brangäne

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Mondnein

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[ 4]brangäne


ein gutenacht-lied ist das kaum was du brangäne singst
kein tauch-hinein kein komm in meinen topf ins blaue naß
bist du ja selbst der schlaf der sprung im glas voll weltenraum

in dem wie eines bootes spur der sucht-sog des gesangs
die fluten-spiegel zeigt und zeichnet aufdeckt offenbart
wenn du dir träumst du seist die wache wacht bist du allein

die seligkeit der nacht bist selbst verführisch der schlaf
der durch die sterne taumelt phantasie-verwirrt verirrt
entrückt verklärt schlaf ich mit dir entzückt verrückt vor glück
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Für mich ist "brangräne" sich Kopfschmerzen machen über den innersten Zusammenhalt der Welt, des Weltalls.
Ein Kofferwort aus den Brans und der Migräne.
Aber ob es so gemeint ist?

Vom allerkleinsten, den Brans - bis zum Allergrößten - dem All -
spricht das Gedicht in persönlichen Empfindungen.
 

Mondnein

Mitglied
Habet acht! Habet acht! Bald weicht dem Tag die Nacht!

Das ist ja köstlich! Hahaha ...
Gefällt mir ganz ausgezeichnet.

In der Tat ist "Brangäne" eine Gestalt in Wagners Tristan, und ihr Gesang ist der zauberhaft-intime Höhepunkt des Liebesdramas: Tristan und Isolde verschmelzen liebend ineinander, sind deshalb verstummt, und doch zugleich in der Musik präsent. Da geschieht nun Eigenartiges: Brangäne, die Dienerin der Isolde, hält Wache, während das Paar (unterhalb des Turms bzw. der Burgmauer) sich liebt (Ehebruch, heimlich), und singt: "Einsam wachend in der Nacht ..."
Aber der Gesang hat überhaupt nichts von Wachheit, Kontrolle, Aufpassen usw. an sich, sondern fließt mit unbeschreiblicher Süße durch die Ohren der Hörer, als ob ein fünfminütiger Dauerorgasmus (Isoldes und Tristans natürlich) dort vertont sei. Oder mit anderen Worten: Wir hören Brangäne so, wie das Liebespaar sie hört.
Die Kenner kennen den Brangäne-Gesang als den Höhepunkt des "Tristan" (Peripetie); das ist die Stelle, deretwegen man in diese Oper geht.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ja, ich war noch nicht dort. Leider.
Danke für die Information.
Ich dachte schon, dass in Brangäne mehr steckt. Woher hat nur Wagner die Brans gekannt? ;)
 

revilo

Mitglied
was für eine gottverdammte Schlampe...harter Stoff.....hätte ich bei einer Oper nie vermutet....übrigens: das Gedicht gefällt mir.....mehr davon.......

Lg revilo
 

Mondnein

Mitglied
2.Akt

zunächst treibt sichs hoch bis zu einem brutalen coitus interruptus.
Am Ende des Werks läufts dann so, wies in dem "tristan"-Gedicht (s.u.) verdichtet worden ist.
 

revilo

Mitglied
nicht schlecht, Herr Specht....die Dame ist einerseits ergebene Dienerin, schert sich aber andererseits offensichtlich einen Dreck um gesellschaftliche Konventionen, indem sie das Treiben der Liebenden bewacht...und das gefällt mir....

In diesem Sinne LG von revilo...

Eine Bitte: Falls du noch mehr in dieser Art schreiben willst, gib doch gleich eine kurze " Werkeinführung"...damit Kulturbanausen wie ich das Thema verstehen....
 

Mondnein

Mitglied
and in the middle of the celebrations I break down

nur kurz noch dies: Der Bruch mit den gesellschaftlichen Konventionen ist der springende Punkt, der Clou, das Thema schon in Wagners mittelalterlicher Vorlage, im Tristan-Epos des Gottfried von Straßburg.
Bruch mit Konventionen jeder Art ist der Treiber in allen Bühnenwerken Wagners. Davon leben sie.
 

Mondnein

Mitglied
Dankeschön, Karl

und natürlich Danke den Forenredakteuren, die dieses alte Lied ausgegraben haben. Freut mich sehr!
 

Marker

Mitglied
Lieber Mondnein,

Ich bin nicht gerade der Ober-Lyriker in Person und nicht befähigt, einem begabteren Dichter als mir tiefschürfende oder verkopfte Analysen zu dessen Lyrik zu präsentieren. Wie beispielsweise bei einem abstrakten Gemälde, kann ich dem Autoren einfach vermitteln, ob mich sein Werk anspricht und eine Saite in mir zum Klingen bringt - oder eben nicht. Dein Gedicht hier spricht mich sehr an, ich finde es ausgezeichnet, es wurde völlig zu Recht als Werk des Monats ausgezeichnet.

LG, Marker
 

Mondnein

Mitglied
Danke, Marker.

In der Tat ist auch für Litaraturpäpste, Fatzkritiker und gescheckte Denissen eben ganau dies der springende Punkt: ob ein Stück sie anspricht oder nicht. Der ästhetische Reiz.
Dies nur zum zugleich individuellsten wie allgemeinsten Kriterium aller Beurteilungen in den Künsten (ohne mich dabei auf mein Lied beziehen zu wollen).
 

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