Christa Paulsen - Der letzte Fall 35. Oh Günter - Langnase Günter

ahorn

Mitglied
Zurück zum Klappentext
Zurück zu Aufgewischt


Oh Günter
Langnase Günter

Christa klappte den Ständer ein, setzte sich auf ihr Rad und trat in die Pedale. Auf der Höhe von Günters Bürowagen, erblickte sie Günter, welcher seinen Kopf herausstreckte.
»Christa!«
Sie blieb stehen.
Günter winkte ihr zu. »Komm rein!«
»Was gibt es?«
»Komm!«, wiederholte er.
Christa stellte ihr Fahrrad ab und kletterte in den Wohnwagen.

Sie hatte gerade die Tür hinter sich geschlossen, da umfasste Günter eine Schnapsflasche, die auf seinem Klapptisch stand und bat ihr einen Kurzen an. Es war wahrlich für sie nicht die Zeit, in gemütlicher Zweisamkeit mit Günter in seinem Wagen zu sitzen, damit er nicht allein sich die Kante gab. Der Füllstand der Flache, sowie Günters Atem verrieten ihr, dass er sich mehr als einen bereits gegönnt hatte.
»Dafür habe ich keine Zeit. Außerdem ist es vorm Mittag«, gab sie ihm zu verstehen.
Er schenkte sich ein. »Ich muss dir etwas gestehen. Setz dich!«
Sie kam seiner Aufforderung nach, nachdem sei ein hellbau-weißes Seidenkleid von dem Campingerhocker genommen hatte.
»Stehst du neuerdings auf Eiskönigin?«
Günter zuckte. »Wie?«
Sie hielt ihm das Kleid entgegen, wobei sie grinste. »Na Eiskönigin, Disney, Olaf.«
Christa liebte die Verfilmungen von Walt Disney seid ihrer Kindheit. Ohne jemanden irgendetwas davon zu erzählen, schlich sie sich in die Kinoaufführung und heulte Rotz und Wasser.
»Hat Max aufgerissen.«
»Max?«
»Für ein Weihnachtsmusical.«
»Musical?«
»Mit Tinas Truppe will er eins aufführen. Werf das Ding zu den anderen Klamotten!«
Günter wies über seine Schulter, woraufhin sie das Kostüm auf eine Liege warf und dieses sich mit seinesgleichen vereinte.
Günters Blick folgte dem Flug. »Das ist hier kein Büro mehr, das ist ein Theaterfundus. Hab ihm dees gestern grad an den Kopf geworfen. Sein Gesang geh mir langsam auf die Nerven. Kreischte mir etwas von Tabaluga oder wie der Drache heißt entgegen. Der vergrault mir doch meine ganzen Gäste. Habe ihm gesagt, er könne bei Trude üben, dann sind zwei Durchgeknallte zusammen.«
In einer gewissen Art durchgedreht war Trude. Sie liebte ihre Kostümierungen. Seitdem sie selbst nicht mehr auf der Bühne stand, lebte sie ihre Leidenschaft in ihrer Kneipe aus. Zurzeit war sie Punk. Die Haare blau gefärbt, posierte sie in kaputter Strumpfhose sowie Minirock vor ihren Gästen, zupfte an ihrer Lederjacke und pöbelte diese an. Dabei kaute sie wie eine Kuh auf einem Kaugummi. Dies in ihrem alter.

»Setz dich endlich. Ich muss dir was gestehen.«
»Hast du Steuern hinterzogen?«, fragte sie, wobei sie schmunzelte.
»Schlimmer.« Er leerte sein Glas. »Ich war es.«
»Was?«
Günter tippte mit dem Zeigefinger auf seine Brust. »Ich habe mit ihr, na ja du weißt schon.«
»Gott. Günter red‘ Klartext!«
Er setzte sich ihr gegenüber hin. »Ich habe mit Wanja im Zelt.«
Christa schlug auf den Klapptisch, welche sie trennte. »Was?«
»Was Männer und Frauen so tun.«
Christa grinste und wandte ihren Kopf. »In einem Wohnwagen sitzen und Schnaps trinken.«
»Das andere.«
»Fernseh glotzen?«
»Christa im Bett.«
»Schlafen.«
»Vögeln!«
Christa verdeckte ihren Mund und lachte. »Du und eine Frau.«
»Wer nicht das erste Mal«, er wandte seinen Kopf von links nach rechts, »außerdem war sie nicht immer eine Wanja.«
Sie zeigte ihm einen Vogel. »Wanja?«
»Ich kenne sie oder besser gesagt ihn von früher.«
»Von früher?«
»Habe ihn im Urlaub Bulgarien kennengelernt, da war er noch ein süßer Boy.« Er senkte den Blick. »Du weißt, auf was ich steh.«
»Um euren Kontakt neu zu entflammen, bist du in ihr«, sie griente, »in seinem Zelt.«
»Ich habe ihn zuerst nicht erkannt. Erst gestern Abend. Er hat mich gebeten, ihm zu helfen, sein Zelt abzubauen.«
»Da du gerade so hilfsbereit warst …«
»Nein!«, druckste Günter. »Max musste aufs Klo und ich verspürte gleichfalls einen Drang. Da kam ich an seinem Zelt vorbei. Er sprach mich an und zog mich in sein Zelt.«
»Solltest du es nicht abbauen.«
»Seine Sachen zusammenräumen.«
»Ihr wart in ihrem, entschuldige, in seinem Zelt. Er spreizte seine Beine, damit du dein Vergnügen hast.«
»Er wollte nicht.« Günter kaute auf seinen Fingernägeln. »Ich hatte lange keinen Sex mehr. Habe ihm den Slip ausgezogen, seinen Rock hochgeschoben und bin dann …«
»Welchen Rock?«
»Denselben, den er heute Morgen trug.«

Christa strich über Günters Wange. »Wenn schütz du?«
»Niemanden. Ich kann es beweisen.« Er zog sich sein T-Shirt aus. »Siehst, gekratzt hat er mich.«
Sie berührte die Wunden. »Tut es weh?«
»Ja!«
»Wenn schützt du?«
»Niemanden!«, schrie er, dabei schlug er mit der Faust auf den Tisch, sodass die Gläser wackelten.
»Günter zu der Zeit, zu der du behauptest, mir ihr geschlafen zu haben, trug Wanja keinen Rock, sondern eine Hotpants.« Christa nickte. »Ich habe Zeugenaussagen. Außerdem ist sie eine Frau. Glaub mir! Also was hast du gesehen?«

Von wenn er die Geschichte mit der Transsexuellen erfahren hatte, war ihr klar, aber wen gab er Schutz. Einzig zwei Personen fielen ihr ein: Lutz ferner Max.
Günter wusste von der Beziehung zwischen Kalina und Lutz und er hatte ein Interesse, dass sie zusammenblieben. Denn er hatte ihnen sein Haus vermietet. Günter ahnte nicht, was Kalina und Theo trieben, aber dieses spielte keine Rolle. Er war ein Geschäftsmann. Mit keinem Wort hat er erwähnt, dass er Wanja umgebracht oder verbracht hatte und Sex war kein Verbrechen. Zumindest ging ihre Ermittlung in eine andere Richtung.

Max und Günter waren Freunde. Christa schmunzelte. Vielleicht waren sie sogar mehr. Eifersucht? Sie schüttelte den Kopf. Günter krümmte keiner Fliege ein Haar. Außerdem hatte Max oder Ben ihr erzählt, dass Max gehört hatte, wie es zwei in diesem Zelt trieben. Sie kratzte sich am Genick. Was war, wenn Günter nichts davon mitbekommen, dafür Max beobachtete, wie dieser Wanja in den Toyota verladen hatte. Sie zog ihre Stirn kraus. Wenn sie bloß Lutz Karre hätte, dann könnte die Spurensicherung feststellen, wer alles in dem Wagen gesessen hatte. Christa kniff ihre Augen zu. Blödsinn! Max hatte zugegeben, dass er mit dem Wagen gefahren war.

»Nimmst du mich fest?«
»Wieso? Weil du Sex hattest. Dies ist kein Verbrechen.«
»Also glaubst du mir?«
»Nein! Aber apropos Glauben. Wo sind die Speicherkarten?«
»Die was?«
Christa schlug an ihre Stirn. »Die Wildkameras! Werner! Karnickel!«
»Ist das jetzt wichtig?«
»Nein. Mein Job! Also wo sind sie?«
Günter drehte sich um, zog eine Schublade auf, griff hinein und legte Christa die Kameras vor die Nase. »Hier!«
»Danke!«
Sie steckte die Kameras in ihre Handtasche, stand auf und drohte. »Günter trink nicht so viel!«


Weiter zu Lutz hat gelogen
 
Zuletzt bearbeitet:

Oben Unten