classicis men

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Mondnein

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[ 4]classicis men


ob es wohl falsch ist wenn sprache sich ver selb stän digt
so dass sie sich mit sich selbst verständigt statt dass du
schon aufspringst sie packst und über deinem schosz zurecht legst
ihr wollen lämpchen rührst die stolz personifiziert

da her kommt mit gefühl bis unter die rosige haut
die rötet sich züchtig nun in deiner formenden hand
sie färbt sich gern von deinem züchtigungs hieb so pink
sie formt sich unter deiner tüchtigungs hand so lieb

ob das wohl falsch ist der sprache die rolle zu lassen im lied
als wäre sie eine eigene welt die der dichter durchfliegt?
vielleicht auch dass ich leser vom haus in den garten hinaus
die landschaft erkunde einer grammatik gärtnerin gleich

die welke farben schmeckt am rand eines lala byrinths
die lallebei labernde schläfer lyrik des schafenden lumps
die durch jene englischen spruchband verse ave ma riet
marie singt sie hat ein lamb so weisz wie schnee mein kind
 

Willibald

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wow!

Wie-wohl das "ob es wohl" als rhetorische Frage gut lesbar ist und beim Leser ganz gerne ohne Rhetorik diskutiert werden möchte:
Welch feine Textur!

greetse

ww
 

Mondnein

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Du bist ein Meister, Willibald,

im Entdecken von Subtilitäten, hier: der Ambivalenz, des Changierens, zweideutig zwischen rhetorischer Frage und offener Diskussionsthesen-Frage.

Ja, deshalb ist es hier ja auch so, daß der Dichter, der angeblich gegen die Verselbständigung der Sprache einschreitet, ihre Personifizierung "in der Tat" genießt und nutzt. Nutznießt. Tschi.

Wer ist eigentlich die "gärtnerin"? Ist sie der Dichter, gespiegelt in einer Vergleichsrolle, oder ist sie die "landschaft" (und deshalb feminin)? Und ist der Dichter mit der Leserin identisch? Oder eher mit dem schlafenden Lump, der mit Schäfer-Lyrik gerüttelt erscheint?

"Mary has a little lamb" ist in der Science-Fiction-Serie "Babylon 5" das Lied der Telepathen und ihres Messias Byron (sic!), mit dem sie sich gegenüber der Gedankenpolizei abschirmen. Mich reizt der Avemaria-Aspekt jenes englischen Kinderliedes, die Poesie des naiv-Religiösen.

grusz, hansz
 

Blumenberg

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Hallo Hansz,

gestern war ich ein wenig knapp an Zeit, wollte ich aber jetzt doch noch ein Lob loswerden. Dein Text hat mir sehr gut gefallen.
Du hast ein hintersinniges Gedicht geschrieben, das mit der Sprache spielend über Sprache reflektiert. Ich mich muss gestehen die von dir aufgegriffene Metaphorik der Sprache als Garten hat mich besonders neugierig gemacht. Ich schreibe im Augenblick beruflich über das Anthropozän und die im Sprechen darin gebrauchten Metaphern. Auch hier läuft einem allenthalben ein Gärtner über den Weg, allerdings in Gestalt des Weltgärtners.

Beste Grüße und ein schönes Wochenende

Blumenberg
 

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