Brei (Limerick)

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James Blond

Mitglied
Ich muss zugeben, dass ich erst jetzt beginne, diesen Limerick richtig zu verstehen. Die Ablehnung des Dichters bezieht sich auf die engen Grenzen, die ihm der Limerick setzt. Irritiert hat mich dabei Z4 ('niveaulosen Brei,'), die nach sehr einer Pauschalkritik klingt und ein wenig aufs Glatteis führt, denn Limericks sind ja selbst nicht gerade niveauvoll. Ich würde das Wort durch 'strukturlos' ersetzen, auch wenn 'strukturloser Brei' sich schon recht tautologisch liest, doch gerade das macht das Wiederkäuen zur Pointe.

Es gibt einen Dichter in Dissen,
der will nichts von Limericks wissen.
Erst labert er frei
strukturlosen Brei,
dann käut er ihn wieder, beflissen.


Ein Dichter aus dem respektlosen Dissen besteht auf seiner formalen Freiheit und das gerät ihm zum Wiederkäuen seines strukturlosen Breis, wobei spätestens nach Z5 das unerwähnte Reimwort 'besch...' zu klingeln beginnt.

Gruß
JB
 

Bernd

Foren-Redakteur
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Ja, "strukturlos" funktioniert. Wenn auf Selbstbezüglichkeit verzichtet wird.

Letztlich soll es auch noch etwas Selbstbezüglichkeit behalten. Dazu ist "niveaulos" besser.
 

Bernd

Foren-Redakteur
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Nein, ein Limerick für Limericks und gegen Vorurteile,

Der Dichter im Limerick schreibt den Limerick über sich, den er für niveaulos hält und von dem er nichts wissen will, offenbar selber. Und er erfreut sich daran.

Ein wenig die Struktur der sich selbst malenden Hand. Aber nicht vollständig. Denn es ist ein Klappbild, es kann auch ein anderer Dichter sein. Und der bin ich dann.
 

James Blond

Mitglied
Also der Dichter schreibt (auch) über sich als Limerick-Dichter. Aber wodurch ist dann 'niveaulos' rückbezüglicher als 'strukturlos' ? Mit 'Brei' kann doch nur der Text gemeint sein. Wenn aber die Passage ...

Erst labert er frei
niveaulosen Brei,
dann käut er ihn wieder, beflissen.


... sich im Besonderen auf das Dichten eines Limericks beziehen würde, passt 'niveaulos' natürlich besser, denn Strukturlosigkeit kann man ihnen ja gerade nicht vorwerfen. Auch das Wiederkäuen, bis ein Limerick endlich sitzt, passt dann; das 'frei labern' allerdings nur bedingt, insofern eine lässige, oft auch verballhornende Ausdrucksweise angestrebt wird.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Limericks sind nie strukturlos und werden auch nicht so betrachtet. Aber von vielen werden sie als niveaulos bezeichnet oder betrachtet. Sie werden in ihrer Schwierigkeit weithin unterschätzt.
 

James Blond

Mitglied
Jo nun, wenn es so ist, dann bezieht sich die Selbstreferenz doch eher auf den Limerick als auf den Dichter, wobei die Kritik an ihm gleichzeitig das Rezept zur Herstellung eines Limericks liefert. Das erinnert ein wenig an Gernhardts 'Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs' .

Allerdings ist die Selbstbezüglichkeit hier weniger offensichtlich, weil es nicht das LyrIch ist, das hier schreibt. So kann der Text durchaus als "normaler" Limerick über einen Dichter verstanden werden, der nicht besonders gut dichten kann, was ihn dann etwas farblos erscheinen lässt.
 

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