Brief an Mario

RoToll

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Der Auftakt; Mario Schremmer
Mario Schremmer wurde 1967 geboren. Er brachte mich mit dem Universum in Verbindung und weckte meine Passion dafür. In seinem Zimmer hingen Sternenkarten, welche ich als kleiner Junge so intensiv betrachtete. Mario erklärte mir die Bedeutung des Dargestellten. Er schenkte mir ein Buch, welches auf künstlerische Art die Welten unseres Sonnensystems darstellte. Ich erinnere mich noch heute gut an ein Bild. Aus einer Höhle heraus sah der Betrachter über eine tote Landschaft eine ferne Sonne im schwarzen Firmament. Wir befanden uns auf Pluto.

Mario passte auf meine Schwester und mich auf, wenn meine Eltern auf Konzerten weilten, etwa bei den Rolling Stones in Hannover 1982. Ja, richtig, es war jene Veranstaltung, in deren Vorprogramm die aufgebrachten Zuschauer Peter Maffay von der Bühne buhten. Natürlich durften wir unter Marios Aufsicht so lange wach bleiben, wie wir wollten.

Es steht ohne den Hauch eines Zweifels fest, dass ich ohne Mario nie angefangen zu schreiben hätte. Denn es war das Universum, welches meine Phantasie anregte und mich letztlich zum Füller greifen ließ, um eine Geschichte über böse Außerirdische unter dem Sand der Senne zu verfassen.

Auf dem Geburtstag meiner Schwester, es musste der sechste gewesen sein, ließ Mario sich im Rahmen eines Spiels von einer Horde kreischender Mädchen Schokoküsse ins Gesicht werfen. Natürlich brachte er nebenbei uns zweien noch das Fahrradfahren bei.

Mario Schremmer starb kurz vor den Sommerferien 1986 auf der A2 nahe Rheda-Wiedenbrück. Er war des nachts auf dem Rückweg von einem Termin in Dortmund. Sein silberner Golf kam von der nassen Fahrbahn ab und geriet unter die Leitplanke. Die Feuerwehr konnte ihn nur noch tot aus dem Wrack schneiden.

Mario Schremmer wurde gerade einmal neunzehn Jahre alt.

Bis heute frage ich mich, was seine letzten Gedanken gewesen sein mochten. Ob er still nach seiner Mutter rief, ihn vor dem Tod zu bewahren? Oder rief er nach seiner niedlichen Freundin? Oder nach seinem großen Bruder, welcher noch heute keine fünfzig Meter vom Hause meiner Eltern entfernt lebt? Mario war ein Junge aus der Nachbarschaft und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir trotz der über acht Jahre an Altersunterschied, welche uns voneinander trennten, gute Freunde geworden wären.



Der Hauptteil; das Schreiben selbst


Bielefeld im Mai 2026​



Hallo Mario,



irgendwann einmal, frag mich nicht genau wann, sah ich auf YouTube einen evangelikalen Prediger. Er erzählte all diesen Krempel, welchen diese radikalen Verweigerer unserer Realität eben zu erzählen pflegten. Dass die Saurier in der Sintflut ertrunken wären, dass Homosexualität und Selbstbefriedigung Sünde seien und dass der Dritte Tempel zu Jerusalem errichtet werden müsse, damit Jesus zurück auf die Erde kehren könne.

Während dieser Geistliche mit Hass auf alle anderen Menschen, die nicht so waren wie seine verbohrte Gruppe von Zeloten, dort also auf dem Display meines Notebooks herumtobte, musste ich häufig wahrlich lachen. Es stimmt, solche Figuren, solche Dummheit, berührt auf eine gewisse Art und Weise meinen Sinn für Humor. Traurig ist nur, dass solche Geschöpfe in den Vereinigten Staaten Wahlen entscheiden und in Bielefeld sämtliche Kasernen der ehemaligen Britischen Truppen erworben haben, um diese in ihre Zentren umzuwandeln.

Dann sprach der Prediger über Dämonen und er sagte Folgendes:



„Dämonen pflegen die Menschen, über die sie Besitz ergriffen haben, nicht zu töten. Jedenfalls nicht auf die Schnelle. Die Dämonen lieben es, ihre Opfer zu quälen über einen langen Zeitraum. Oftmals bis zum letzten Tag seines Lebens. Die Dämonen ergötzen sich am Leid, welches sie verursachen. Das ist ihr Lebenselixier! Davon ernähren sie sich! Sie ergreifen von den unglückseligen Personen Besitz, weil diese ihnen Tür und Tore öffnen, auch wenn diese davon vielleicht nichts bemerken, und dann bereiten sie diesen unbeschreibliche Qualen. Doch an euch alle! Ihr seid nicht verloren! Jesus Christus kann euch retten!“



Im Verlauf dieser Worte blieb mir das Lachen im wahrsten Sinne des Wortes im Halse stecken und spürte einen wahrlich gemeinen Stich im Bereich des Magens. Dieser Mann, dieser bebrillte Radikale, welcher vor Leuten sprach, welche so dumm waren, dass ein Briefkasten zum Präsidenten von ihnen gewählt worden wäre, wenn er nur etwas von Abtreibungsverbot versprochen hätte, traf hier die Wahrheit in einer gespenstischen Weise. Vielleicht meinte er diese Wahrheit aus einer gänzlich anderen Perspektive heraus, setzte sie vor einen vollkommen unterschiedlichen Hintergrund. Jedoch blieb Wahrheit das was sie war, wobei es keine Rolle spielte, aus welchem Winkel heraus man sie mit dem Scheinwerfer ins rechte Licht setzte und endlich betrachtete.

Schwer zuckte ich in meinem Lieblingssessel zusammen.

Du weißt ja, mein lieber Freund Mario, dass bei mir vor über zwanzig Jahren eine schwere organische Depression zusammen mit einer Angststörung diagnostiziert wurde, welche ausgelöst worden ist durch diesen verdammten Wohnungsbrand ein Jahr zuvor. Damals entging ich nur um wenige Minuten dem sicheren Tode. Aber davon bist Du doch längst in Kenntnis gesetzt.

Daher will ich mich weder mit der Diagnose noch mit der Katastrophe länger befassen, sondern mit der Wahrheit, welche mir von einem waschechten Vollpfosten mit dem IQ einer verendeten Qualle am Meeresstrand offenbart wurde.

Es gibt Dämonen tatsächlich! Sie existieren! Und meine zwei Dämonen heißen Depression und Angst.

Wie oft zog die Depression mich hinab in ihr finsteres Reich, wo ich abgetrennt war von jeder Art des Lichts und der Wärme! Es ist dieses ein leises Reich fast ohne Geräusche und ohne Farben. Dort unten, wo auch immer genau diese Welt sich befinden mag, existieren keine Farben, sondern nur unbunte Abstufungen von Grau oder das direkte Schwarz. Man hört dort weder das Knistern der Flammen noch das Atmen des Magmastromes, welche sich heiß und farblos rund um das Pandämonium befinden.

Im Pandämonium leben Angst und Depression. In das Pandämonium verschleppten sie mich oft, um mich zu geleiten in eine kleine Zelle tief unter dem eigentlichen Bauwerk selbst. Dort bestanden die Wände aus zyklopischen Brocken dicken schwarzen Gesteines. Dort hockte ich in der Ecke, von allem abgetrennt, was man auch nur entfernt als Leben bezeichnen durfte. Dort schrie die Seele vor einer Flut an Schmerzen voller verzweifelter Gewalt, aber hören tat sie niemand. Die Seele schrie und kein körperlicher Schmerz, den ich bislang in meinem Leben erfahren musste, konnte mit dem Leid in ihr auch nur im Ansatz konkurrieren. Hier, jenseits allem, was mich zum Menschen machte, fiel mir selbst das Fassen einfachster Gedanken zu schwer. Dort erschien mir selbst die verdorbene, unterbelichtete Bild-Zeitung kompliziert gleich einer Abhandlung über die Poincare-Vermutung, verfasst in Mandarin.

Unbeschreiblich vergewaltigt Dämon Depression die Seele in den Kerkern des Pandämoniums, während ihre kleine Schwester Angst dir dabei den Verstand vernebelt und lähmt.

Bei mir war diese Angst häufig ebenso namen- und konturlos oder entflammte von einer alltäglichen Kleinigkeit, einem winzigen Problemchen hin zu einem gigantischen Flächenbrand.

Ich weiß genau, dass Angst und Depression mich wieder in das Pandämonium verschleppen werden, so wie sie das in den letzten gut einundzwanzig Jahren immer wieder und wieder und wieder getan haben. Dort leidet der Mensch, aber sterben tut er ganz sicher nicht.

Du, Mario, bist doch ein großer Motorsportfan. Ich weiß noch genau, wie wir vor über vierzig Jahren im April 1986 den Großen Preis von San Marino in Imola zusammen schauten und uns total freuten, weil mit McLaren-Porsche und Benetton-BMW zwei deutsche Motorenhersteller unter den ersten drei Plätzen waren. Du kennst daher die legendären 500 Meilen von Indianapolis ziemlich gut. Die über dreißig Rennwagen fahren im Verlauf des Rennens zweihundert Mal im ovalförmigen Kreislauf dieser berühmten Rennstecke und an der Mauer aus Beton entlang.

Manchmal nahmen mich die Dämonen mit auf ihre ganz persönliche Rennstrecke, welche ebenfalls die Form eines Ovales besitzt. Auch die Rennstrecke befand sich in jenem Reich, dessen Herzstück bis heute das Pandämonium darstellt. Die gesamte Mauer entlang der asphaltierten Piste war ununterbrochen mit Werbebannern behangen, weiße Schrift auf tiefschwarzem Grunde, welche allesamt nur aus den folgenden Worten und einem Symbol bestanden:

Du bist nichts wert!

Niemand wird dich vermissen!

Mein Rennen bestand nicht aus zweihundert Runden. Es wurde gefahren hinein in den Bereich der gefühlten Unendlichkeit. Und obwohl die Geschwindigkeit unbeschreiblich hoch lag, vermochte ich ein jedes einzelne dieser Banner genau zu entziffern.

Du bist nichts wert! Du bist nichts wert! Du bist nichts wert!

Niemand wird dich vermissen! Niemand wird dich vermissen! Du bist nichts wert! Du bist nichts wert! Du bist nichts wert! Niemand wird dich vermissen! Niemand wird dich vermissen! Du bist nichts wert! Du bist nichts wert! Niemand wird dich vermissen! Niemand wird dich vermissen! Niemand wird dich vermissen! Du bist nichts wert! Du bist nichts wert! Du bist nichts wert! Du bist nichts wert! Niemand wird dich vermissen! Niemand wird dich vermissen! Niemand wird dich vermissen!


Wenn man dem Menschen etwas immer wieder und wieder vorsetzt, dann pflegt er dieses am Ende auch zu glauben. Das dämonische Geschwisterpaar wusste und weiß nur zu genau, dieses Instrument gezielt auf den seelisch-geistigen Millimeter einzusetzen.

Schon nach wenigen Runden eines solchen Rennens fühlte ich mich weniger wert und weniger nutzlos für all die anderen Lebewesen dort draußen als eine kleine Küchenschabe, welcher die empörte Hausfrau mit Inseketenspray zu Leibe rückte. Ich fühlte mich wie ein ausgemusterter Röhrenfernseher mit durchtrenntem Stromverbindungskabel, welcher in einem farblosen, grauen Hinterhof lag, auf den pausenlos eiskalter Regen hinabfiel. Aber ich war niemals tot. Denn der Tod bedeutet das Ende dieser Qualen und das gefällt den Dämonen nicht. Sie lassen mich also leben und werden mich auch zukünftig wieder mit zum Rennen nehmen.

Doch die Dämonen, und da muss ich diesem idiotischen Evangelikalen widersprechen, töten auf eine gewisse Art und Weise. Es ist ein gezieltes, perfides Töten mit einer gar mathematischen Präzision. Um dir das verständlich zu machen, mein guter Freund Mario, muss ich ein wenig mit den Worten ausholen.

Ich begegnete meiner ersten Liebe wieder. Sie ist jener Mensch, welcher mir zum ersten Mal zeigte, wie wundervoll Liebe ist und wie schmerzhaft sie zugleich sein kann. Vierunddreißig Jahre liegen diese Tage nun bereits zurück.

Sie sagte mir ganz ehrlich, wo mein Lächeln von damals hingegangen sei und warum meine Augen stets einen traurigen Blick hätten.



„Du hast früher ein solch wundervolles Lächeln gehabt. Ich kenne bis heute kein schöneres Lächeln. Es war so voller Lebensfreude und Freiheit und positiven Gefühlen. Wo ist dieses Lächeln heute? Wo ist die Lebensfreude in deinen braunen Augen hin? Ich sehe dort gar nur noch Traurigkeit. Ich möchte dieses Lächeln von damals wieder sehen! Ich will diese Freude von damals wieder sehen! Meinst du wir schaffen das?“,



sprach sie zu mir und ich versicherte ihr, alles dafür zu tun.

Ich fürchte gerade sehr, dass ich meine erste Liebe werde enttäuschen müssen. Dass ich das Versprechen, welches ich ihr gab, niemals werde halten können!

Denn ich glaube aktuell immer häufiger, dass die beiden Dämonen Angst und Depression den siebzehnjährigen Jungen aus jenen Tagen voller warmer Farben getötet haben. Sie haben ihn langsam an jenen unheilvollen Orten, die niemand zu betreten vermag, welcher nicht leidet an dieser schwer zu definierenden Krankheit, zerstört, unwiederbringlich und nicht widerrufbar! Der Siebzehnjährige von damals ist gestorben und diese seltsame Form eines Todes reflektiert sich in seinem Lächeln und seinen Augen. Die Augen sind nichts weiter als der Spiegel der Seele.

Sie haben den Jungen von damals also getötet, gnadenlos vernichtet, aber meine Phantasie, meine Gedanken, meine Liebe, Worte auf analoges oder virtuelles Papier zu bringen, nein, diese Eigenschaften auszulöschen, haben die Dämonen bis heute nicht hinbekommen. Doch einmal schafften sie es tatsächlich, dass ich fast drei Monate nicht in der Lage war, auch nur ein einziges sinnvolles Wort zu schreiben. Niemals war ich tiefer in der Hölle, tiefer in den Kerkern des Pandämoniums als in jenen grauenhaften Tage. Finsternis bedeckte das gesamte Universum.

Manchmal möchte ich aufgeben und mich den Dämonen gänzlich ergeben. Ich war in den letzten beiden Jahrzehnten mehrfach in Kliniken und Tageskliniken. Ich besuchte unzählbare Sitzungen bei mindestens einer Handvoll an Therapeutinnen und Therapeuten. Ich nehme bis heute zwei verschreibungspflichte Antidepressiva Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Warum tue und konsumiere ich diesen ganz Mist, wenn sie mich doch immer wieder aufs Neue ergreifen und mich so übel zurichten, dass ich mich nicht mehr wie ein Mensch fühle! Ich schaffe es nur zu funktionieren, toll und stark auf der Arbeit zu sein und den meisten Menschen in meinem Leben eine Fassade vorzuspielen, die ich nicht bin. Sie sehen ein Lächeln, sie hören lockere Sprüche, sie nennen mich intelligent und fragen mich häufig um Rat. Den schwachen, den kranken Menschen hinter dieser Fassade, den lasse ich sie nicht sehen. Den lasse ich kaum jemanden sehen. Den soll niemand sehen. Die Seele weint leise und keiner hört es außer mir und für mich schreit sie derartig laut um unerreichbare Hilfe, dass das Geräusch meinen Kopf von Innen heraus zu zersprengen droht.

Ich bin Dank meiner zwei Dämonen ein wahrhaft guter Schauspieler geworden.

Aber warum soll ich kämpfen? Warum kämpfe ich jeden Tag, wenn der Ertrag am Ende niedrig ist?

Ich bin die moderne Version von Don Quijote oder Herakles. Ich ziehe aus und kämpfe gegen die Flügeln der Windmühlen oder schlage der Hydra das Haupt ab, nur damit sie kurz darauf drei neue Köpfe erzeugt. Es ist das Sinnbild eines aussichtslosen, eines überflüssigen Kampfes und dennoch kämpfe ich ihn einen jeden Tag aufs Neue! Ich gebe nicht auf, obwohl ich weiß, dass die beiden Dämonen meine chronischen Begleiter sein werden, bis ich eines Tages diese Welt verlasse.

Und warum tue ich das? Hey, ich bin ein Mensch und ich will leben für mich und jene anderen Menschen, die dort vor der gemauerten Fassade auf- und abgehen. Es sind jene Personen, denen ich wirklich was bedeute. Ja, diese Menschen gibt es, sie existieren. Und manchmal, ja manchmal, glaube ich, dass vielleicht doch noch etwas von dem Siebzehnjährigen und dessen Lächeln und lebhaften Augen in mir fortlebt.

Ich werde niemals, niemals, niemals aufhören zu kämpfen, mein lieber Freund Mario!



So, jetzt habe ich Dich aber wirklich genug genervt mit meinen Wehwehchen. Im nächsten Brief werde ich definitiv positivere Töne anschlagen.



Danke, dass Du meinen Zeilen Aufmerksamkeit geschenkt hast. Bis bald und allerbeste Grüße!





Der Abspann; das Postskriptum
Ich habe doch in dem Brief weiter oben kurz meine erste richtige Liebe erwähnt. Hier muss noch etwas dazu berichtet werden. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass, wenn ich das nicht tue, die übrigen Zeilen vollkommen vergeudet sind.

Ich will Dir, lieber Mario, noch dringend etwas von dieser Frau berichten, die früher, als sie zu mir und ich zu ihr gehörte, noch eine Teenagerin gewesen ist.

Auch heute noch ist sie der einzige Mensch, der mich mit einem Blick zum Lachen oder zum Weinen bringen kann. Sie sieht mich durch tausend digitale Filter hindurch, wie ich wirklich bin. Ich kann sie weder belügen, noch durch meine Fassade täuschen. Sie ist der einzige Mensch, der weiß, wie ich tatsächlich aussehe. Manchmal, es klingt kitschig und vollkommen naiv, wenn ich richtig übel zugerichtet werde durch meine Dämonen, kommt es mir vor, als spüre sie, dass es mir schlecht gehe über all die Kilometer hinweg. Dann eilt sie mir zur Hilfe, obwohl sie physisch nicht anwesend ist, um gemeinsam mit mir gegen die Dämonen zu Felde zu ziehen. Ich spüre ihre Anwesenheit in diesem Moment, ich spüre sie als Wärme in meiner Seele und als Licht in der Dunkelheit. Und sie ist der einzige Mensch, vor dem ich wohl niemals Angst haben werde. Vor allen anderen Menschen vermochte Dämonin Angst bereits Furcht, auch wenn sie noch so Lächerlich gewesen war, in meine Seele zu projektieren. Bei meiner ersten Liebe, wird es ihr niemals gelingen.

Ich möchte nicht genau in mich hineinschauen, um zu erblicken, was ich heute tatsächlich für sie empfinde, weil es mich vollkommen entwaffnen könnte. Vielleicht werde ich diesen Blick später riskieren. Egal, Mario, darum geht es hier nicht, ich bin mal wieder abgeschweift.

Sie hat mir letztens mitgeteilt in wenigen Zeilen, dass sie in ihrer Ehe die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe. Das hat mich schockiert, denn sie hat sich mir geöffnet und mir, wenn auch nur leicht fragmentarisch, Einblicke in ihre Welt gewährt.

Sie berichtete von Betrug mit der Nachbarin über eine lange Zeit hinweg. Sie erzählte mir in einer Sprachnachricht, dass sie gerade das gemeinsame Haus verlasse habe, um zu Fuß irgendwohin zu laufen, weil der Gatte sehr explosiv unterwegs gewesen sei.

Dann schrieb sie mir eines frühen Abends, dass sie im Auto sitze und weine.





Ich bin nochmal rausgefahren. Ich sitze gerade alleine im Auto, schaue in die Abendsonne und weine.

Ich bin eben gerade schlimm erniedrigt worden!

Da muss ich jetzt ganz alleine durch!

Es tut mir leid, wenn ich etwas off und gerade nicht kommunikativ bin. Melde mich später, wenn es besser ist.



Ich wollte nicht darüber nachdenken, wer das getan hatte und aus welchem Grunde. Aber unterbewusst zählte ich Eins und Eins zusammen. Doch weiter nachfragen tat ich nicht.

Jedoch vermochten mir die Fakten, dass sie erniedrigt worden war, und dass sie sich für den Moment der Schwäche auch noch entschuldigte bei mir, für einen gehörigen Moment den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Ich spürte in diesem Moment seelische Schmerzen, die selbst in all den Jahren Angst und Depression in mir nicht erzeugt hatten. Vielleicht waren es ihre Schmerzen, welche ich spürte, ich weiß es bis heute nicht und will auch irgendwie nicht näher darüber nachdenken.

Doch irgendwie dachte ich weiter darüber nach und ich frage mich heute, wie man in einer solchen Situation noch Hoffnung erkennen will? Wie sieht es tief im Inneren einer Seele aus, die in einem solchen Abdruck tatsächlich noch Positives erkennt? Denn nichts ist doch eigentlich positiver als die Hoffnung.

Meine Gedanken brechen ab an dieser Stelle, sie wollen und sollen nicht weiter nach Antworten auf diese Fragen suchen. Auch spreche ich meine erste Liebe niemals darauf an aus Furcht, sie könne den Kontakt zu mir abbrechen.

Doch vielleicht muss ich das irgendwann tun. Vielleicht muss ich ihr eines Tages diese Perspektive aufzeigen, um sie sehen zu lassen. Denn nur dank ihr weiß ich heute wieder, was es heißt, das Leben zu spüren. Angst und Depression hatten dieses Gefühl vor vielen Jahren längst aus mir herausgerissen. Sie hat mich so oft aus dem Pandämonium befreit durch einen einzigen Satz, durch eine kleine Tat, durch ein zartes Lächeln.

Vielleicht bin ich jetzt an der Reihe, hinabzusteigen in ein anderes Pandämonium. Jeder Mensch hat ein eigenes davon. Doch unterschiedlich sehen sie allesamt aus.
 



 
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