Blutige Heilige Nacht - 20. Zucker fürs Crème brulée

ahorn

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Nachtschicht
Zucker fürs Crème brulée

Beim Haftrichter

Die Stille in Lothar Gabels Amtszimmer erfasste Herbert. Er hätte eine Stecknadel fallen gehörte, wenn eine gefallen wäre. Er musterte das Gesicht des Haftrichters, der mit starrer Mine Dokumente studierte.
Weiterhin sein Gesicht dem Richter zugewandt, hatte Herbert eher Augen für eine Dame. Rechts von Gabel saß sie und blickte, dies erspähte er, ihn an. Ihr Aussehen ergötzte ihn. Ihr Teint war ohne Makel. Geschuldet war dieser mit Sicherheit der Kosmetikindustrie, denn vollends vermochte sie nicht ihr Alter zu verbergen. Ein Umstand, welchem Herbert nicht abgeneigt war. Eine gewisse Reife schätzte er an Frauen. Ihr kupferrotes welliges, hochgestecktes Haar unterstrich ihre Anmut.
Herbert stellte sich vor, wie sie mit überschlagenen Beinen, das Obere lockend wippend vor ihm saß. Ihren Diktatblock auf dem Schoss, ihren Dutt öffnete. Sie ihre Mähne schüttelte, bis die Spitzen ihrer Haare auf ihrem Dekolleté zur Ruhe kamen. Ihm, Herbert den Weg wissen. Sie ihre Hornbrille, die ihr wahrlich nicht stand, abnahm und sogleich den oberen Knopf ihrer Kostümjacke öffnete.
Mit einem Lachen zerschnitt Gabel die Stille, ebenso wie Herberts Traum. Herbert wandte sein Gesicht nach links, beobachtete wie von Stetten seine Stirn runzelte.
Gabel drehte sich nach rechts, tippte die Protokollantin an, welche aus ihrer Lethargie erwachte.
»Herr von Stetten, in der Aussage von Frau Ferigart lese ich nicht ein Wort darüber, dass sie behauptet, Herr Tamban hätte sie vergewaltigt, daher weiße ich ihren Haftantrag zurück.«
Von Stetten streckte sich. »Herr Vorsitzender! Die Aussage von Frau Tamara Seibot, sowie derren Onkel sind eindeutig.«
»Waren die Personen bei der angeblichen Vergewaltigung zugegen?«
»Sicherlich! Sie können bezeugen, dass Herr Tamban mit runtergelassener Hose auf der nackten Frau Ferigart lag. Die Aussage liegt ihnen vor.«
Gabel nahm die Dokumente erneut auf. »Nur, Herr von Stetten davon lese ich nichts in der Zeugenaussage des angeblichen Opfers und«, er tippte auf die Papiere, »der Bericht ist sehr detailgetreu. Frau Ferigart berichtet, dass Herr Tamban ihr behilflich war, ein Staubkorn aus ihrem Auge zu fischen.«
Herbert war über Monikas Aussage einerseits erleichtert, anderseits verwunderte ihn diese. Er hatte sich längst damit abgefunden, dass sie sich von ihm abgewandt hatte, obgleich der Zorn ihr gegenüber bereits verebbt war. Weshalb hatte sie ihm die Kopfnuss ausgeteilt? Der ersten Fetzen seiner Erinnerung war der feste Griff seiner uniformierten Kollegen, sodann der Geruch des Streifenwagens.
Er hatte sich einen Plan bereitgelegt, um zuerst von Stetten den Sieg zu überlassen, dann zurückzuschlagen. Wie beglückt er war, als er Lothar erblickte. Sein alter Kumpel konnte von Stetten noch weniger ausstehen als er.
»Die stecken unter einer Decke!«
Von Stettens von Zorn getriebener Satz brachte Herbert wieder ins Geschehen.

»Herr Oberstaatsanwalt jetzt überspannen Sie den Bogen. Erst behaupten Sie, Herr Tamban hätte Frau Ferigart vergewaltigt und jetzt, dass diese das Gericht an der Nase herum führen.«
»Ablenkung!«, wetterte von Stetten. Er wandte sich Herbert zu.
»Herr Herbert Tamban, ich nehme Sie unter dem Verdacht des Mordes fest.«
Herbert bekam seinen Mund nicht mehr zu. Er hob seine Schulter und sah seinen Freund Lothar mit einem fragenden Gesichtsausdruck an.
»Bitte! Soweit mir bekannt ist, weilt Frau Ferigart unter den Lebenden«, sprach Gabel dies aus, was Herbert dachte.
Mit einer sachlichen Stimmlage stellte von Stetten fest: »Am Mord von Veronica Gruber und Hindrik Schuster«.
»Wer sind diese?«
»Zwei Leichen, die wir am heilgen Abend aufgefunden haben«, erklärte Herbert.
Der Schwenk von von Stetten verwirrte Herbert, obgleich er es ihm in seiner Verzweiflung zutraute jeden, der nicht schnell genug verschwand, zu verdächtigen. Immerhin war Kalle wieder auf freien Fuß. Die Information hatte ihm Carlo zugeflüstert, bevor er ihn zu Lothar führte.
»Die Beweise sind unumstößlich.«
Lothar neigte sich von Stetten zu. »Welche Beweise Herr Oberstaatsanwalt?«
Von Stetten öffnete seine Aktentasche, zeerte eine Plastiktüte heraus, in der sich ein weißes Stück Stoff befand und legte jene auf den Amtstisch.
Gabel runzelte seine Stirn. »Was ist das?«
»Beweisstück A1. Eine Strumpfhose!«
Sein Gesicht Herbert zugewandt, erfasste Lothar die Tüte. »Das seh ich!«
»Diese Strumpfhose fanden wir am Tatort.«
»Und?«
»Auf dem Sofa.«
»Irre!«
»Mit eindeutigen Genspuren von Herrn Tamban.«
Herberts Gedanken überschlugen sich. Dass dies ein Kleidungsstück der Toten war, schloss er aus, denn diese war nackt, als er sie das erste Mal gesehen hatte. Monika hatte sich ihrer Strumpfhose entledigt, jedoch nach seiner Erkenntnis trug diese an jenem Tag eine transparent Hautfarbene. Er konnte sich zwar nicht direkt daran erinnern, aber Maltes Foto, sowie die Feststellung der Baumständer, dass diese das Muster von Monikas Slip kommentiert hatte, ließen einzig diesen Schluss zu. Dass ein genetischer Fingerabdruck von ihm auf dem Stoff existierte, bezweifelte Herbert nicht. Derart dumm oder dreist war nicht einmal von Stetten. An die einzige weiße Strumpfhose, an die sich Herbert entsann, war die der Baumständer. Herbert zwirbelte seinen Schnauzbart. Sie trug keine. Er hatte jener ihren Slip über ihre Beine gezerrte - über ihre weiß bestrumpften Beine. Somit trug sie Strümpfe. Herberts Verwirrung war komplett. Da half alleinig Angriff.

»Die Strumpfhose ist von Frau Ferigart.«
»Was erzählen sie für einen Blödsinn«, konterte von Stetten.
»Frau Ferigart hat sich am Tatort entkleidet. Nachstellung der Tat. Sie verstehen!«
»Merkwürdige Polizeiarbeit, aber Ihnen wäre es zuzutrauen.«
Gabel nahm die Dokumente erneut auf, studierte diese und schmunzelte. »Herr Tamban sagt die Wahrheit. Frau Ferigart hat es niedergeschrieben.«
Von Stetten schüttelte seinen Kopf. »Und wie kommen DNA-Spuren, genauer gesagt Blutspuren, von Frau Gruber auf das Beinkleid?«
Zu Herberts Glück war von Stetten schier ein dummer Staatsanwalt. »Wo haben Sie das von Ihnen als Beweisstück vorgelegte Artefakt gefunden?«
»Auf der Couch, dies habe ich bereits erklärt.«
Herbert wandte sich Lothar zu. »Die Couch war mit Blut der Toten besprenkelt.«
»Kontaminiert?«, spekulierte Gruber.
»Sicherlich!«, bestätigte Tamban.
Dies war mehr als unwahrscheinlich, da ihr Blut geronnen war, aber von Stettens zerknirschter Gesichtsausdruck verriet Herbert, inwieweit er die Erklärung schluckte.


»Sicherlich ich werde es veranlassen, inwieweit die Strumpfhose der Frau Ferigart gehört.« Von Stetten öffnete ein weiteres Mal seine Aktentasche.
Herbert runzelte seine Stirn. Es war zwar Weihnachten, Zeit der Geschenke, jedoch nach dem Weihnachtsmann sah von Stetten nicht aus. Dieser zerrte eine zweite Plastiktüte aus seiner Tasche.
Lothar kniff sein linkes Auge zu. »Ein Messer!«
»Nicht irgendeinen Messer, ein Tranchiermesser«, unterstrich von Stetten, »das Tatmesser. Wir haben eindeutig Fingerabdrücke von Herrn Tamban festgestellt.«
Gabel nickte. »Herr Tamban war am Tatort. Es gehört zwar nicht zur normalen Arbeit, kann dennoch passieren«, dabei starrte er Herbert an, »dass ein Kriminalbeamter unbeabsichtigt seine Fingerabdrücke hinterlässt.«
Von Stetten griente. »Sicherlich, wenn die leitenden Beamten unvorsichtig sind, aber die Fingerabdrücke vind unter dem Blut.« Der Oberstaatsanwalt wandte sich Herbert zu. Herbert zwirbelte seinen Schnauzer. Er hatte keine Ahnung, wie seine Abdrücke auf dem Messergriff kamen.
Lothar Gabel lehnte sich vor. »Haben sie eine Erklärung?«
Herbert zwirbelte weiterhin seinen Schnauzer.
»Sicherlich!«, kopierte Herbert von Stetten. »Das Haus war uns bekannt.« Seine Aussage war nicht gelogen. Vor mehreren Jahren hatten Magda und er ein Nachbarhaus besichtigt, welches Magda kaufen wollte.
Lothar runzelte zuerst seine Stirn, dann flog ein Lächeln über sein Gesicht. »Dienstlich?«
Herbert schwieg. Von Stettens Mimik erstarrte.
Dann schwang er seinen Kopf. »In diesen dienstlichen Zusammenhang haben sie zufälligerweise das Tatwerkzeug berührt?«
Herbert schwieg weiterhin.
»Es gibt für alles eine Erklärung«, antwortete Lothar für ihn.
Die rechte Hand zur Faust geballt, lief von Stetten rot an. »Haftbefehl!«
»Abgelehnt«, gab ihm Lothar zu verstehen.
»Begründung?«
»Herr Tamban hat kein Motiv. Kannten sie das Mordopfer?«
»Nein!«
Gabel lehnte sich zurück. »Es besteht keinerlei Fluch oder Verdunkelungsgefahr.« An von Stetten gewandt. »Dies hält sie in keiner Weise davon ab, weitere Ermittlungen gegen Herr Tamban einzuleiten.«
Von Stetten stopfte die Beweise in seine Aktentasche, stand auf und stampfte ohne ein Wort des Grußes aus dem Amtszimmer.

»Frau Liesemeier sie können gehen.«
Die Protokollantin erhob sich, grüßte und verschwand.
Lothar sah ihr nach, erfasste Monikas Aussage und schmunzelte. »Da hast du dir eine sehr engagierte Mitarbeiterin geangelt.«
Herbert fasste an seine Brust. »Die Liesemeier ist aber auch nicht ohne.«
»Herbert! Außerdem ist sie vergeben.«
»Meinst, sie ist in festen Händen.«
»Die Ferigrat?«
»Wir haben nichts miteinander.«
»Na ja, wenn ich ihre Aussage lese?«
»Sie ist meine Mitarbeiterin.«
»Frau Liesemeier meine.«
»Hast du ihre Telefonnummer?«
»Herbert!«
Er zuckte mit den Achseln »Ich meine …«
»Ich glaube, du hast andere Probleme.«
»Stetten?«
»Der hat es auf dich abgesehen. Weswegen?«
»Er ist ein Arsch.«
»Mit dem wirst du fertig. Ich mein«, Lothar tippte auf Monikas Aussage, »damit.«
Herbert schmunzelte.
»Herbert. Von Freund zu Freund, das gibt ärger. Wenn Maxima die Aussage liest, dann springt sie im Kreis. Das gibt ein Dissi.«
»Wäre nicht mein erstes Disziplinarverfahren.«
»Wie gerne wäre ich dabei gewesen?«
»Wobei?«
Lothar nahm die Papiere auf. »Herr Tamban zog das rote Bandeaukleid an und forderte mich auf, mit ihm essen zu gehen«, las er ihm vor. »Was ist ein Bandeaukleid?«
»Woher soll ich das wissen. Bin ich eine Frau? Für einen Tag hättest du mich Einsperren können.«
»Weswegen?«
»Theater!«
»Theater?«
»Ottfried hat ein neues Stück und heute Abend ist Premiere.«



Besinnliches Theater

Oh du mein kleiner Freund. Nicht größer als eine Walnuss dein Leib am Bauch giftgrün der Rücken schillernd wie der Regenbogen, wie verzehre ich mich nach dir. Du gibst mir meine Freiheit wieder. Sie werden kommen. Werden mich holen. Durch deiner hilf mich mit den Füßen voraus Bergen. Mein Freund. Oh du mein Freund. Wir zwei haben bereits meine Gattin befreit. Wie lieblich, wie glücklich sie da lag. Es erquickt mich gar noch heut, oh du mein Freund. Kletter auf meine Handfläche, damit ich dich lecken kann. Dein Schleim auf deinem Rücken wird mich beglücken, sodass ich den Schmerz nicht spür. So hier mein lieber Freund, ich öffne für dich meine Haut. Keinen Schmerz empfinde ich, betäubt von deiner Gabe. Ich hör sie. Ich höre Schritte im Treppenhaus, lass uns eilen. Mit schwindenden Geist drück ich entzücken deinen Rücken auf meine Wunde. Oh ja! Komm, mit letzter Kraft entlasse ich dich in dein Reich. Meine Knie werden weich. Ich werde mich setzen, genieße, oh hör, jenes Schlagen an meiner Türe, welch gedämpft meine Sinne erreicht. Der letzte Hinweis in diesen meinem Leben bevor ich für immerfort für all Zeit die Augen schließe.

Applaus, der Klang wie das Brechen der Wellen am Atlantik erweckte Herbert aus seiner Lethargie. Er hatte wie immer Ottfrieds Machwerk im Halbschlaf genossen. Magda hatte ihn längst vorm letzten Vorhang verlassen. So war er allein im Saal. Abgesehen von dem begeisterten Publikum. Er stand auf, machte sich auf den Weg hinter die Kulissen, um Ottfried zu loben, obgleich dieser ahnte, dass er, Herbert das Stück einzig umnachtet genossen hatte.

Herbert preschte sich seinen Weg durch das Getümmel. Obwohl er bei dem Schauspiel einzig einen Darsteller gesehen hatte, verwunderte es ihn, wie viele Menschen daran beteilig gewesen waren. Welch ein Sinn Ottfried darin fand, diesen einsamen Mann in ein Weihnachtsmannkostüm zu stecken, dass eine Erfrischungsgetränkefirma in die Welt gesetzt hatte, entsagte ihm. Ottfried halt. Sich nach Magda und Ottfried umsehend, lief ihm eine an Gesicht, Armen sowie Beinen kalkig getünchte Person entgegen.
»Herbert wie war ich?«
Er musterte die Gestallt, die den Saum ihres Nachthemdes hob und sich verneigte.
»Herbert!«
Ein Gespenst hatte er beim Stück nicht erblick, jedenfalls nicht in der Zeit, in welcher er wach war.
»Nun!«
Er glotzte ihr ins Gesicht.
»Else?«
»Und?«
»Was und?«
»Wie war ich als Leiche?« Else trat an ihn heran und schlang ihren Arm um seine Taille. »Du als Fachmann.«
In dem Stück kam eine Tote vor. Die Gattin. Er war aber der Ansicht gewesen, dass diese eine Puppe war, denn sie hat sich weder bewegt noch gar gesprochen.
»Perfekt! Hast du Magda gesehen?«
Else deutete in einen abseitigen Bereich. »Magda, Ottfried und Benedikt sind hinten. Manöverkritik du verstehst.« Sie zuckte mit dem Kopf. »Ich komme gleich dazu, muss vorher, du verstehst, wenn man solange liegt.« Else löste die Umklammerung, schritt vor. Er sah ihr nach und zupfte an seinem Schnauzer, als er ihre Flügel erblickte. Else wandte sich um und kehrte zurück. »Du Herbert sind diese Frösche wirklich so giftig? Du als Fachmann.«
»Welche Frösche?«
Sie drohte mit ihrem Zeigefinger. »Herbert hast wieder ein Nickerchen gemacht. Diese Pfeilfrösche?«
»Du meinst Pfeilgiftfrösche.«
»Von mir aus auch die. Und?«
Herbert zwirbelte seinen Schnauzer. »Ich hatte zwar bisher niemanden, welcher durch sie verstorben ist, aber ihr Gift ist tödlich.«
Else lehnte sich zu ihm vor, drückte ihm einen Kuss auf die Wange und blinzelte ihn an. »Wir sehen uns gleich.«

Herbert schlug sich an die Stirn. »Halt wart!«
»Willst du mitkommen? Wir zwei vereint.«
»Nein. Sag Magda sie soll mit Ottfried nachhause fahren, ich komm später! Sag ihr, ich muss arbeiten!«
Sie zog ihre linke Schulter herauf. »Herbert! Immer beschäftig.«
Er winkte ihr nach, zerrte eilends sein Handy aus seiner Sakkoinnentasche, wählte die Kurzwahl und presste das Telefon an sein Ohr.



Allein mit ihr

Es gab Wesen, welche Herbert nie verstand. Frauen! Dabei ging er davon aus, dass Monika anderes tickte. Er betrachtete seine goldene Armbanduhr, zuckte mit den Achseln, schlüpfte aus seinen Halbschuhen, warf sich auf das Bett und starrte auf die angelehnte Zimmertür.
Das Licht im Treppenhaus flackerte, bis ein Lichtstrahl in sein Zimmer fiel. Zuerst huschte ein Schatten durch den Lichtkegel, dann schwang der Türflügel auf.
„Monika, da bist du endlich.“
„Wieso?“
Sie schritt, nachdem sie die Tür geschlossen hatte, auf ihn zu und zog dabei ihre Turnschuhe aus.
„Was ist an in einer halben Stunde falsch zu verstehen?“
Monika zerrte sich ihren Pullover vom Körper, öffnete ihre Jeans und schlang sich aus dieser. „In! Beginn eines Zeitraumes.“
„Was machst du da überhaupt?“
„Nach was sieht es aus? Ihr Männer habt es da einfacher. Hose runter und gut.“
„Kannst du an etwas anders denken?“
„Ja!“
Monika war ein Wesen. Die Situation war, wenn er diese von außen betrachte, missverständlich. Er lag auf einem Hotelzimmerbett.
„Du bist beurlaubt“, erklärte Monika, dabei fasste sie an ihren Slip. „Rück zur Seite, dann können wir gleich anfangen.“
Herberts Hormonspiegel stieg. Einen Moment überlegte er, ob er das Gespräch mit ihr verschob. „Jetzt hör auf! Du brauchst dich nicht ausziehen.“
„Du weißt, das mag ich nicht.“
„Was?“
„Ich blass dir keinen.“
Herbert rückte zur Seite, sodass er einen Sicherheitsabstand zu ihr aufbaute. „Setz dich! Was sollte eigentlich die Kopfnuss. Mein Schädel dröhnt noch immer.“
„Tat es weh?“
„Dumme Frage.“
„War aber notwendig.“
„Notwendig?“
„Du bist ein Mann.“
„Danke für die Information.“
„Ihr Kerle habt in gewissen Situationen“, sie kicherte, „eine Reaktionsgeschwindigkeit wie eine Schildkröte. Zu deinem Glück hattest du noch deine Unterhose an.“
Herbert konnte sich nicht daran erinnern, wie weit ihre Intimität bereits fortgeschritten war. Bei der Vorstellung die Seibot war bei einem Akt zugegeben, welcher ihr nichts anging, rann ein Schauer über seinen Rücken. Monika schien seine Gedanken zu lesen.
„Du kamst zu deinem Spaß“, schmetterte sie ihm entgegen, worauf sie sich abwandte und ihre Arme verschränkte.
„Was hatte die Seibot überhaupt in deiner Wohnung zu schaffen, und wie ist sie hereingekommen?“
„Mit ihrem Schlüssel.“
„Die Seibot hat einen Schlüssel zu deiner Wohnung?“
„Klar! Sie wohnt bei mir.“
„Danke für die Information. Dass du mir immer alles Verheimlichen musst. Erst sagst du mir nicht, dass du Polizistin bist und jetzt …“

Herbert hatte Monika im Urlaub kennengelernt. Eigentlich wollte er nicht verreisen, aber Magda hatte ihn genötigt. Ein paar Tage ausspannen und die Sonne des Mittelmeeres genießen, legte sie ihm nahe. Dabei hasste Herbert dieses Klima, hasste es genauso wie die langatmigen Berichte von Ottfried, wenn dieser versuchte Herbert die antike Kultur der Griechen nahezulegen. Es war für ein Drama.
Am zweiten Tag schleppte Herbert seinen verschwitzten Körper zum Hotelpool. Magda saß mit einem kühlen Getränk an der Bar und Ottfried plante ihre erste Tour. Für Ottfried hatte er, Herbert keinen Blick übrig, sondern mehr für die vollbusige Blondine, welche in einem knappen Bikini an Magdas rechter Seite weilte.
Bereits beim Abendessen nach ihrer Anreise hatte er die Schönheit bewundert und seine Begeisterung Magda mitgeteilt.
Ottfried und Magda brachen auf, worauf er sich dem Körper der Schönen zuwandte. Der Rest des Urlaubes war für ihn gerettet.
Erst nachdem Maxima ihn Monika als neue Mitarbeiterin vorstellte, stellte er fest, dass das Schicksal es nicht mit ihm gut gemeint hatte. Monika versprach ihm, den gemeinsamen Urlaub zu streichen, und ihre Beziehung auf das Dienstliche zu reduzieren. Eine Absprache, welche ihm wahrlich nicht geglückt war.

„Wie ist die Anhörung gelaufen?“ Monika beugte sich vor. „Positiv! Sonst wärst du nicht hier.“
„Danke für deine ausführliche Aussage. Musstest du, unbedingt alles haarklein aufschreiben?“
„Eine Aussage muss vollständig und wahrheitsgetreu sein.“
„Ach! Bei dem entscheidenden Teil lügst du.“
„Niemand ist verpflichtete, etwas auszusagen, was ihn selbst belastet.“
„Es ist mir neu, dass einvernehmlicher Sex verboten ist.“
„Maximillian ist dein Anwalt.“
„Was hat dieser milchgesichtige Advokat mit deiner Aussage zu schaffen?“
„Mit wem glaubst du, war ich in Griechenland im Urlaub.“
„Nee! Sag nicht, dieser Mundlos ist …“
„War! Er ist nett, aber irgendwie krank.“
„Krank?“
„Nur, weil ich mich am ersten Abend mit dem Barkeeper unterhalten habe, ist Maximillian abgereist.“
Herbert runzelte seine Stirn.
„Okay! Wir waren nackt und lagen im Bett.“ Sie schmunzelte. „Dabei hatte ich Maximillian angeboten mitzumachen.“
„Monika!“
„Urlaub!“

Herberts Kenntnisse als Ermittler, sagten ihm sofort, dass sie log. Warum konnte er nicht ergründen. Inwieweit sie Täter oder die Waffe war, entsagte ihm gleichfalls. Jedenfalls war dieser Mundlos vom Typ wollen und nicht dürfen. Monika hatte ihm vielleicht Hoffnungen unterbreitet, jedoch nicht mehr. Zumindest klang bei ihr durch, dass der Zufall weniger Verantwortung trug, als es sich Herbert zuvor gedacht hatte.
Er strich von Stetten aus dem Kreis derer, die ihm ans Leder wollten. Nicht, dass er ihn aus dem Umfeld der Leichen verbannte. Dort war irgendetwas, jedoch hatte er es kaum auf ihn, Herbert, abgesehen.
Ottfried, Maxima und Magda verschworen sich in Herberts Überlegungen zu einer Gemeinschaft, obgleich er eher davon ausging, dass Magda eine Unwissende war.

Er kam auf eine Idee, wie er herausbekäme wer mit wem.
„Besitzt du eine weiße Bluse?“
Monika hob ihre Schultern. „Ja!“
„Einen rosa Rock?“
Sie schüttelte sich. „Ganz bestimmt nicht.“
„Hast du den Slip noch, welchen du am heilgen Abend getragen hast.“
„Wenn ich wüsste welcher es war bestimmt. Ich schmeiße keine Sachen weg, die in Ordnung sind.“
Herbert beschrieb ihr die Unterhose, worauf sie nickte.
„Eine hautfarbene sowie eine weiße Strumpfhose?“
„Was soll der Käse?“ Sie wandte ihm ihre Schulter zu, schielte jedoch zu ihm. „Oh! Ein neues Spiel?“
„Kannst du immer nur an das eine denken? Ja oder nein!“
„Ja oder nein was?“
„Die Strumpfhosen.“
„Du weißt, das ich Strumpfhosen nur überziehe, wenn es unbedingt nötig ist.“ Sie grinste. „Bitte streichen. Wenn es die Konvention, die Etikette verlangt.“
„Dies ist keine Antwort.“
„Wie war die Frage?“
Monika lachte.
„Eine hautfarbene sowie eine weiße Strumpfhose?“
„Das Erste möglicherweise. Das Zweite mit Sicherheit nicht.“
„Besorge dir die Sachen.“
„Dann?“
„Kommt später.“

Herbert schaute auf seine Armbanduhr. Die Zeit verrann. Er war einerseits müde und anderseits ... Außerdem wartete Astrid bestimmt nicht nur mit einem kühlen Blonden auf ihn. Er hatte ihr versprochen, nach dem Theater bei ihr vorbeizuschneien. Sie waren zwar kein Paar, aber Magda fand sie nett und dieses war für ihn mit ausschlaggebend.
Er blickte Monika an. Von der Figur präferierte er zwar Monika, welche gleichfalls Magda in ihr Herz geschlossen hatte, jedoch sie blieb, was sie war, seine Mitarbeiterin. Den Ausrutscher in ihrem Bett verbuchte er in der Kategorie Missgeschicke.
„Monika, gehe morgen früh am besten vorm Aufstehen zur Gerichtsmedizin. Suche Professor Nicholas Vöhringer auf, bestell einen Gruß von mir, aber lache nicht, wenn du ihn ansiehst. Er kann das nicht leiden.“
„Wieso hat er eine riesige Warze auf der Stirn? Was soll ich bei ihm.“
„Bitte ihn, dass er sich einweiteres Mal unserer Leichen annimmt. Na ja. Für ihn wäre es das erste Mal. Ich glaube nicht, dass er für zwei poplige Messerstichopfer seinen Elfenbeinturm verlassen hat.“
„Die sind doch bereits durch. Hast den Bericht nicht gelesen.“
„Wenn du ihn genau gelesen hättest, wäre es dir aufgefallen.“
„Was?“
„Dass bloß die Stichverletzungen und die Verstümmelung beschrieben waren. Dafür brauche ich keine Mediziner. Die hatten kein Bock.“
„Nach was soll dein Prof schauen?“
„Gifte, Betäubungsmittel. Denke nach, zwei Leichen ein Mörder.“
„Habe ich mir auch gedacht.“
„Wenn du damit fertig bist, spurtest du zur Technik, fragst dich zu Josef Naß durch.“
Monika griente. „Soll ich ihm einen Gruß bestellen?“
Herbert zwirbelte seinen Schnauzer. „Ne. Bevor du zum Vöhringer düst, kommst du bei mir vorbei. Obwohl ich es dir verboten habe. Du sagst Magda, sie solle dir eine Flasche für Josef geben. Josef sagst du, er solle alle Beweisstücke, die er vom Fall hat, auf übereinstimmende DNA Spuren untersuchen. Vielleicht gehst du im einwenig zur Hand.“

Monika rückte an ihn heran. „Apropos zur Hand gehen. Magda hat mich gebeten, ihr zu Hand zu gehen.“ Ihre Finger krochen über seinen Bauch. „Hat sie dir erzählt, dass sie bei einer Kochshow auftreten will?“ Sie kicherte. „Sicherlich! Ihr seid ja verheiratet. Ich soll ihr morgen helfen.“
„Das geht nicht. Es ist besser, wenn wir uns nicht treffen.“
„Du musst ja nicht dabei sein.“
Herbert zupfte an seinen Schnauzer. „Ich habe da eine Idee.“
Er hatte den Satz kaum beendet, da bemerkte er, dass sein Hormonspiegel stieg. Ein Blick herab erklärte seine Freude. Monikas Hand hatte sich in seine Hose Einlass geschaffen. Er dachte an Astrid, welche auf ihn wartete.
Hatte sie ihm nicht gesagt, er könne vorbeikommen. Prinzipielle nahm er es mit dem Konjunktiv nie genau.
In seiner Hose regte sich es. Was waren Prinzipien? Er wandte sein Gesicht Monika zu, kam dem Reiz ihres Mundes nach und küsste sie. In letzter Konsequenz war sie zur Zeit nicht seine Mitarbeiterin, Maxima hatte ihn beurlaubt.




- Fortsetzung folgt -
 
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