Das alte Haus. - Sonett

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Walther

Mitglied
Das alte Haus.

Die Treppe knarrt, es weht ein kühler Wind,
Der einen Vorhang bläht. Ein Fenster schlägt.
Es ist der Schatten, der grau Trauer trägt.
Das ganze Haus ruft laut nach einem Kind,

Nach seinem Lachen. Da, es tanzt geschwind,
Da schnell die Zeit an frischen Ästen sägt
Und sich als Falten in Gesichter prägt,
Die alle durch das Haus gesprungen sind.

Staubhöschen kreiseln, alte Sessel flüstern,
Die Kordel ziert nicht mehr, sie baumelt lose.
Kamine blasen Asche aus den Nüstern,

Und Nadeln klappern zitternd in der Dose.
Das Licht verbirgt sich hinter leeren Lüstern:
Die Liebe, die hier war, verwelkt als Rose.
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ein wunderbares Stück, Walther!

Eine kleine Frage: was sind "Staubhöschen"? Windhosen im Mikroklima?
 

Walther

Mitglied
Hallo Hansz,
danke fürs kompliment, das aus berufenem munde kommt.
in der tat, ich habe das einmal auf einer alten darre beobachtet. es passte einfach hier hin. gedichte sind bei mir immer collagen, in denen sich bilder und worte übereinanderlegen und etwas neues formen. was erfinden wir denn schon, wir finden ja eher, ohne direkt zu suchen,
lg W.
 

Tula

Mitglied
Hallo Walther
Gefällt mir sehr. Zwei kleine Anmerkungen hätte ich dennoch:

S1Z3 - das Wörtchen grau, passt klanglich, ist aber auch irgendwie ein Hebungsprall

In S2 die Wiederholung von 'da', wobei beide eine unterschiedliche Bedeutung haben. Könnte man fürs zweite vielleicht ein 'wie' nehmen? Also:

Nach seinem Lachen. Da! Es tanzt geschwind.
Wie schnell die Zeit an frischen Ästen sägt .
..

LG
Tula
 

Trist

Mitglied
Fast so, als würde ich in dem alten Haus stehen, die Sonnenwärme durch die verblichenen Gardinen spüren,
das Ticken der alten Standuhr neben der verstaubten Vitrine hören ...
Ich mag so nostalgische Stimmungen, Walther.
Gerne gelesen.

Liebe Grüße
Trist
 

Walther

Mitglied
Hallo Walther
Gefällt mir sehr. Zwei kleine Anmerkungen hätte ich dennoch:

S1Z3 - das Wörtchen grau, passt klanglich, ist aber auch irgendwie ein Hebungsprall

In S2 die Wiederholung von 'da', wobei beide eine unterschiedliche Bedeutung haben. Könnte man fürs zweite vielleicht ein 'wie' nehmen? Also:

Nach seinem Lachen. Da! Es tanzt geschwind.
Wie schnell die Zeit an frischen Ästen sägt .
..

LG
Tula
lb tula,
danke vielmals. die graue trauer muss schon wegen des klangs bleiben. ist ein hebungsprall, wenn man es nach sprachmelodie liest. aber beim vortrag merkt das niemand.
dein hinweis zu s2v1&2 hat etwas für sich. man könnte das "da" durch "als" ersetzen. dein "wie" hielte ich für grammatisch nicht ganz korrekt. würde ich das "als" nehmen, verschöbe ich das problem um einen halben vers (doppeltes "als"). ich habe dann die "da"-variante gewählt. das ergebnis: wie man's macht, macht man's "falsch" (ist ja nicht wirklich falsch, es klingt nur gewöhnungsbedürftig, in beiden fällen).
textarbeit ist nicht ganz einfach, wie wir wieder lernen. hier gibt es m.e. keine perfekte lösung. oder: ich habe keine gefunden, aber höre gerne weitere vorschläge.
lg W.
Fast so, als würde ich in dem alten Haus stehen, die Sonnenwärme durch die verblichenen Gardinen spüren,
das Ticken der alten Standuhr neben der verstaubten Vitrine hören ...
Ich mag so nostalgische Stimmungen, Walther.
Gerne gelesen.

Liebe Grüße
Trist
hi Trist,
freut mich, danke dafür!
lg W.

der dichter dankt @Tula, @SánchezP und @Otto Lenk für die wunderbaren leseempfehlungen!
 


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