Casanova Clothing Trademark

Antaris

Mitglied
Hallo allerseits,

dieser Text ist entstanden als Aufgabe einer Schreibwerkstatt - es ging darum, in die Perspektive eines Kleidungsstückes zu schlüpfen.


Casanova Clothing Trademark, Paris-Madrid

Was für eine Frau! Schon als ich sie von weitem durch die Gänge zwischen den Regalen und Kleiderständern schreiten sah fiel sie mir auf und ich wünschte mir, mit ihr zu gehen. Das war ein vermessener Wunsch, denn ob sie überhaupt Interesse an mir finden würde war mehr als fraglich. Sie war auch nicht wirklich schön, jedenfalls nicht so wie die Models auf den Werbeplakaten, aber sie gefiel mir. In ihrem Gang lag ein herausforderndes Maß an Stolz und der rote Schimmer in ihrem Haar verdankte sie gewiss nicht dem Können eines tüchtigen Friseurs. Diese Frau müsste es sein, dachte ich.

Langsam kam sie näher und dann entdeckte sie mich. Sie war nicht die erste Frau in meinem Leben, aber als sie ihre Hände nach mir ausstreckte konnte ich vor Aufregung kaum meine Ruhe behalten. „Hallo“, sagte ich als ich die zarte Haut an ihren Hals berührte, „wie sehr habe ich mir gewünscht, eine Frau wie Sie kennenzulernen.“

Sie schürzte ihre Lippen skeptisch. „Doch, das ist mein Ernst“, bekräftigte ich, "Sie sind so schön! Schauen Sie nur, welch ein wundervolles Paar wir beide abgeben."

Sie drehte sich zum Spiegel, strich ganz zart über mich, und leider war es unvermeidlich, dass sie meine Visitenkarte in die Hände bekam. Nun wusste sie genau, wer ich war, aber die Zahlen am unteren Rand schienen sie zu stören. Ihre harten Fingerkuppen, ihre festen Handballen ließen ahnen, dass sie den Wert der Ziffern sehr wohl kannte. "Dich kann ich beim besten Willen nicht brauchen", zischte sie.

Schon war sie drauf und dran, mich wieder zrück ins Regal zu befördern. "Halt", schrie ich, "werden wir denn nie wieder zusammen sein?" Nun ruhten ihre schmalen Hände auf mir, und ich schmiegte mich an ihre Ohren. "Komm, nimm mich mit nach Hause", flüsterte ich. "Du sollst nie wieder frieren."

Das half. Unsicher blickte sie sich um, versteckte meine Visitenkarte zwischen mir und ihrer Haut, dann schloss sie ihren Mantel. Ich nahm kaum die Umgebung wahr, ich spürte nur ihre Schritte und klammerte mich fest. Alles schien genau so zu funktionieren wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hatte. Schon schlug uns die kalte Luft an der Ausgangstür entgegen da tippte jemand auf ihre Schulter.

"Entschuldigen Sie, dürfte ich bitte Ihren Kassenzettel sehen?" Der Ladendetektiv zeigte seinen Ausweis vor.

"Kassenzettel...warum?" fragte die Frau entgeistert.

"Ich meine den Kaufbeleg von diesem guten Stück hier" Schon kam mir der Ladendetektiv mit seinen fettigen Fingern gefährlich nahe. "Am besten kommen Sie gleich mit in mein Büro."

"Ich...kann nichts dafür", stammelte die Frau, als der Ladendetektiv sie quer durch die Geschäftsräume führte. "Der Schal hat gesagt, ich soll ihn mitnehmen!"

"Das finde ich überhaupt nicht witzig", entgegnete der Ladendetektiv finster. Kaum hatte er die Bürotür hinter ihr geschlossen brach sie in Tränen aus und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen.

"Was ist denn los?" Der Abteilungsleiter drückte seine Zigarette aus.

"Einer von diesen Kaschmirschals hat ihr angeblich eingeredet, sie soll ihn mitnehmen", brummte der Ladendetektiv."Das muss eine neue Masche sein. Sie ist schon mindestens die dritte, die so einen Stuss von sich gibt. Hier, nimm den schon mal mit."

Ehe ich mich versah lag ich wieder in meinem alten Regal.
 
Liebe Antaris,
meisterhaft geschrieben, wirklich! Ohne die Erklärung oben hätte ich glatt auf einen Liebhaber getippt.
Nur schade, dass die Geschichte kein Hapy-end hat. Platz dafür ist doch da. Reizt dich die Aufgabe nicht?
Herzliche Grüße
Willi
 

Antaris

Mitglied
Danke

Hallo Ihr Beiden,

danke für Eure Anerkennung. Die Geschichte weiter erzählen? Na, ich weiß nicht, was können wir von einem dusseligen Schal mehr erwarten als leere Versprechungen? Vielleicht schreibe ich mal eine andere Geschichte mit einem anderen Gegenstand, die dann ein Happy-End bekommt. Schrreib Du eine, Willi!

Mit feurigen Grüßen

Antaris
 

axel

Mitglied
Hallo Antaris.
Schon witzig: meine Handtasche neben deinem Schal.
Ich finde die Geschichte toll, du solltest nichts ändern, auch kein happy-end dazu schreiben, denn dann ginge der Witz verloren. Kompliment!
Schöne Grüße,
axel
 

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