dämmerungen

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zwischen nacht und erahntem morgen
schweben federleicht gedanken
morgenluft atmet sich ohne hast
irgendwo gibt eine singdrossel
ihr erstes frühkonzert
momente schützen ewigkeiten vor
und mein gewissen befreit
gewissenlos vergangenheit
zart schimmert hinter gardinen
verschämtes karmesinrot und
im nachbarhaus üben sie
schon vierhändig klavier

noch ist zeit
für harmonie und harmlosigkeit
 

Mondnein

Mitglied
schönes Wortspiel am Schluß - harmonie und harmlosigkeit - , zumal die beiden Wörter gar nicht miteinander verwandt sind.

Und auch der karmesin-Farbtupfer in der Mitte.
 

Perry

Mitglied
Hallo Karl,

ja am Morgen ist/scheint die Welt noch in Ordnung, je nachdem ob man Klaviermusik zu dieser Zeit mag. :)
Auch die Naturschilderung gefällt mir gut.
LG
Manfred
 
Lieber Manfred,
wenn ich ohnehin halbwach bin, dann mag ich auch dezente Klaviermusik...
Danke für Deinen Kommentar und herzlichen Gruß
Karl
 
T

Trainee

Gast
zwischen nacht und erahntem morgen
schweben federleicht gedanken
morgenluft atmet sich ohne hast
irgendwo gibt eine singdrossel
ihr erstes frühkonzert
momente schützen ewigkeiten vor
und mein gewissen befreit
gewissenlos vergangenheit
zart schimmert hinter gardinen
verschämtes karmesinrot und
im nachbarhaus üben sie
schon vierhändig klavier

noch ist zeit
für harmonie und harmlosigkeit
Hallo Karl,
die beiden Endverse setzen aus meiner Sicht einem guten Gedicht das Sahnehäubchen auf! :)
Tatsächlich liegt ja, bei näherer Betrachtung, in der Harmonie Harmlosigkeit oder zuweilen auch Mittelmäßigkeit verborgen.
Denn das Problem mit der Harmonie ist, dass es die Abweichenden zu Außenseitern stempelt. Nach unten, aber vor allem nach oben.

Für mich ein feinsinniges, kluges Werk, das sich im übertragenen Sinne sogar als akuell-politisches Gedicht begreifen lässt.

Trainee
 
Hallo Trainee,
über Deine wohlwollende Kritik habe ich mich sehr gefreut.
Es ist das verdammte Mittelmaß, was ich gern (auch als Lyriker) überwinden möchte. Aber das ist nicht so einfach.
Danke und herzlichen Gruß
Karl
 

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