Böses Erwachen - Sonett

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Walther

Mitglied
Böses Erwachen


Ich lauschte deinen sanften Worten und schlief ein.
Ein Traum: Ganz schweißgebadet schreckte ich am Morgen
Aus feuchtem Tuch und musste mir beim Nachbarn borgen:
Ein T-Shirt, eine Unterhose, Socken? Gottchen, nein!

Du bist mir um den Bart gegangen, schon drei Tage
Verbiete ich mir, dich und mich fein zu rasieren.
Komm, lass das Nölen, Zetern und das Barmisieren:
Nach all den wunderbaren Zoten steht dir keine Klage.

So ist das, wenn man tief in fremde Schritte schaut
Und taucht und stülpt und heftig miteinander reitet.
Da wird dem Menschen oft der klare Blick geklaut,

Weil etwas ist, das die Pupillen lustvoll weitet
Und alles Denken durch die scharfen Kurven haut,
Dass ihm das Steuerrad aus heißen Händen gleitet.
 

rogathe

Mitglied
Hallo Walther,
ich weiß, dass du Sonette liebst, trotzdem hier mein
Änderungsvorschlag:

in deinen sanften worten schlief ich ein
und schreckte auf aus feuchtem tuch -
vom nachbarn deshalb t-shirt slip und socken
borgen? Nein!
wir tauchten stülpten ritten lustvoll miteinander
drei lange tage wunderbare zoten
nun lass das zetern

LG rogathe

P.S. Was ist "barmisieren"?
 

Walther

Mitglied
Hi rogathe,

danke fürs reinlesen und verkürzen. dein text hört sich gut an, ist aber nicht meiner. :) ich habe dieses sujet bewußt verspielt geschrieben. es darf manchmal auch ein wenig zierat sein. da ich selbst viel vers libre schreibe, bin ich so besehen unverdächtig.

mehr zu barmisieren findest du hier: http://norbertbaasner.de/woerterbuch/woerterbuch.php?buchst=b das ist ein süddeutsch-schwäbisches einsprengsel, das wenigstens im südwesten eingang in die hochsprache gefunden hat. ähnliches gilt auch für das wunderbare verb "estimieren".

in diesem sinne weiterhin frohes dichten! :)

lg w.
 

Walther

Mitglied
Böses Erwachen


Ich lauschte deinen sanften Worten und schlief ein.
Ein Traum: Ganz schweißgebadet schreckte ich am Morgen
Aus feuchtem Tuch und musste mir beim Nachbarn borgen:
Ein T-Shirt, Unterhose, Socken? Gottchen, nein!

Du bist mir um den Bart gegangen, schon drei Tage
Verbiete ich mir, dich und mich fein zu rasieren.
Komm, lass das Nölen, Zetern und das Barmisieren:
Nach all den geilen Zoten steht dir keine Klage.

So ist das, wenn man tief in fremde Schritte schaut
Und taucht und stülpt und heftig miteinander reitet.
Da wird dem Menschen oft der klare Blick geklaut,

Weil etwas ist, das die Pupillen lustvoll weitet
Und alles Denken derart in die Kurven haut,
Dass ihm das Steuerrad aus heißen Händen gleitet.
 

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