. »Wenn du das so bezeichnest.«
»Was liegt auf diesem Schrank?«
Sie kratzte sich im Genick. »Eine Bürste, Haargummis«, sie grinste, »und eine«, sie spreizte Daumen und Zeigefinger ab, »eine Blumenvase mit vertrocknetet na ja.«
»Lippenstift, Puder«, vervollständigte er ihre Aufzählung.
»Ne, Puder nicht! Hab keinen Spiegel.«
»Deo, Parfüm«, setzte Tamban fort, ohne auf ihren Einwand einzugehen.
Sie stemmte die Fäuste in ihre Taille. »Woher weißt du das?«
Herbert verdrehte die Augen. »Dein Handschuhfach! Make-up, Lippenstift, Deodorant, alles was Frau so braucht. Eine gepflegte Dame für ihr Äußeres benötigt. Seh dich um!«
Monika drehte sich um ihre Achse.
»Nichts!«, antwortet Herbert für sie.
»Vielleicht schminkt er sich nicht.«
»Er?«

Ein Lächeln auf den Lippen leckte sie den Kopf auf ihre Schulter. »Du hast vorhin gesagt, dass unser Tote eine Transe war.«
»Vergiss es!« Er zwirbelte seinen Schnauzer. »Indizien – Annahme falsch!«
»Somit lebt in diesem Zimmer eine Frau.«
»Nein!«
»Du verwirrst mich.«
»Öffne die Kleiderschränke!«
Monika kam seiner Aufforderung nach und stellte sich, die Beine gekreuzt, die Hüfte zur Linken, die Arme verschränkt vor die zwei geöffneten Schränke.

Herbert schob sich an ihr vorbei, glitt mit dem Zeigefinger über die Kleiderstange des linken zweiflügligen Schranks. »Kleider!« Er hockte sich nieder, klopfte gegen Absätze. »Damenschuhe!« Dann drehte er sich nach rechts, zog die unterste Schublade auf, griff hinein und entnahm eine Verpackung. »Damenstrümpfe neu!«
»Strumpfhose«, verbesserte Monika ihn.
Herbert warf den Umschlag Monika vor die Füße. »Damenstrumpfhose neu!« Dann zog er die nächste Schublade auf, schielte hinein. »Damenslips weiß, schwarz mit Spitze!« Ohne hinzusehen, zog er die Nächste auf. »Büstenhalter!« Herbert stand auf, widmete sich dem letzten Schubfach, griff herein, holte einen seidigen Stoff hervor und hielt sich diesen vor den Bauch. »Damennachthemd!« Die Lippen zu einem Grinsen verzogen, klappte er ein Papieretikett herum. »Neu!«
Herbert widmete sich dem zweiten, einflügeligen Schrank, tippte auf die Bügel, die auf der unteren Stange hingen. »Röcke zehn!«

Monika schubste Herbert beiseite. »Und zehn Blusen.« Sie streckte ihre zur Faust geballten Hände zur Decke. »Von mir aus neu. Was soll der Blödsinn?« Sie drehte sich auf dem Absatz um, verschränkte die Arme und starrte ihn, die Stirn in Falten, an. »Eine normale Garderobe einer von mir aus eleganten Dame.«
Ohne eine Miene zu verziehen, griff Herbert in den Kleiderschrank und schnappte sich einen Kleiderbügel von der oberen Stange, der einsam inmitten seiner behangenen Leidensgenossen ruhte. »Neun Blusen!« Grinsend strich er über den Bügel. »Eine fehlte. Sowie«, er zupfte an den Ärmeln, »zwei Blazer.«

Monika trat an Herbert heran und legte zärtlich ihren Arm um seine Taille. »Du bist ein brillanter Ermittler, aber wie haben unten einen Tatort und du«, sie sah zu ihm auf, »interessierst dich für dieses Zimmer.«
Er nahm ihre Hand zwischen die seinigen. »Weil es wichtig ist.« Er drehte sich um, strich über einen der Röcke. »Wie würdest du die Sachen beschreiben?«
Sie verdrehte die Augen. »Elegant! Business Outfit!«
»Erneut meine Frage. Schminkt sie sich, pflegt ihr Äußeres?«
»Bestimmt!«
»Wo sind ihre Toilettenartikel?«
»Im Bad!«
»Dort zieht sie sich an?«
»Wieso?«
»Ich bin seit langem verheiratet, hatte viele Frauen, aber keine die sich im Bad …« Er schritt zur Zimmertür. »Körperpflege klar! Danach in Unterwäsche, oder«, er umfasste den Oberkörper, »mit einem Badetuch bedeckt zurück. Die Haare nass, shampooniert, mit einer Haarkur behandelt, eingewickelt in ein Handtuch, in ihre Kleider zu schlüpfen.«
»Ich verstehe dich nicht!«
Herbert schnüffelte. »Wo ist ihr Geruch. Hat sie ihn im Bad versteckt?« Er stürmte erneut zum Kleiderschrank. »Schau hin. Sehe nicht nach, was da ist, sondern was fehlt!«
»Das hatten wir bereits. Keine Hosen, keine Pullover. Dann trägt sie eben keine.«
»Und wenn. Ich weiß ja nicht, wie dein Kleiderschrank aussieht, aber der meiner Frau quilt über. Kein bequemer Rock, kein schlichtes Kleid, läuft sie nur aufgetakelt herum?« Herbert marschierte zum Fenster. »Hier wohnt niemand!« Er kehrte auf dem Absatz um. »Was machen die Sachen hier. Der Toten gehörten sie nicht.«
Monika leckte sich über die Oberlippe. »Vielleicht ist der Tote doch eine Transe?«
»Habe dir gesagt war eine Fehlinterpretation.« Er wandte sein Gesicht zu Monika. »Ich dachte, ich fände hier etwas.« Herbert zwirbelte seinen Bart. »Nackt, barfuß nur in ein Weihnachtsmannkostüm erschien er bestimmt nicht.« Erneut ergriff er den leeren Kleiderbügel. »Zog sich eine Bluse …«

Herbert stockte. Er war öfters daran vorbeigelaufen, aber er hatte es nicht beachtet. Den Bügel zwischen den Fingern, schritt er zum Papierkorb, der unter dem Tisch stand, beugte sich nieder und fischte eine Plastikverpackung heraus. »Und eine Strumpfhose an.«
»Bitte!« Monika ging zu ihm, schnappte sich die Verpackung. »Nee! Halterlose, 60 den schwarz.« Sie schmunzelte. »Welche Frau zieht den sowas über.«
»Wie?«
»Männer! Ihr habt wirklich keine Ahnung.« Monika tippte auf ihr Brustbein. »Also ich für mein Teil, schlüpfe in Strümpfe, damit ich«, sie hob ihr rechtes Bein, »sexy aussehen, aber blickdicht! Strumpfhosen im Winter, sodass ich nicht friere aber …«
»Es ist Winter«, konterte Herbert.
»Männer! Sag ich doch! Zieh dir einen Rock an, stecke deine Beine in Halterlose und laufe draußen herum. Deine Waden sind dann warm und dein Arsch ist eiskalt. Das hat mit Erotik nichts zu tun.«
Herbert grinste und umarmte sie. »Ich könnt dich küssen!«

Monika legte ihre Arme um seinen Hals und schloss erwartungsvoll die Augen.
Sein Herz klopfte. Hormone schossen ihm ins Blut. Er spürte die Erregung zwischen seinen Beinen. Sie wehrte sich nicht, als er ihren Hintern betatschte, ihr Gesäß knetete. Dafür strich ihr rechter Oberschenkel über seinen Linken. Herbert Finger der Rechten berührten ihre Taille, ihren Bauch, bis die Fingerspitzen Monikas Busen ertasteten. Das Bett lockte ihn, schrie danach seiner Bestimmung nachzugehen. Ein Schritt nach vorn bei der Vereinigung ihrer Lippen genügte, um ihren Körper zu betten. Sein rechter Arm spannte sich.

Herbert räusperte. „Ein Mann hat die Kleidung gekauft“, seine Hand zielte auf den Schrank, „hier verwahrt!“
Monika torkelte, fing sich. „Also doch!“
„Nein!“
Ein größeres Spiel, als nur ein abscheuliches Meucheln bot ihm die Tat. Ein ähnliches Schauspiel hatte man mit ihm bereits gespielt. Von ganz oben gedeckt, die Tat im Archiv verschwunden. Damals hatte er nicht exakt ermittelt, die Fehler nicht wieder gut gemacht.
„Wir müssen einhundertprozentig ausschließen das die Sachen von einer Frau … einziges Indiz.“ Herbert prügelte auf seine Stirn ein. „Der Koffer!“
Monika zuckte mit den Achseln. „Welcher Koffer?“
Grinsend schlug er, als begrüße er einen alten Kumpel, ihr auf die Schulter. „Über den du gestern gestolpert bist.“
Herbert rannte in den Flur, drehte sich um seine Achse. „Wo hast du ihn hingestellt?“
Monika folgte ihn und wies auf einen Wandschrank. „Dort hinein.“
Hektisch öffnete er die Tür, zog den Koffer heraus, stellte ihn ihr vor die Füße und tippte das Gepäckstück an. „Wenn Damenkleidung in der Größe der Sachen im Schrank sind, dann liege ich falsch, wenn nicht …“

»Bingo!« Herbert zerrte eine zusammengeknüllte Jeans aus dem Koffer. »Passt die dir!«
Monika nahm das Fundstück entgegen, schüttelte es aus und hielt es mit den Gesäßtaschen nach vorn vor ihren Laib. »Ja! - Könnte meine Größe sein.«
Dann faltete sie die Hose zusammen, legte sie zurück, während Herbert ein Paar korallenrote Ballerina entnahm. »Deine Schuhgröße«, er glotzte in das Schuhwerk, »achtunddreißig, neununddreißig.«
Die Zunge schnalzend stand er auf, marschierte zur Tür des zweiten Schlafzimmers, dort angekommen wandte er sich um. »Den Koffer nehmen wir mit.«
Monika salutierte, schloss den Deckel, ergriff den Bügel und Herbert betrat das Zimmer.

Tamban riss den Kleiderschrank auf, kniete nieder und verglich das zum überwiegenden Teil erotische Schuhwerk mit dem seines Fundes. »Treffer!«, murmelte er und sah hinauf.
Es war das erste Mal, dass er den Inhalt des Schrankes begutachtete. An den Türen Gerätschaften die einer Folterkammer Gurt zu Gesicht standen und auf den zwei Kleiderstangen eindeutige Kleidungstücke.
Er war ein Idiot. Nein! Fahrlässig hatte er gehandelt. Der Schrank, abgesehen von einem hüfthohen Schubladenschrank der einzige seiner Art.
Die Ballerinas unter die linke Achsel gesteckt, wandte er sich gen rechts, riss ein Schubfach nach dem anderen auf. Dessous und Damenstrümpfe, wie Herrensocken gerollt, erblickte er.
Herbert brauchte eine Minute zum Denken. Er schritt zum Fenster, drückte die Nase an dem Glas platt. Die Fensterscheibe beschlug durch seinen Atem. Der Himmel war pastellblau. Im Schatten der Bäume, des wenige Schritt breiten Garten des Reihenhauses, lag Reif auf dem Rasen. Zügig schob eine Frau in bodenlangen Mantel, die Hände in steingrauen Handschuhen, einer mausgrauen Wollmütze auf dem Schopf, einen Kinderwagen auf einem dem Garten angrenzten Weg.


weiter zum nächsten Teil 11. Herrensocke und Seidenstrumpf - Teil 2
 

ahorn

Mitglied
Zurück zum Klappentext
zurück zu 9. Melonen, Kirschen und Apfelkuchen


10. Herrensocke und Seidenstrumpf - Teil 1

»Seh dich um!«
Monika hob die Schultern. »Seit gestern hat sich hier«, sie drehte sich um ihre eigene Achse und wies an die Wände, »nichts geändert.«

Wie beglückt war Herbert über seinen nervösen Magen, obwohl Pein in ihm aufkam. Gleichwohl redlicher als sie im Dienst auf den Mund zu küssen. Monika ins Gesicht zu rülpsen ohne Zweifel minder verhängnisvoll, als seinen Trieben nachzugehen.
Ihre vollen Lippen, ihre prallen Brüste, der knackige Hintern in ihrer Jeans, jene gleich einer zweiten Haut sie hüllte. Die Hose ihr schmeichelte, ihr Schritt ihn lockte, machten es jedem Mann schwer, ihr zu widerstehen, obwohl ihr liebreizender Körper in dem Schutzanzug steckte. Herbert war ihr Vorgesetzter, nicht der buhlende Hengst. Dabei schien es ihr nichts auszumachen, Grenzen zu überschreiten. Eine Tugend, die Herbert bei Frauen schätzte und im Privaten gerne freien Lauf ließ.
Für seine Zwecke war es nachhaltiger, sie zu modellieren, ihre Neugier, ihren Wissenshunger auf Neues zu prägen, in die richtige Form zu pressen.

»Weil Mattmann noch nicht die Spurensicherung durch Haus gejagt hat.«
»Es ist Weihnachten«, nahm Monika ihren Kollegen in Schutz.
Herbert hob den rechten Zeigefinger. »Was kein Nachteil ist. Die von der Kriminaltechnik sind Techniker, wie der Name beschreibt, nüchtern, wissenschaftlich, unbestreitbar unverzichtbar, um einen Fall zu lösen. Nur!« Er ballte eine Faust. »Sie stehlen die Aura.« Er fächerte sich Luft zu. »Was riechst du?«
Monika schnupperte, zuckte mit den Achseln. »Nichts!«
»Genauer! Nichts gibts nicht!«
Monika machte einen Schritt zum Bett, rümpfte ihre Nasenflügel und beugte sich vor. »Waschmittel! Lavendel!« Sie richtete den Oberkörper um neunzig Grad nach rechts, sodann ging sie drei Schritte vor, bis ein mausgrauer zylinderförmiger mit Kunstleder überzogenen Hocker ihr den Weg versperrte. Mit dem linken Fuß schob sie diesen zur Seite, beugte ihren Rumpf, bis ihre Nasenspitze die Platte des ebenfalls grauen tageszeitungsgroßen Tischs berührte. »Haushaltsreiniger! Zitrone!«
Herbert winkte sie heran. Sie trat auf ihn zu, legte ihre Wange an seine Oberkörper. »Achselschweiß!«
Er sengte den Kopf, schloss die Augen und atmete durch die Nase ein. »Apfel und Melone!«
Monika stieß sich von seiner Brust ab. »Was soll das?«
»Denken!«
Sie kniff ihr linken Auge zu.

»Hast du eine Garderobe?«, fragte Herbert.
Monika zog ihren rechten Mundwinkel empor und richtete ihren Blick gen Zimmerdecke. »Ja! Nein!«
»Wie nun?«
»Ein Kleiderhaken und ein Schuhschrank«, antwortete sie und schlug mit der Handkante an ihre Hüfte. »Wenn du das so bezeichnest.«
»Was liegt auf diesem Schrank?«
Sie kratzte sich im Genick. »Eine Bürste, Haargummis«, sie grinste, »ferner eine«, sie spreizte Daumen und Zeigefinger ab, »eine Blumenvase mit vertrocknetet na ja.«
»Lippenstift, Puder«, vervollständigte er ihre Aufzählung.
»Ne, Puder nicht! Hab keinen Spiegel.«
»Deo, Parfüm«, setzte Tamban fort, ohne auf ihren Einwand einzugehen.
Sie stemmte die Fäuste in ihre Taille. »Woher weißt du das?«
Herbert verdrehte die Augen. »Dein Handschuhfach! Make-up, Lippenstift, Deodorant, alles was Frau braucht. Eine gepflegte Dame für ihr Äußeres benötigt. Schau dich um!«
Monika drehte sich um ihre Achse.
»Nichts!«, antwortet Herbert für sie.
»Vielleicht schminkt er sich nicht.«
»Er?«

Ein Lächeln auf den Lippen lehnte sie ihren Kopf zur Seite. »Du hast gesagt, vermutet, dass unser Tote eine Transe war.«
»Vergiss es!« Er zwirbelte seinen Schnauzer. »Indizien – Annahme falsch!«
»Somit lebt in diesem Zimmer eine Frau.«
»Nein!«
»Du verwirrst mich.«
»Öffne die Kleiderschränke!«
Monika kam seiner Aufforderung nach. Sie stellte sich, die Beine gekreuzt, die Hüfte zur Linken, die Arme verschränkt vor die zwei geöffneten Schränke.

Herbert schob sich an ihr vorbei, glitt mit dem Zeigefinger über die Kleiderstange des linken zweiflügligen Schranks. »Kleider!« Er hockte sich nieder, klopfte gegen Absätze. »Damenschuhe!« Dann drehte er sich nach rechts, riss die unterste Schublade auf, fasste hinein und entnahm eine Verpackung. »Damenstrümpfe. Neu!«, murmelte er.
»Strumpfhose«, verbesserte Monika ihn.
Herbert warf den Umschlag Monika vor die Füße. »Damenstrumpfhose. Neu!«, verbesserte er seine Aussage. Sogleich zog er die nächste Schublade auf, schielte herein. »Damenslips weiß, schwarz. Mit Spitze!« Ohne hinzusehen, öffnete er die Nächste. »Büstenhalter. Neu!«
Er stand auf, widmete sich dem letzten Schubfach. Die Lippen gepresst, fasste er hinein, ergriff einen seidigen Stoff. Diesen hielt er sich vor den Bauch, derweil er grinste. »Damennachthemd.« Er klappte ein Papieretikett herum. »Neu!«
Herbert widmete sich dem zweiten, einflügeligen Schrank, tippte auf die Bügel, welche auf der unteren Stange hingen. »Röcke. Zehn!«

Monika schubste Herbert beiseite. »Zehn Blusen.« Sie streckte ihre zur Faust geballten Hände zur Decke. »Von mir aus neu. Was soll der Blödsinn?« Sie drehte sich auf dem Absatz um, verschränkte die Arme. Sodann starrte sie ihn an, wobei sie ihre Stirn runzelte. »Eine normale Garderobe einer von mir aus eleganten Dame.«
Ohne eine Miene zu verziehen, griff Herbert in den Kleiderschrank und schnappte sich einen Kleiderbügel von der oberen Stange, jener der einsam inmitten seiner behangenen Leidensgenossen ruhte. »Neun Blusen!« Grinsend strich er über den Bügel. »Eine fehlte. Sowie«, er zupfte an den Ärmeln, »zwei Blazer.«

Monika trat an Herbert heran.
Sie legte sogleich ihren Arm um seine Taille. »Du bist ein brillanter Ermittler, aber wir haben unten einen Tatort und du«, sie sah zu ihm auf, »interessierst dich für dieses Zimmer.«
Er nahm ihre Hand zwischen die seinigen. »Weil es von Belang ist.« Er drehte sich um, strich über einen der Röcke. »Wie würdest du die Sachen beschreiben?«
Sie verdrehte die Augen. »Elegant. Business Outfit!«
»Erneut meine Frage. Schminkt sie sich, pflegt ihr Äußeres?«
»Bestimmt!«
»Wo sind ihre Toilettenartikel?«
»Im Bad?«
»Dort zieht sie sich an?«
»Wieso?«
»Ich bin seit Langem verheiratet, hatte viele Frauen, aber keine die sich im Bad …« Er schritt zur Zimmertür. »Körperpflege klar! Danach in Unterwäsche, oder«, er umfasste den Oberkörper, »mit einem Badetuch bedeckt zurück. Die Haare nass, shampooniert, mit einer Haarkur behandelt, eingewickelt in ein Handtuch, in ihre Kleider zu schlüpfen.«
»Ich verstehe dich nicht!«
Herbert schnüffelte. »Wo ist ihr Geruch. Hat sie ihn im Bad versteckt?« Er stürmte erneut zum Kleiderschrank. »Schau hin. Sehe nicht nach, was da ist, sondern was fehlt!«
»Das hatten wir bereits. Keine Hosen, keine Pullover. Dann trägt sie keine.«
»Ich weiß nicht, wie der Inhalt deines Kleiderschrankes aussieht. Der meiner Frau quilt über. Kein bequemer Rock, kein schnörkellos Kleid, läuft sie jeden Tag, jede Stunde aufgetakelt herum?« Herbert marschierte zum Fenster. »Hier wohnt niemand!« Er kehrte auf dem Absatz um. »Was machen die Sachen hier. Der Toten gehörten sie nicht.«
Monika leckte sich über die Oberlippe. »Vielleicht ist der Tote doch eine Transe?«
»Habe dir gesagt, war eine Fehlinterpretation.« Er wandte sein Gesicht zu Monika. »Ich dachte, ich fände hier etwas.« Herbert zwirbelte seinen Bart. »Nackt, barfuß nur in ein Weihnachtsmannkostüm erschien er bestimmt nicht.« Erneut erfasste er den leeren Kleiderbügel. »Zog sich eine Bluse …«

Herbert stockte. Er war öfters daran vorbeigelaufen, aber er hatte es nicht beachtet. Den Bügel zwischen den Fingern, schritt er zum Papierkorb, der unter dem Tisch stand, beugte sich nieder und fischte eine Plastikverpackung heraus. »Und eine Strumpfhose an.«
»Bitte!« Monika ging zu ihm, schnappte sich die Verpackung. »Halterlose, 60 den schwarz.« Sie schmunzelte. »Welche Frau zieht den sowas über.«
»Wie?«
»Männer! Ihr habt keinen Schimmer.« Monika tippte auf ihr Brustbein. »Ich für mein Teil, schlüpfe in Strümpfe, damit ich«, sie hob ihr rechtes Bein, »sexy aussehen, aber blickdicht! Strumpfhosen im Winter, sodass ich nicht friere aber …«
»Es ist Winter«, konterte Herbert.
»Männer! Sag ich doch! Zieh dir einen Rock an, stecke deine Beine in Halterlose und laufe draußen herum. Deine Waden sind warm und dein Arsch ist eiskalt. Hat das mit Erotik zu tun?«
Herbert grinste und umarmte sie. »Ich könnte dich küssen.«

Monika legte ihre Arme um seinen Hals und schloss die Augen.
Sein Herz klopfte. Hormone schossen ihm ins Blut. Er verspürte die Unruhe zwischen seinen Beinen. Sie wehrte sich nicht, als er ihren Hintern betatschte, ihr Gesäß knetete. Dafür strich ihr rechter Oberschenkel über seinen Linken. Herbert Finger berührten ihre Taille, ihren Bauch, bis die Fingerspitzen Monikas Busen ertasteten. Das Bett lockte ihn, schrie danach seinem Zweck nachzugehen. Ein Schritt nach vorn beim Bund ihrer Lippen genügte, um ihren Körper in die Waagerechte zu bringen. Sein rechter Arm spannte sich.

Herbert räusperte. »Ein Mann hat die Textilien gekauft«, seine Hand zielte auf den Schrank, »hier verwahrt.«
Monika torkelte, fing sich. »Also doch!«
»Nein!«
Ein größeres Spiel, als ein abscheuliches Meucheln bot ihm die Tat. Ein ähnliches Schauspiel hatte man mit ihm bereits gespielt. Von oben gedeckt, war die Tat im Archiv verschwunden. Damals hatte er nicht exakt ermittelt. Die Fehler nicht wieder gut gemacht.
»Wir müssen einhundertprozentig ausschließen das die Sachen von einer Frau … einziges Indiz.« Herbert prügelte auf seine Stirn ein. »Der Koffer!«
Monika zuckte mit den Achseln. »Welcher Koffer?«
Grinsend schlug er, als begrüße er einen alten Kumpel, ihr auf die Schulter. »Über den du gestern gestolpert bist.«
Herbert rannte in den Flur, drehte sich um seine Achse. »Wo hast du ihn hingestellt?«
Monika folgte ihm. Sodann deutete sie auf einen Wandschrank. »Dort hinein.«
Hektisch öffnete er die Tür, zerrte den Koffer heraus, stellte ihn ihr vor die Füße und tippte das Gepäckstück an. »Wenn Damengarderobe in der Größe wie die Sachen im Schrank drin sind, dann liege ich falsch, wenn nicht …«

»Bingo!« Herbert zerrte eine zusammengeknüllte Jeans aus dem Koffer. »Passt die dir!«
Monika nahm das Fundstück entgegen, schüttelte es aus und hielt es mit den Gesäßtaschen nach vorn vor ihren Laib. »Ja! - Könnte meine Größe sein.«
Dann faltete sie die Hose zusammen, legte diese zurück, während Herbert ein Paar korallenrote Ballerina entnahm. »Deine Schuhgröße«, er glotzte in das Schuhwerk, »achtunddreißig oder neununddreißig. Die Neun könnte eine Acht sein.«
Die Zunge schnalzend stand er auf, marschierte zur Tür des zweiten Schlafzimmers, dort angekommen wandte er sich um. »Den Koffer nehmen wir mit.«
Monika salutierte, schloss den Deckel, ergriff den Bügel, während Herbert das Zimmer betrat.

Tamban riss den Kleiderschrank auf, kniete nieder und verglich das zum überwiegenden Teil erotische Schuhwerk mit dem seines Fundes. »Treffer!«, murmelte er und sah hinauf.
Es war das erste Mal, dass er den Inhalt des Schrankes begutachtete. An den Türen Gerätschaften, die einer Folterkammer Gut zu Gesicht standen, sowie auf den zwei Kleiderstangen eindeutige Kleidungstücke.
Er war ein Idiot. Nein! Fahrlässig hatte er gehandelt. Der Schrank, abgesehen von einem hüfthohen Schubladenschrank der einzige seiner Art.
Die Ballerinas unter die linke Achsel gesteckt, wandte er sich gen rechts, riss ein Schubfach nach dem anderen auf. Dessous sowie Damenstrümpfe, wie Herrensocken gerollt, erblickte er.
Herbert brauchte eine Minute zum Denken. Er schritt zum Fenster, drückte die Nase an dem Glas platt.
Die Fensterscheibe beschlug durch seinen Atem. Der Himmel war pastellblau. Im Schatten der Bäume, des wenige Schritt breiten Gartens des Reihenhauses, lag Reif auf dem Rasen. Zügig schob eine Frau in bodenlangen Mantel, die Hände in steingrauen Handschuhen gesteckt, ihre Haare, ihren Schopf unter einer mausgrauen Wollmütze versteckt, einen Kinderwagen auf einem dem Garten angrenzten Weg.


weiter zum nächsten Teil 11. Herrensocke und Seidenstrumpf Teil 2
 

Oben Unten